Mit dem Bohrer Baum untersucht

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Kreisfachberater Georg Unterhauser untersucht per Schallwellen (im Vordergrund die Sensoren) und mit einem sogenannten Resistograhen die Kötzinger Linde.

Chieming - Sie ist 350 Jahre alt und 34 Meter hoch: Die alte Linde auf dem Golfplatz des Golfclubs Chiemgau. Ein Experte untersuchte das Naturdenkmal jetzt - mit einem Bohrer!

Die Linde auf dem Golfplatz des Golfclubs Chiemgau bei Kötzing ist die größte und schönste im Landkreis Traunstein, sagt Gartenfachberater Georg Unterhauser vom Landratsamt. Aber sie ist in die Jahre gekommen, ihre "Knochen" sind ein wenig morsch geworden. Das hat eine Untersuchung jetzt ergeben. Trotzdem sieht der Experte das Naturdenkmal nicht gefährdet.

Allerdings sollten etliche Maßnahmen getroffen werden, um der Linde den Alterungsprozess leichter zu machen, so seine dringende Empfehlung an Grundstücksbesitzer Peter Siglreitmaier und den Golfclub als Pächter. Unterhauser schlug vor, den 34 Meter hohen Baum um zehn bis 15 Prozent zu verkürzen. Dann würde der Wind dem Baum deutlich weniger zusetzen.

Weiter empfahl der Fachmann, einen mächtigen Seitenast zu fixieren, damit er nicht abbricht. Schließlich riet Unterhauser, die gepflasterten Flächen in der Umgebung des Baums zu reduzieren oder zumindest teilweise zu öffnen, damit der Baum mehr Wasser bekommt.

Bei der Untersuchung des "Innenlebens" der Linde nutzte Unterhauser die sogenannte Schalltomografie. Die nötigen Gerätschaften wurden vor zwei Jahren angeschafft und vom Gartenfachberater seitdem schon etwa 100-mal eingesetzt.

Etwa 350 Jahre alt ist das 34 Meter hohe Naturdenkmal, schätzt der Experte.

Dabei werden von allen Seiten aus über Sensoren Schallwellen durch den Baum geschickt. Die Geschwindigkeit, mit der diese Wellen durch den Baum "jagen", wird von einem Computer aufgezeichnet. Der rechnet die Daten durch und erstellt einen farblich abgesetzten "Schnitt" durch den Stamm. In Kötzing waren 13 mit Kabeln verbundene Sensoren nötig, um die Linde mit ihrem Durchmesser von zwei Metern und rund sechs Metern Umfang zu untersuchen.

Die Grafik auf dem Computerbildschirm zeigte sehr viel Rot (=Stammfäule) im inneren Bereich und einen grünen Außenrand, der noch eine ausreichende Standfestigkeit bedeute. Das müsse man sich, erklärte Unterhauser, wie ein Rohr vorstellen: Selbst wenn der Baum im Inneren hohl wäre, würde trotzdem die durchschnittlich 40 Zentimeter starke Außenwand den Stamm aufrecht halten.

Das Ergebnis der Messungen im Schnitt: Der grüne Bereich weist auf eine solide Außenkonstruktion des Baumes hin, die Farbe Rot in der Mitte verweist dagegen auf eine schlechte Holzqualität.

Die genaue Stärke dieser Außenwand ermittelte Unterhauser mit einem sogenannten Resistographen, einem nur 1,5 Millimeter dünnen Bohrer, dessen Frequenzbewegungen über ein Messgerät Aufschluss über die Beschaffenheit des Holzes geben. Die Kötzinger Linde hat demnach auf der einen Seite etwa 34 Zentimeter gesundes Holz, auf der anderen Seite sogar noch zehn mehr.

"Wir sind noch im grünen Bereich", fasste Unterhauser seine Ergebnisse zusammen.

Besitzer Siglreitmaier zweifelt nicht daran, dass das notwendige Geld für die Sanierung des Baums - maximal etliche tausend Euro - aufgebracht werde. "Der Baum ist so eine Art Wahrzeichen", gab er auch die Meinung der Golfer wieder. Der Verein hatte vor kurzem selber schon von einem Fachmann Untersuchungen über die Qualität der Linde anstellen lassen.

Aufgrund der Größe und Ausdehnung schätzte Unterhauser das Alter der Linde auf etwa 350 Jahre. Er ist offizielles "Naturdenkmal, er darf also nicht gefällt und an ihm darf nichts verändert werden.

edh/Chiemgau-Zeitung

Quelle: chiemgau24.de

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