Abfallbeseitigung muss bürgerfreundlich sein

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Traunstein - Die SPD im Kreistag hat gemeinsam mit dem Kreisverband die Marschrichtung in der Abfallwirtschaft festgelegt. „Bürgerfreundlich und ökologisch sinnvoll“ soll sie sein.

Die Abfallwirtschaft im Landkreis Traunstein steht vor einem Umbruch. Die Verträge mit dem DSD (Duales System Deutschland) laufen aus, das Müllheizkraftwerk (MHKW) in Burgkirchen ist bald abgeschrieben und die demografische Struktur im Landkreis hat sich gewandelt.

Anhand von Zahlenmaterial machte Fraktionsvorsitzende Waltraud Wiesholer-Niederlöhner deutlich, wie sich vor allem auch durch das Engagement der SPD das Restmüllaufkommen in den 90er Jahren von damals 114.000 auf nun 25.000 Tonnen deutlich verringerte. Mit dem „besseren Müllkonzept“ kamen die Wertstoffhöfe, das MHKW konnte wesentlich geringer dimensioniert werden und entspricht sehr hohen Qualitätsstandards. Und auch die Müllgebühren konnten kontinuierlich gesenkt werden. „Jedoch immer pünktlich zu den Kommunalwahlen“, und verwies dabei auf die beiden Senkungen in 2002 und 2008 seitens des damals noch mehrheitlich von der CSU besetzten Kreistages. Der Landkreis Traunstein habe dadurch im bundesweiten Vergleich mitunter die niedrigsten Müllgebühren.

Auch SPD-Kreisvorsitzender Dirk Reichenau erinnerte an die Erfolge der SPD in den 90er Jahren und sprach von einem großen Potenzial, dass sich nun ergebe. Zum einen stünden Gebühreneinnahmen von 11 Millionen, Ausgaben von 2,3 Millionen für die Müllabfuhr gegenüber, wenn die 8,2 Millionen, die man heute noch für den ZAS und damit mehrheitlich die Abschreibung des MHKWs aufwendet, deutlich gesenkt würden. Zum anderen sollte der Landkreis seine Optionen auf die wertvollen Wertstoffe besser nutzen. „Ansonsten picken die Privaten wieder die Rosinen aus dem Kuchen“, argumentierte er mit dem Verweis auf die nun privat geführte gut florierende Blaue Tonne für die Altpapierentsorgung. Unzufrieden zeigte sich Reichenau mit den nur mehr sporadisch abgehaltenen Kreis-Umweltausschusssitzungen. Auch sprach er die gesonderte Verwertung von Biomüll in Biogasanlagen an. Ein Drittel des Restmülls könnte so energetisch wiederverwertet werden. Dagegen spreche die höhere Belastung des MHKWs durch die fehlende Nassfraktion, so Christian Mayer aus der Traunsteiner SPD-Vorstandschaft, der Bedenken gegenüber der Einführung einer Biotonne zeigte. Eindeutig befürwortete Reichenau jedoch die Stärkung des Holsystems, was der Einführung einer Gelben Tonne gleich käme. „Wir werden älter, der Gang zum Wertstoffhof bedeutet Aufwand“, so Reichenau. Oberstes Ziel sei jedoch für ihn, „Müll vermeiden, wo es möglich ist“.

Stellvertretender Landrat Sepp Konhäuser sah ebenfalls in der Stärkung des Holsystems die Zukunft in der Abfallwirtschaft. „Die Sortiertechnik ist soweit fortgeschritten, dass bei Einführung einer Wertstofftonne, die Qualität der sortierten Wertstoffe gewahrt ist“, so Konhäuser. Die Wertstoffhöfe sollten seiner Meinung nach zentrale Dienste anbieten. Die neue AK Umwelt-Vorsitzende in der SPD, Monika Berlitz machte hier dringlichen Entsorgungs-Bedarf für Elektroschrott, Bauschutt und Sperrmüll aus, der dann möglichst flächendeckend in den Wertstoffhöfen abgegeben werden können sollte.

Traunreuts Zweiter Bürgermeister Ernst Ziegler favorisierte die Grüngutannahme in den Wertstoffhöfen als feste Einrichtung zu erhalten bei gleichzeitiger Einführung einer „Wertstofftonne“. Das Wertstoffhofkonzept müsste in diesem Zuge überarbeitet werden. Die Wertstofffraktionen dieser „Wertstofftonne“ (vor allem Kunststoffe und Bleche) würden wegfallen, statt dessen oben genanntes wiederverwertbares Gut zentralisiert entgegengenommen. Von einer „fatalen Ökobilanz“ sprach Sepp Konhäuser hinsichtlich des „Bahntourismus“ bei der Restmüllentsorgung, da Tittmoninger Restmüll ebenfalls in die Umladestation in Traunstein gefahren werde, um dann wieder per Bahn nach Burgkirchen hoch gekarrt werde.

„Vor allem bürgerfreundlich muss die künftige Abfallwirtschaft im Landkreis sein“, betonte Fridolfings Bürgermeister Johann Schild. Also: nicht mehr als maximal zwei oder drei Tonnen für verschiedene Wertstoffe vor der Haustür bei moderaten Müllgebühren. Dazu sollte die Chance der Gebührensenkung zeitnah mit dem Ende der MHKW-Abschreibung und nicht wahlkampfträchtig in drei Jahren genutzt werden. Ein solch neues Konzept sollte aber vor allem ökologische Aspekte mitbetrachten, so Grassaus Bürgermeister Rudi Jantke.
Und damit seien auch die vielen Einzelfahrten zur Wertstoffentsorgung in die Wertstoffhöfe gemeint, die in der Ökobilanz deutlich negativ auffallen, erläuterte Jantke. Die Fraktionsvorsitzende Waltraud Wiesholer-Niederlöhner fasste nochmals die zentralen Aspekte einer neuen Abfallwirtschaft im Landkreis Traunstein zusammen, die dann in einer Resolution zu einem Sonderparteitag der SPD auf den Weg gebracht werden solle.

Pressemeldung

Quelle: chiemgau24.de

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