Österreichische Gemeinde Kuchl

Von der Quarantäne fast nahtlos in den Lockdown: „Da müssen wir jetzt durch“

Polizei bei Kontrolle in Kuchl
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Die Polizei rückte Sonntagnacht von den insgesamt fünf Kontrollstellen wieder ab, ab Dienstag wird sie dann landesweit mit der Kontrolle der nächtlichen Ausgangsbeschränkungen beschäftigt sein.

Kuchl - Die 14-tägige Quarantäne der Gemeinde endete am Sonntag um 0 Uhr. Ab Dienstag 0 Uhr schränkt dann der österreichweite Lockdown das Leben der Kuchler erneut stark ein.

Sonntag, Mitternacht ging die 14-tägige Quarantäne der Tennengauer Gemeinde Kuchl zu Ende, die vor zwei Wochen von der Landesregierung wegen damals sehr hoher Infektionszahlen verhängt worden waren. „Die Zahl der aktiv Infizierten liegt heute bei 77, vor zwei Wochen waren es 131“, so Kuchls Bürgermeister Thomas Freylinger am Sonntagvormittag in einem ATV-Interview.


Die Quarantäne habe die gewünschte Wirkung gezeigt, auch wenn heute viele Gemeinden in Österreich eine weit höhere Zahl hätten als Kuchl damals, „wir waren halt 14 Tage früher dran“.

Die Stimmung in Kuchl am Sonntag nach der Allerheiligen-Messe ist gut, die Stimmen im Ort reichen von „Wir haben alles im Ort, mir hat nichts gefehlt“ bis zu „Es war schon langweilig, man durfte keine Freunde treffen“. Dass die Gemeinde nun fast nahtlos von der Quarantäne in den Lockdown geht löst bei einer nicht repräsentativen Umfrage keinen großen Unmut aus, „da müssen wir jetzt durch, die Maßnahmen sind vernünftig“, so der Tenor der Antworten.


Der Bürgermeister ist indes stolz auf seine Gemeindebürger, die alle Quarantäne-Maßnahmen vorbildlich mitgetragen hätten, eine von der Polizei angezeigte private Feier sei nicht in einem Vereinsheim gewesen, „es waren Auswärtige die trotz Quarantäne nach Kuchl gekommen waren“. Insgesamt habe es 23 Anzeigen gegeben hauptsächlich für Nicht-Einheimische, die verbotenerweise in Kuchl stehen geblieben seien.

Froh ist der Bürgermeister, dass die großen Betriebe und systemrelevanten Zulieferer in der Gemeinde hätten Großteils weiterarbeiten können, ab Montag, 0 Uhr dürfen wieder alle Betriebe und Unternehmen ihre Nicht-Kuchler Mitarbeiter zurückholen. Dass heute viele Gemeinden in Österreich weit höhere Zahlen aufweisen als Kuchl und nicht in Quarantäne müssen ärgert Freylinger nicht, „wir waren einfach zwei Wochen zu früh dran, aber man sieht jetzt, dass es bei einer weltweiten Pandemie keinen Schuldigen gibt und viele zu schnell auf Kuchl gezeigt haben“.

Abholservice funktionierte

Für die Gastwirte, Cafés und Bars im Ort ändert sich mit Sonntagmitternacht eigentlich nichts, nur einen Tag, am 2. November, dürften sie „normal“ aufsperren, am 3. November beginnt bereits der österreichweite, zweite Lockdown mit einer abermaligen Schließung aller Wirtshäuser, obwohl die nach eigenen Aussagen sehr gute Hygienekonzepte hätten. Ob diese tatsächlich immer und überall eingehalten wurden kann niemand bestätigten. „Für den einen Tag sperr ich sicher nicht auf“ sagt zum Beispiel Pankraz Seiwald vom Mühlthalerhof im Zentrum von Kuchl.

Einen Lichtblick bietet ihm die neue Lockdown-Verordnung allerdings, Geschäftsreisende und Arbeiter darf er wieder aufnehmen, „ab Montag sind wieder einige Monteure bei uns für Übernachtung und Frühstück im Haus“. Andere Gastwirte halten ihre schweren Holztüren erst einmal weiter verriegelt, „aufgrund dieser unsinnigen Verordnung haben wir bis auf weiteres geschlossen“ ist beim ‚Römischen Keller‘ zu lesen.

Die Kuchler sind aber nicht verhungert, alle Lebensmittelgeschäfte und Diskonter hatten offen genauso wie Bäcker und Metzger im Ort, auch ein Wirt am Ortsende und eine Pizzeria machten mit einem Abholservice offenbar ein gutes Geschäft. Freylinger freut sich mit seinen Bürgern darauf, dass er wieder in die Nachbargemeinden darf, „und morgen können meine Familie und ich endlich wieder die Großeltern besuchen“.

hud

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