Bernhard und Mozart zum Auftakt

Salzburg - Die neue Spielzeit 2011/2012 beginnt im Salzburger Landestheater im Bereich Schauspiel mit Thomas Bernhard und im Bereich Oper mit Wolfgang Amadeus Mozart.

Werner Friedl schlüpft in die Haut von Thomas Bernhard. Die von Hass und Verachtung getriebene Lust des Dichters an ätzendem Spott bringt der populäre Schauspieler brillant zum Ausdruck. Zur Freude des Publikums. Thomas Bernhard wollte nicht die Preise, die ihm verliehen wurden, sondern nur die Schecks. Die Honoratioren, die bei den Festakten um ihn herumwedelten, waren für ihn stets eine Projektionsfläche für hemmungsloses Dauergeschimpfe. Die Negation wirkte auf des Dichters Psyche wie eine Droge. Es wäre ein Wunder, wenn er mit Österreich dabei eine Ausnahme gemacht hätte.

Thomas Bernhards Polemik gegen die eigene Heimat hat nicht das Gewicht eines objektiven Attests. Es ist eher das Spiegelbild der Psyche eines todkranken Dichters – ein Aufbäumen gegen die ganze Welt. Aus dieser Seelenspannung erwuchs große Dichtung.

Der Abend dreht sich um Liebe, Schuld und Tod – bis hin zu einem Mord. Das Herzstück ist Mozarts emotional-opernhafte c-Moll-Messe. Zusammen mit neun Konzertarien wird sie zu einem eindrucksvollen Gesamtkunstwerk verflochten. Die Kombination, vertieft durch zahlreiche szenische Elemente, zeigt Mozart in neuem Licht. „Das darf man mit Mozart machen, ohne ihm Gewalt anzutun“, sagt Intendant Carl Philip von Maldeghem. Stimmt. Zumal die verschiedenen Elemente harmonisch miteinander verschmelzen. Das Publikum jubelt. Die Hoffnung, die im Namen „Musica Speranza“ oszilliert, erfüllt sich am Schluss der Handlung.

Nach einem schweren Schicksalsschlag, über den die Zuschauer im Detail wenig erfahren, suchen schuldig gewordene Menschen nach Halt und Orientierung. Regisseur Andreas Geier, der sieben Semester Theologie studiert hat, bevor er im Theaterleben die Erfüllung fand, ist dabei in seinem Element. Das Mozarteum-Orchester, herausragende Sängerinnen und Sänger, das Ballett und zwei Chöre des Landestheaters machen „Musica Speranza“ zu einem unvergeßlichen künstlerischen Feuerwerk. Es ist ein Fest für alle Sinne.

lb

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