Mord an junger Frau in Zell am See

Burschen planten auch Tiroler Autohändler zu töten

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Salzburg, Zell am See - Im Oktober wurde die 20-jährige Irene P. mit vier Schüssen getötet. Ein Hinweis aus Bayern führte letztendlich zum Täter. Jetzt müssen sich die jungen Männer vor Gericht verantworten.

Update, 9. Oktober: Burschen planten auch Tiroler Autohändler zu ermorden

Am Nachmittag des ersten Verhandlungstages am Mittwoch ging es auch um den zweiten Anklagepunkt, den versuchten Raubmord an einem Autohändler aus Tirol. Beide Burschen sollen geplant haben, am 6. Dezember 2018 im Rahmen einer Probefahrt in Absam (Tirol) einen Autohändler zu erwürgen um damit an einen 76.000 Euro teuren Mercedes der E-Klasse zu kommen.

Der Zweitangeklagte Christian S. habe dazu die Idee gehabt, habe sich als Immobilienmakler vorgestellt und mit dem Händler in Tirol einen Termin vereinbart, eben am 6. Dezember 2018. Diese Probefahrt mit einem Mercedes der E-Klasse hat dann tatsächlich stattgefunden, David S. sei auf der Rückbank gesessen mit dem „Auftrag“, den Verkäufer während der Fahrt zu erdrosseln, er habe das aber nicht geschafft. Die Richterin fragt, warum er am 20. Oktober Irene P. habe umbringen können, aber den Autoverkäufer nicht. „Weil ich die Erfahrung mit Irene schon hatte, ich wollte das nicht noch einmal durchmachen“. Sein Freund sei danach wütend gewesen, weil er es nicht gemacht habe. Als Vorbereitung für den geplanten Raubmord sollen Beide in einem Wald bei Kaprun bereits eine Grube für die Leiche ausgehoben haben.

Lob von Christian wegen Mord an Irene P

Bei einer Einvernahme bei der Polizei hatte David S. geschildert, dass Christian S. ihn nach dem Mord an Irene P. gelobt habe, „er sei stolz auch mich gewesen, dieser Mord sei anscheinend eine Art Prüfung gewesen für die Pläne mit dem Autoverkäufer“, gab der Erstangeklagte zu Protokoll. Die Raubmorde an Autoverkäufern seien schon vor dem 20. Oktober geplant gewesen, also vor dem Mord an Irene P. Der Zweitangeklagte Christian S. entgegnet vor dem Jugend-Schöffengericht, dass das alles nicht stimme, es sei nur darum gegangen, „eine Probefahrt mit einem Luxuswagen abzustauben“.

„Ich war Christian hörig“

Ein Schöffe wollte wissen, ob David S. von seinem Freund nicht nur gelobt, sondern auch bestraft wurde. „Ja, er hat ab und zu einen Elektroschocker an mir getestet, ob das ein Spaß war oder eine Strafe weiß ich nicht“. Er sei blind gewesen, welche Art von Freundschaft das war habe er erst am 20. Oktober gemerkt, als er Irene P. im Auftrag seines Freundes habe umbringen müssen. Der Zweitangeklagte bestreitet diesen Auftrag. Einem anderen Schöffen antwortet David S., er sei von seinem Freund abhängig gewesen, „ja, ich war ihm absolut hörig und wollte daher auch eine Auszeit haben, aber er hat das nicht angenommen“.

„Wollten nur eine Probefahrt abstauben“

Den Anklagepunkt des versuchten Raubmordes stellte Christian S. in seiner Einvernahme ganz anders dar, es sei nur darum gegangen, mit einem Luxus-Pkw eine Probefahrt machen zu können, dass der Tiroler Autohändler die zwei jungen Burschen ernst nahm habe beide damals auch gewundert, immerhin sollte der gefahrene Wagen 76.000 Euro kosten.

„War nach der Tat panisch und hilflos“

Zurück zum Mord an der 20-jährigen Irene P., die von David S. Drogen gekauft und weitergekauft haben soll. Der in Tschechien geborene und in Zell am See aufgewachsene Zweitangeklagte lieferte in den Einvernahmen bei der Polizei und bei der Haftrichterin bisher mehrere Versionen zum Ablauf, vor Gericht bekennt er sich nicht schuldig. Auf die Frage der Vorsitzenden Richtern, warum ihn David S. so massiv belaste mit dem Vorwurf, er habe ihn zum Mord beauftragt mutmaßt Christian S., „er will vermutlich nicht alleine untergehen sondern sich in einer Opferrolle sehen“. Er kenne David S. schon seit der Hauptschule, später im Polytechnischen Lehrgang seien sie Freunde geworden. Ein Zeuge hat die Freundschaft der Beiden bei der Polizei als „intensiv“ beschrieben, also „dass David alles für Christian macht“, Christian S. soll gegenüber dem Zeugen hingegen gemeint haben, David S. sei „sein Einser-Schüler und ich bin der Beste“. Am späten Nachmittag zeigt das Jugend-Geschworenengericht dann Videoaufnahmen von der Tatrekonstruktion in Zell am See, an der sich der Erstangeklagte aus gesundheitlichen Gründen nicht beteiligte.

In der nächsten Woche kommen am Mittwoch und Donnerstag neben zahlreichen Zeugen auch die Gutachter zu Wort. Das Urteil wird dann am Abend des dritten Verhandlungstages erwartet.

Erstmeldung, 8. Oktober: Mord an Drogenhändlerin – Täter und „Anstifter“ vor Gericht

„Ich möchte mich entschuldigen, es tut mir aus tiefstem Herzen Leid“, so begann der Hauptangeklagte David S. (mittlerweile 18 Jahre) seine Aussagen vor einem Jugend-Geschworenengericht. 

Der Erstangeklagte David S. zitterte fast eine halbe Stunde lang am ganzen Leib, sein Anwalt wollte die Öffentlichkeit ausschließen lassen, das Gericht lehnte allerdings ab.

Er wiederholte auch vor Gericht sein Geständnis, dass er am 20. Oktober 2018 in Zell am See die damals 20-jährige Irene P. mit vier Schüssen getötet hat. Vor Gericht steht auch sein damals bester Freund, Christian S., der ebenfalls 18-Jährige soll ihn zum Mord angestiftet haben, dieser bestreitet dies allerdings. 

Der Zweitangeklagte Christian S., (Mitte) weist jede Schuld von sich, er habe mit dem Mord nichts zu tun.

Neben dem Mord und der Anstiftung dazu sind auch beide unter anderem auch wegen versuchten Mordes angeklagt, sie sollen geplant haben, einen Autohändler während einer Probefahrt zu ermorden. Der Zweitangeklagte Christian S. bestreitet alle Vorwürfe. Sein Anwalt sieht als Motiv des Erstangeklagten für den Mord an der 20-Jährigen eine Mischung aus Rache, „die hat mich verraten“ und möglicherweise sei er auch verknallt in sie gewesen, „seit Kitzbühel wissen wir ja, es reicht ein leichter Funke für so eine Tat“.  

Der Hauptangeklagte, eher schmächtig wirkende David S. sitzt lange Zeit zitternd auf der Anklagebank, während der Zweitangeklagte Christian S. eher ruhig und gelassen wirkt. Der Staatsanwalt schildert, dass sich die beiden von der Hauptschule her kennen, David S. aber ein Einzelgänger sei und wegen seiner eher schmächtigen Statur das Ziel von Mobbing gewesen sei. Er habe sich daraufhin in die virtuelle Welt „geflüchtet“, sein erster, realer Freund sei Christian S. gewesen. Gemeinsam hätten sie beim Abhängen Ideen entwickelt, wie sie „an schnelles Geld kommen können“, David S. habe dann begonnen, Cannabispflanzen anzupflanzen und später auch zu verkaufen und selbst zu konsumieren. Danach sollen sie gemeinsam im Darknet Schreckschusspistolen gekauft haben, „der Plan von David S. war es, diese Pistolen zu echten Pistolen umzubauen und dann zu verkaufen“, so Staatsanwalt Christian Neher. Bereits im Dezember 2017 sei David S. dann das erste Mal wegen Drogenverkaufs angezeigt und einvernommen worden, zwei Abnehmer hatten ihn verpfiffen. Auch das spätere Mordopfer, Irene P., gab bei Einvernahmen zu, bei David S. geringe Mengen gekauft und anschließend weiterverkauft zu haben. „Über diesen Verrat war David S. schon sehr verärgert“, so der Staatsanwalt, „dass das schon ausreichend war für einen Mord will ich mir nicht vorstellen, aber ein anderes Motiv hat sich bei allen Einvernahmen bisher nicht ergeben“.

Am 20. Oktober 2018 habe sich David S. von seinem Freund Christian S. in die Nähe des Tatortes am Rande von Zell am See chauffieren lassen, sei zu Irene P. gegangen und habe diese vor ihrer Wohnungstür mit insgesamt vier Schüssen erschossen. Den Auftrag dazu will David S. von seinem Freund Christian S. bekommen haben, dieser habe ihn in seinem Elternhaus abgeholt  und gesagt „Nimm die Waffe mit“. Während der Fahrt soll Christian S. über die gemeinsame Bekannte Irene P. geflucht haben, „sie ist eine Hure“. Zuerst hätte Christian alleine zu Irene gehen wollen, aber in der Bahnunterführung wenige 100 Meter vom Haus entfernt habe er es sich anders überlegt. „Er hat mir die Waffe an den Kiefer gehalten und mich aufgefordert, dass ich zu Irene gehe und sie erschieße“, so David S. vor dem Geschworenengericht. Als kurze Zeit später Irene P. ihre Wohnungstüre geöffnet habe hat er insgesamt vier Mal auf sie geschossen, „ich habe einfach abgedrückt“. Die Vorsitzende Richterin fragt nach, „Was ist ihnen durch den Kopf gegangen?“, darauf David S.: „Ich habe Angst gehabt vor Christian“, warum er gleich vier Mal abgedrückt hat wisse er nicht mehr.

„Nur David belastet Christian“

Der Zweitangeklagte, Christian S., bestreitet jede Beteiligung, „außer der Aussage von David S. haben wir nichts Belastendes gegen meinen Mandanten“, so Robert Morianz, der Strafverteidiger von Christian S. Er hoffe, dass David S. im Verlaufe der drei Verhandlungstage eine weitere Version erzählen und damit Christian S. entlasten werde. Morianz verliest einen WhatsApp Chatverlauf der beweisen soll, dass Christian S. vom Mord an Irene P. nichts gewusst haben könne. So sei Christian S. eine Stunde nach der Bluttat am 20. Oktober am Tatort vorbeigefahren, habe die starke Polizeipräsenz bemerkt und anschließend an David geschrieben „da sind gerade viele Cops bei Irene, hoffentlich nehmen sie sie mal fest“. Der Anwalt ist sich sicher, dass Christian S. so etwas nicht schreiben können wenn er vom Mord eine Stunde zuvor gewusst hätte. Indirekt warf er der Polizei auch vor, zuerst nur in eine Richtung ermittelt zu haben, „alle in Zell am See wussten, dass es sich um einen Mord im Drogenmilieu handelt“. Tatsächlich hätten sich die Ermittler aber lange Zeit auf einen digitalen Fußabdruck konzentriert, sodass der Täter, David S., erst zwei Monate nach der Tat durch einen Zufall am 23. Dezember 2018 festgenommen werden konnte.

David S. war zu dieser Zeit als Aushilfe in einem Skiverleih angestellt, für 20 Stunden, arbeiten musste er nach seinen Aussagen aber 40 Stunden, „und Geld habe ich auch keines gesehen“. Daher sei er sehr sauer gewesen und hätte in einem Chat mit einem virtuellen Freund in Moosach bei München zuerst einen Brandanschlag auf den Skiverleih und später einen Amoklauf in Zell am See angekündigt. Der Chat-Partner hat daraufhin die bayerische Polizei verständigt, die den Hinweis an ihre Kollegen in Salzburg weitergegeben haben. Beim Eintreffen der Polizei im Zeller Ortsteil Thumersbach habe der Vater den Beamten eine Waffe übergeben, die er kurz zuvor im Zimmer von David gefunden hatte, der Sohn war in der Arbeit beim Skiverleih. Dort haben die Beamten David S. schließlich festgenommen, in der Hose eingesteckt hatte er dabei die zweite, umgebaute Waffe. Zu diesem Zeitpunkt soll David S. vermutet haben, sein Vater habe ihn „verraten“, „dieser Verrat zieht sich wie ein roter Faden durch das Leben von David S.“, so der Anwalt des Zweitangeklagten, der damit die Anschuldigungen gegen seinen Mandanten, Christian S., zu zerstreuen versucht.

Am Dienstagnachmittag (8. Oktober) wird die Einvernahme von David S. fortgesetzt, nächste Woche kommen am Mittwoch und Donnerstag neben dem Zweitangeklagten auch Zeugen und Gutachter zu Wort. Das Urteil wird für nächste Woche erwartet.

hud

Quelle: rosenheim24.de

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