„Gute Erfahrungen in Hamburg und Frankfurt“

Stadt mietet an: Obdachlose checken in nagelneues Hotel in Salzburg ein

Im neu gebauten „Wolfgang’s“ checken ab sofort 43 Obdachlose ein, „bei Bedarf auch mehr“, so der Hotelmanager. Stadt und Land Salzburg zahlen.
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Im neu gebauten „Wolfgang’s“ checken ab sofort 43 Obdachlose ein, „bei Bedarf auch mehr“, so der Hotelmanager. Stadt und Land Salzburg zahlen.

Salzburg- Im erst im vergangenen Jahr eröffneten Hostel für junge Leute in der Nähe des Hauptbahnhofes werden in den nächsten Monaten Obdachlose einchecken.

Stadt und Land Salzburg haben rund 20 Zwei-Bett-Zimmer angemietet in einem 119-Zimmer-Hotel, das seit dem Beginn der Corona-Pandemie mehr oder weniger leer steht. „Wir haben mit ähnlichen Projekten in Hamburg und Frankfurt am Main gute Erfahrungen gemacht“, sagt Hotelmanager Sven Drave von ‚a&o Hostels‘.


Ein obdachloses Brüderpaar aus Vorarlberg wartet am Donnerstagvormittag in sicherer Entfernung vor einem noch stattfindenden Pressetermin im Hostel schon ungeduldig auf ihre neue Bleibe, die geschätzt 50 Jahre alten Männer, die weder ihre Gesichter, noch ihre Namen in der Zeitung sehen möchten, erzählen, dass sie Jahrzehnte bei einem Strumpfhersteller in Vorarlberg gearbeitet hätten, „dann sind wir aber entlassen worden und haben dann auch keine Arbeit mehr gefunden weil wir zu alt sind“, so einer der Beiden.

Nach dem Verlust der Wohnung hätte ihr Obdachlosen-Dasein begonnen, sie würden hauptsächlich in Österreich von Stadt zu Stadt ziehen, die letzten Nächte hätten sie im Caritas-Haus Franziskus verbracht, einer Notschlafstelle, die allerdings nur über Nacht offen hat, um 8 Uhr in der Früh müssen alle Bewohner das Haus wieder verlassen, der Eigentümer des Hauses hat es so in den Mietvertrag mit der Caritas diktiert. Tagsüber verstecken sich die Brüder, wie viele andere Obdachlose auch, am Rande von Parks oder am Salzachufer, sie wollen nicht auffallen.


Übernachten, essen, duschen

Im Frühjahr bei der ersten Corona-Welle wurden Obdachlose in einem ehemaligen Flüchtlingshaus in der Plainstraße einquartiert, dort wird aber jetzt schon umgebaut, weshalb sich Caritas, Stadt und Land Salzburg nach einer anderen Möglichkeit umsahen, und was liegt näher als eines der vielen leer stehenden Stadthotels zu fragen. Fündig wurden die Verantwortlichen im neu eröffneten Stadt-Hostel „Wolfgang‘s“ in unmittelbarer Nähe des Hauptbahnhofes. „Hier können 43 obdachlose Menschen rund um die Uhr bleiben, bekommen Verpflegung, können duschen, übernachten und erhalten Beratung von Sozialarbeitern“, erklärt Caritas-Chef Johannes Dines. Finanziert wird die Unterbringung je zur Hälfte von Land und Stadt Salzburg. „Angesichts der verschärften Corona-Maßnahmen haben nun auch obdachlose Menschen die Möglichkeit, sich nicht auf der Straße aufhalten zu müssen“.

„Freiheit“ versus Hausregeln

Für 43 Obdachlose werden eingelagerte Matratzen wieder aus dem Keller geholt und ausgepackt.

In Salzburg sind aktuell etwa 110 Obdachlose, davon viele aus ganz Österreich, Deutschland und anderen Ländern, aber nicht alle wollen ihre „Freiheit“ aufgeben und sich Hausregeln unterwerfen, einige schlafen auch bei Eis und Schnee lieber in Buswartehäuschen oder unter Brücken. Die 43 Plätze in Zwei-Bett-Zimmern im Hostel entsprechen in etwa den Nächtigungszahlen der letzten Zeit im Obdachlosen-Haus Franziskus. Die geltenden Corona-Regelungen werden eingehalten, das Hostel verfügt über ein zertifiziertes Hygienekonzept. „Sollten es Covid-Fälle mit leichtem Krankheitsverlauf geben, stehen im Haus mehrere Quarantänezimmer zur Verfügung“, so Hostel-Manager Sven Drave.

Sein Unternehmen hat sich mit den a&o Hostels auf die jugendliche Traveller spezialisiert, die wegen der Reisebeschränkungen und Quarantänebestimmungen seit März mehr oder weniger ausfallen. „Wir haben im Nachbarhaus noch Zimmer für Geschäftsreisende, aber hier im Wolfgang’s werden wir vorerst nur Zimmer für 43 Obdachlose zur Verfügung stellen, wenn gewünscht auch mehr“.

Soziallandesrat Heinrich Schellhorn (l.) und Sozialstadträtin Anja Hagenauer haben das Wolfgang’s für Stadt und Land angemietet, Caritas-Mitarbeiter von Johannes Dines werden die Obdachlosen betreuen.

Dass Obdachlose Zimmer zerstören könnten glaubt der Manager nicht, „wir haben ähnliche Projekte schon in Hamburg und Frankfurt am Main und dort wird nicht mehr kaputt als sonst bei Hotelgästen auch“. Zwei Hotelmitarbeiter, sowie Caritas-Betreuer seien zudem rund um die Uhr im Haus. Mit dem Angebot für die Caritas könne das Hotel zumindest die Personalkosten einigermaßen decken, die Eigentümergruppe des Hauses sei ebenfalls einverstanden gewesen.

Neben der neuen 24-Stunden-Unterbringung im Wolfgang’s bleiben auch das Haus Franziskus mit 40 Übernacht-Schlafplätzen, sowie das Haus Elisabeth mit 13 Betten offen, sodass die Stadt für 76 Obdachlos offiziell Plätze zur Verfügung stellt.

hud

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