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„SeneCura-Fall hat Ruf der Pflege ruiniert“

13 Bewohner in Salzburg sollen umsiedeln, aber wohin? – Betreiber denkt schon wieder an Neuaufnahmen

Schellhorn Baumgärtner
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(Noch-)Landesrat Heinrich Schellhorn (li.) will, dass SeneCura 13 Bewohner umsiedelt, die städtischen Häuser werden sie schon aufnehmen, „das ist völlig utopisch“ meint der Leiter der fünf städtischen Heime, Christoph Baumgärtner.

Der Pflegeskandal im privat geführten SeneCura-Haus im Salzburger Stadtteil Lehen lässt die Wogen weiterhin hochgehen. In einer emotionalen Aktuellen Stunde im Gemeinderat am Mittwoch (21. September) stellte SPÖ-Gemeinderätin und Diplom-Krankenpflegerin Sabine Gabath fest, „dass durch den Skandal der Ruf des Pflegeberufs ruiniert ist. Wie sollen wir jetzt Menschen dazu motivieren, diesen schönen und erfüllenden Beruf zu ergreifen?“. Am Freitag (23. September) gab Landesrat Heinrich Schellhorn schließlich seinen Rücktritt bekannt.

Salzburg – Währenddessen wird weiterhin händeringend nach Plätzen für 13 SeneCura-Bewohnerinnen gesucht, die nach einem Bescheid des Landes umziehen müssen, um das Personal in Lehen zu entlasten. Der SeneCura-Betreiber entschuldigt sich mittlerweile, schiebt den schwarzen Peter der Corona-Pandemie zu und will im nächsten Jahr sogar wieder Betten aufbauen. 

In der Aktuellen Stunde versuchten vor allem die liberalen Neos, der früheren Bürgermeisterpartei SPÖ die Schuld am Pflegeskandal anzuhängen, schließlich habe der frühere SPÖ-Bürgermeister Heinz Schaden 2008 SeneCura nach Salzburg gebracht und die Pflege damit an ein profitorientiertes Unternehmen auslagern wollen. Dieser wehrt sich und entgegnet, die Vergabe an SeneCura sei damals im Gemeinderat einstimmig beschlossen worden. 

Die für die fünf städtischen Seniorenhäuser zuständige Sozialstadträtin Anja Hagenauer (SPÖ) sieht die Schuld nach wie vor alleine beim Land und beim zuständigen Sozialreferenten Heinrich Schellhorn von den Grünen. Dessen Heimaufsicht habe trotz Kontrollen keine Mängel feststellen können, Schellhorn ist hingegen nach wie vor der Meinung, dass die Mindeststandards der Pflege auch im SeneCura-Haus erfüllt worden seien.

Bei einem Besuch der Volksanwaltschaft im April dieses Jahres stelle diese allerdings gravierende Pflegemängel fest, eine Bewohnerin war unterernährt, wundgelegen und hatte starke Schmerzen. Der eher am Kulturressort interessierte Schellhorn geriet nach dem Bekanntwerden des Berichts unter starken Druck, SPÖ und FPÖ forderten seinen Rücktritt. Hagenauer verlangte mehrmals einen Pflegegipfel mit allen Anbietern des Landes, Schellhorn hatte den – auch wenn widerwillig – für Freitag (23. September) einberufen. Letzten Endes sollte das der Anfang vom Ende für ihn sein. Anschließend erklärte er nämlich seinen Rücktritt, worüber rosenheim24.de berichtete.

Wohin mit 13 Bewohnern?

Schellhorn blieb aber dabei, die Heimaufsicht des Landes habe bei den zahlreichen Kontrollen bei SeneCura in Lehen kein Abweichen von den Mindeststandards festgestellt, trotzdem verfügte er nun, dass der private Anbieter bis Mitte Oktober von derzeit 63 auf 50 Plätze abbauen muss, andernfalls drohe eine Schließung des ganzen Hauses. Doch schon für die 13 Bewohnerinnen finden sich keine freien Plätze in anderen Heimen, Schellhorn meinte, die Stadt werde das schon schaffen. „Das ist utopisch“, entgegnet der Leiter der fünf städtischen Heime, Christoph Baumgärtner. „Auf unserer Warteliste stehen 200 Personen, pro SeneCura-Bewohnerin müssen wir nach einem Reißverschlusssystem auch eine Person von der Liste aufnehmen, also in Summe 26 Personen“. Das werde sich innerhalb der geforderten vier Wochen nicht ausgehen. 

Die Stadt selbst hat im Herbst vergangenen Jahres ein kleineres Haus in der Nähe des Europarks wegen Personalmangel geschlossen, 15 Prozent der Betten in den verbliebenen fünf Häusern sind gesperrt, weil man das Personal nicht überlasten und die Pflegequalität gewährleisten wolle. Andere gemeinnützige Träger in der Stadt haben nun insgesamt fünf Plätze angeboten, wenn Plätze frei werden. 

SeneCura sieht die Pandemie als Schuldigen

Die Geschäftsleitung von SeneCura Österreich sieht den Grund für die „Schieflage“ des Hauses in Lehen in der Corona-Pandemie, bis zu 50 Prozent des Pflegepersonals sei ausgefallen, aber man habe freiwillig von maximal 90 belegbaren Betten im Haus auf 75 reduziert. Dem kontert SPÖ-Gemeinderätin Gabath, „SeneCura hat wissentlich Betten gefüllt, obwohl keine Pflegekräfte da waren“. Über 70 Bewohner seien nur von neun Angestellten versorgt worden, „da kann man niemandem mehr das Essen eingeben“. 

Dass ein europaweit agierender Pflegekonzern die Pflege menschenwürdig abwickelt, bezweifelt auch KPÖ-Gemeinderat Kay-Michael Dankl, für ihn ist Pflege eine öffentliche Aufgabe. „SeneCura, seit 2015 Teil von Orpea, dem größten profitorientierten Pflegekonzerns Europas, hat sich disqualifiziert. Ein Pflegekonzern, dem Aktionärs-Dividenden näher sind als das Wohl der Menschen, hat in Salzburg nichts verloren“.

hud

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