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In Salzburg viermal auf Polizist geschossen

Schusswechsel in Leopoldskron – „bedingte“ Einweisung für Täter

In dieser Garageneinfahrt in einem Haus im Stadtteil Leopoldskron kam es am 25. Juni 2020 zum Schusswechsel, der Angreifer und ein Polizeibeamter wurden dabei schwer verletzt.
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In dieser Garageneinfahrt in einem Haus im Stadtteil Leopoldskron kam es am 25. Juni 2020 zum Schusswechsel, der Angreifer und ein Polizeibeamter wurden dabei schwer verletzt.

Am Dienstag (26. April) verurteilte ein Geschworenengericht einen mittlerweile 37-jährigen Salzburger. Der Mann war im Juni 2020 offensichtlich im Drogenrausch ausgerastet, sein mittlerweile verstorbener Vater wollte Hilfe holen und rief bei der Landesnervenklinik an, diese verwies jedoch an die Polizei. Beim Einsatz trafen zwei Beamte zuerst auf einen in der Garagenauffahrt nach Hilfe schreienden Mann, „innerhalb von Sekunden wurde aus dem um Hilfe winselnden Mann aber ein Angreifer“, so Staatsanwalt Robert Holzleitner.

Salzburg – Da der Mann wegen des Drogenkonsums zum Zeitpunkt der Tat nicht zurechnungsfähig war fordert der Staatsanwalt eine Einweisung in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher, eine Gutachterin empfahl eine „bedingte Einweisung“, also eine weitere Behandlung auf freiem Fuß. Der mittlerweile 37-jährige Salzburger hat nach eigenen Angaben vor dem Schusswechsel Cannabis und Kokain konsumiert, an den Polizeieinsatz am frühen Morgen und die Folgen erinnert er sich nicht mehr. Der Staatsanwalt schildert den Vorfall so: Die beiden alarmierten Polizeibeamten haben den Mann in der Garageneinfahrt nach Hilfe rufend wahrgenommen, „Helft mir, helft mir, ich brenne“ soll der Mann gerufen haben.

Wie der Mann später an die Waffe eines Beamten gekommen ist wissen weder der Betroffene, noch der Beamte. Fakt ist, dass einer der Beamten plötzlich in den Lauf seiner eigenen Dienstwaffe blickte. Der 37-Jährige feuerte insgesamt vier Schüsse ab, dann hatte die Polizeiwaffe eine Ladehemmung, ein 28-jähriger Polizeibeamter wurde durch eine Schussverletzung am linken Arm schwer verletzt, der zweite Beamte feuerte in Notwehr insgesamt sechs Schüsse auf den Angreifer, auch dieser wurde am Ende schwer verletzt in eine Klinik eingeliefert und notoperiert.

„Dass die Dienstwaffe des ersten Beamten eine Ladehemmung hatte hat wohl Schlimmeres verhindert“, so der Staatsanwalt. Die Aussagen des mittlerweile verstorbenen Vaters im Anschluss an den Schusswechsel Medien gegenüber, er habe nur um medizinische Hilfe für seinen Jungen ersucht, „und dann haben sie mir meinen Jungen erschossen“ wies der Staatsanwalt als haltlos zurück.

Einsatz bei psychisch Auffälligen „an der Tagesordnung“

Der angeschossene Polizeibeamte hat, wie auch der Täter, Erinnerungslücken, er kann zum Beispiel nicht sagen, wie der Angreifer an die Dienstwaffe gekommen ist. „Der Einsatz an sich war zuerst normal, mit Menschen mit psychischen Auffälligkeiten haben wir mittlerweile fast täglich zu tun“, so der Beamte als Zeuge. Ihm sei schnell klar gewesen, dass der damals 36-Jährige medizinische Hilfe braucht, in einem ersten Funkspruch sei die Rettung angefordert worden.

Dann habe sich die Situation allerdings schlagartig geändert, 40 Sekunden später wurde über Funk von einem „Waffengebrauch“ gesprochen und ein Notarzt angefordert. Nach einem ersten Schuss des Angreifers aus der Dienstwaffe des damals 28-jährigen Polizisten hatte dieser einen Hörsturz, „wenn mein Kollege nicht auf den Angreifer geschossen hätte wäre ich heute nicht mehr da. Ich habe viele Schutzengel gehabt“.

Nach dem Schusswechsel habe er psychologische Betreuung und eine Kur in Anspruch genommen, zwei Monate danach habe er seinen Dienst wieder aufgenommen. Der zweite Beamte von damals wollte vor Gericht keine Aussage mehr machen, der Waffengebrauch und die Tatsache, dass er damit den Angreifer auch hätte töten können hätten ihn dazu veranlasst, den Polizeiberuf an den Nagel zu hängen.

Der Verteidiger des Angreifers, Rechtsanwalt Kurz Jelinek, sprach sich gegen eine dauerhafte Einweisung aus, „mein Mandant ist seit eineinhalb Jahren auf freiem Fuß, die Behandlung hat sehr rasch sehr gut angeschlagen, er erfüllt alle Auflagen, konsumiert keine Drogen mehr und hat auch einen Job“. Jelinek kann sich eine „bedingte Einweisung“ vorstellen, also eine weitere Behandlung wie bisher auf freiem Fuß unter einem strengen Kontrollkorsett.

Gutachten: Behandlung „auf freiem Fuß“ möglich

Die psychiatrische Gutachterin fasst vor dem Geschworenengericht ihre Einschätzung zusammen: Der jetzt 37-jährige Betroffene habe sich nach der Tat und der Einweisung in die Landesnervenklinik sehr schnell erholt, wegen des Behandlungserfolgs sei er rasch frei von Psychosen gewesen, unter strengen Auflagen sei er daraufhin Ende 2020 entlassen worden. Die Gutachterin glaubt aber nicht dass der Betroffene schon ganz geheilt ist. Der Behandlungsverlauf sei positiv, aber die Medikamente seien auf seinen Wunsch hin rasch abgesetzt worden, „das ist ein gewisser Unsicherheitsfaktor“.

Unter bestimmten Auflagen empfahl sie allerdings eine „bedingte Einweisung“, also eine weitere Behandlung auf freiem Fuß. „Also einmal in der Woche müssten psychiatrische Behandlungen sein, eine weitere Weisung müsste auch eine absolute Drogenabhängigkeit sein. Auch das müsste wöchentlich kontrolliert werden, denn Kokain sei nur sehr kurz nachweisbar“. Die Geschworenen folgten am Ende der Empfehlung der Sachverständigen. Das Urteil ist rechtskräftig.

hud

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