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Erst angebettelt, dann ausgeraubt

Nach Raub auf Salzburger Friedhof - Angeklagte will sich an nichts erinnern

Landesgericht Salzburg
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Landesgericht Salzburg

Eine in Salzburg geborene Serbin mit 13 einschlägigen Vorstrafen wurde am 24. Oktober unter anderem wegen eines minderschweren Raubs am Friedhof Maxglan zu 20 Monaten Haft von möglichen 90 Monaten verurteilt. Kurz nach ihrer Entlassung aus einer Haft hat sie am Friedhof eine ältere Dame erst angebettelt und dann ausgeraubt, Opfer und Angeklagte sollen am Boden liegend um die Geldbörse gekämpft haben.

Salzburg – Die bekennende Alkoholikerin – „Ich war nur besoffen“ – hat auch einen Taxifahrer geschlagen, der seinen Fuhrlohn wollte, und einer älteren Dame die Handtasche gestohlen. Zu allen drei Vorwürfen wollte sich die Angeklagte erst nicht erinnern. „Wenn ich es getan haben sollte, tut es mir leid“, nach eingehender Belehrung des Vorsitzenden Richters – „Es geht bei Ihnen heute um eine Haft bis 7,5 Jahre“ – gestand die Serbin doch den Raub am Friedhof und die Verletzung des Taxifahrers.

Ihr Verteidiger führte aus, dass seine Mandantin Antidepressiva einnehme und gleichzeitig alkoholkrank sei, die Angeklagte rechtfertigte ihre Erinnerungslücken immer wieder mit „Ich war angesoffen“. Dies wollte der Richter aber nicht gelten lassen, die Polizei hätte bei keinem der drei Vorfälle - wie sonst üblich -  eine Alkoholisierung dokumentiert. „Auch auf den Fotos im Streifenwagen schauen sie ganz normal aus“, so der Richter. „Machen sie es sich nicht ein bisschen einfach?“. Der Richter belehrte die Serbin, dass es wegen der insgesamt 13 Vorstrafen und mehrfachen Haftstrafen jetzt um eine Freiheitsstrafe bis zu 7,5 Jahren gehe, „Sie brauchen Milderungsgründe wie einen Bissen Brot“. 

Gerangel vor dem Friedhof

An den Vorfall vor dem Friedhof Maxglan konnte sich die Angeklagte erst auch nicht erinnern: „Da war ich besoffen.“ Sie meinte erst, das Opfer sei selbst vom Fahrrad geflogen, sie hätte nur helfen wollen. Das Opfer, eine 80-jährige Salzburgerin, schilderte den Vorfall allerdings ganz anders: Die Angeklagte habe sie schon am Friedhof mehrmals angesprochen und um Geld angebettelt, da ihr Sohn verstorben sei. Sie sei nicht mehr von ihrer Seite gewichen und unmittelbar vor dem Friedhof habe die Frau sie dann umgestoßen und die Handtasche aus dem Fahrradkorb rauben wollen. Am Ende seien beide zu Boden gefallen, es folgte ein regelrechtes Gerangel um die Geldbörse der 80-Jährigen, die sich mit Händen und Füssen wehrte. „Ich habe dann um Hilfe geschrien, und viele Passanten sind mir zu Hilfe gekommen“. Das gestohlene Geld – 50 Euro - habe sie dann von der Polizei wiederbekommen. Außer ein paar Kratzern und blauen Flecken sei ihr nichts passiert. 

Taxifahrer mit Stöckelschuhen verletzt?

Bereits Ende Mai dieses Jahres wollte sie einen Taxifahrer um den Fuhrlohn prellen. Als dieser ihr nachging und den Lohn einforderte, hat sie ihn mit ihren Stöckelschuhen auf den Kopf geschlagen. Er habe danach eine Beule gehabt, „aber eigentlich hatte ich mehr Angst um meine Frisur“, so der holprig deutsch sprechende Lenker. Den nicht bezahlten Fuhrlohn von 16,70 Euro musste übrigens er bezahlen.

Begonnen hatte die Serie an Delikten Anfang August, als die Angeklagte einer Kaffeehaus-Kundin eine Tasche gestohlen hatte. „Sie war sehr ungebührlich bekleidet“, so das Opfer vor Gericht, soll heißen, sie hatte zu wenig an. Daher sei sie auch von der Inhaberin der Cafés aus dem Lokal gewiesen worden. Im Schanigarten habe sie dann den Hund des Opfers gestreichelt und dabei in einem unbeobachteten Moment die über einem Gartenstuhl hängende Handtasche samt Inhalt gestohlen. 

Angeklagte nimmt mildes Urteil an

Das Schöffengericht erkannte die Angeklagte in allen drei Punkten für schuldig und verurteilte die Serbin zu einer Freiheitsstrafe von 20 Monaten von 90 möglichen Monaten. Eine Bewährung von vier Monaten einer alten Haftstrafe wurde widerrufen, damit muss die Frau insgesamt 24 Monate in Haft. Nach der Hälfte kann sie zum ersten Mal einen Antrag auf Bewährung stellen. Als mildernd bewertete das Schöffengericht, dass es beim Taxilenker keine schweren Verletzungen gegeben hätte – „er hatte eher Angst um seine Frisur“ – und dass die Angeklagte den minderschweren Raub am Friedhof letztendlich doch zugegeben habe. Trotzdem sei bei so vielen einschlägigen Vorstrafen und bei der raschen Rückfälligkeit – „vier Wochen nach der Haftentlassung Taxi-Vorfall“ – jetzt eine längere Haftstrafe fällig. „Aus den bisherigen, kürzeren Haftstrafen haben Sie offensichtlich nichts gelernt“, so der Vorsitzende Richter. Die Angeklagte nahm das Urteil an. Die Staatsanwältin gab keine Erklärung ab, das Urteil ist somit nicht rechtskräftig. 

hud

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