Jungadler attackiert Vierjährige bei Salzburg

Mutter: "Mein Kind hatte Todesängste" - Tierschützer verurteilen Angriff

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Die kleine Sophie musste nach der Adler-Attacke unterhalb des Auges genäht werden, Mutter Elisabeth Laimer erhebt schwere Vorwürfe gegen die Verantwortlichen.

Werfen/Strobl - Ein vierjähriges Mädchen wurde am 1. Mai auf einem Wanderweg zur Burg Hohenwerfen von einem Seeadler attackiert und verletzt. Das wurde erst jetzt bekannt, nachdem sich die Mutter aus Strobl am Wolfgangsee erkundigt hatte, warum darüber nicht berichtet wird. Der private Falkner auf der Burg, Josef Hiebeler, sieht den Vorfall nicht so dramatisch.

Update, 15 Uhr - Pressemeldung des Tierschutzhofes Pfotenhilfe

Der erneute Angriff eines dressierten Greifvogels auf einen Menschen zeigt laut Tierschutzorganisation Pfotenhilfe, dass Wildtiere nicht in Menschenhand gehören. Diese warnt daher generell vor Greifvogelshows, da auch der Adler aus einer solchen entkommen ist, der aktuell ein Kleinkind in Salzburg schwer verletzt hat. Rein sachlich betrachtet, sei eine Greifvogelshow zudem eine zirkusähnliche Dressurvorführung, wie sie mit Wildtieren aus Tierschutzgründen seit 2005 generell verboten ist.

Einige Fakten zu Greifvogelshows:

  • Die Tiere werden von klein auf fehlgeprägt und durch Futterentzug abgerichtet. Der einzige Grund, warum sie fliegen, ist Hunger. Sie müssen daher während der ganzen Saison extrem hungrig gehalten werden, da sie sonst nicht zurück kommen würden, um sich gierig das wenige Futter aus der Faust des Vorführers zu holen.
  • An den Beinen der Tiere sind Bänder montiert, an denen sie festgehalten und teilweise auch dauerhaft angebunden werden. Dies ist aber bei Greifvögeln genauso verboten wie bei Hunden oder Pferden. Sie versuchen sich tagelang zu befreien, bis sie gebrochen sind.
  • Die sogenannten Falkenhauben, die den Tieren aufgesetzt werden, um sie zu transportieren oder ruhig zu stellen, berauben sie ihres wichtigsten Sinnes. Der Verlust des Sehsinnes bedeutet für sie Stress und Angst.

"Das Interesse am mittelalterlichen Lebensstil ist bei vielen Menschen groß, aber wenn Wildtiere zu Showzwecken missbraucht und zu Zirkusclowns degradiert werden, hört sich der Spaß auf. Eine Greifvogelshow ist kein wildromantischer Freizeitspaß für die ganze Familie", sagt Pfotenhilfe-Geschäftsführerin Johanna Stadler. "Jeder Tierfreund muss solche Greifvogelshows ablehnen. Wir fordern - neben einer generellen Gesetzesverschärfung - im konkreten Fall der Burg Hohenwerfen das Land Salzburg als Eigentümer auf, derartige Tierquälerei endlich nicht mehr zuzulassen oder zu unterstützen."

Pressemeldung des Tierschutzhofes Pfotenhilfe

Vorbericht

Elisabeth Laimer aus Strobl war am 1. Mai mit ihrem Mann und den beiden Kindern Sophie (4) und Lukas (2), sowie der Schwägerin auf dem Wanderweg zur Burg Hohenwerfen, der unmittelbar nach der Talstation des Schrägaufzuges beginnt. Die kleine Sophie sei voller Euphorie etwas vorausgelaufen, „auf einmal kommt vom Wald heraus ein riesengroßer Adler, ist direkt auf meine Tochter hin und mit seinen Krallen der Sophie ins Gesicht“. Die Tochter wollte zur Mutter zurücklaufen, der Adler habe sie aber an den Haaren gepackt, daraufhin sei Sophie gestürzt. „Zum Glück hat meine Schwägerin die Sophie geschützt, ja, sie hat ihr das Leben gerettet“. Die Mutter selbst habe dann mit ihrer Handtasche den Adler vertreiben können.

Dieser elf Monate alte Seeadler war am Abend vor dem 1. Mai ausgeflogen, am Nachmittag des 1. Mai soll er dann am Wanderweg das Kleinkind attackiert und verletzt haben.

„Mein Kind hatte Todesängste, sie hat geweint und gebrüllt, dass sie nicht sterben will“, schildert Laimer die Minuten nach der Attacke. Polizei und Rettung waren rasch vor Ort, im Krankenhaus Schwarzach wurde das Kind unter Vollnarkose unter dem rechten Auge mit einigen Stichen genäht. Seither sei Sophie sehr ängstlich und hätte in der Nacht Albträume, „am Tag nach der Attacke ist sie mir nicht nach draußen gegangen vor lauter Angst dass der Adler wieder kommt“. Die Mutter stört jetzt vor allem, dass in den Medien nun „von einem nur kleinen, jungen Vogel die Rede ist. Mir geht es nur darum, dass das nicht noch einmal passiert“. Nach der Attacke sei der Wanderweg nicht gesperrt worden, obwohl der Adler noch frei gewesen sei.

"Vogel hat Kind nur angeflogen"

Diesen Vorwurf weist der Falkner auf der Burg, Josef Hiebeler, zurück. „Als sich die Leute mit dem verletzten Kind an der Kasse gemeldet haben, war der Vogel bereits wieder daheim“. Bei dem Vogel handle es sich um einen elf Monate alten Seeadler, „der bei uns in die Vorführung eingebaut werden soll, er macht jetzt seine ersten Flüge“. Am Abend vor dem 1. Mai sei er aber aus der Anlage auf der Burg geflogen, das sei aber „eine ganz normale Sache, dass Vögel auch hinausfliegen und am nächsten Tag zurückkommen“. Am 1. Mai hätten ihn dann die Falkner bereits gesucht. Die Familie mit dem kleinen Kind sei dann offensichtlich auf dem Wanderweg auf die Burg gekommen, „der Adler hat das Kind dann angeflogen, aber er hat es nicht gefangen, die Leute haben den Vogel abgewehrt und er war dann wieder weg“.

„Das Vögel ausfliegen und wieder zurückkommen ist ganz normal“, sagt der Falkner auf der Burg Hohenwerfen, Rudi Hiebeler.

Der Vorwurf, dass sich der Vogel in das Kind regelrecht hineingebissen hat, sei auch falsch. „Wir Falkner haben nach dem Vorfall das Kind gesehen und es hatte unterhalb des Auges einen roten Strich, einen Kratzer, da ist nicht einmal Blut hinunter gelaufen“.

hud

Quelle: rosenheim24.de

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