FÜNF TOTEN AUS DER REGION

Bergdrama in Krimml: So erlebten und verarbeiten Retter den Einsatz

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Bei dem schrecklichen Unglück am Gabler starben am Sonntag fünf Menschen aus Burgkirchen, Garching und Emmerting.
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Krimml/Burgkirchen - Auch zwei Tage nach dem tragischen Bergunglück in den Zillertaler Alpen mit fünf Toten und einem Schwerverletzten herrscht Bestürzung und Fassungslosigkeit in der Region. Auch für die Retter war es kein alltäglicher Einsatz:

Anton Voithofer war als Einsatzleiter des Roten Kreuzes in der Leitstelle in Zell am See und schildert gegenüber salzburg24.de das Erlebte: Um 10 Uhr sei am Sonntag der Notruf eingegangen: Sechs Bergsteiger aus Bayern waren unterhalb der Mannlkarscharte 200 Meter abgestürzt. 

Beim Eintreffen des ersten Hubschraubers hätte eine Person gewunken, von den anderen hätte es kein Lebenszeichen gegeben. Schnell bestätigte sich den Einsatzkräften die dunkle Vorahnung: Für fünf der sechs Bergsteiger kamen sie zu spät, konnten nichts mehr für die Verunglückten tun. Wie die Polizei am Montag mitteilte, handelt es sich bei den Todesopfern um 34-, 69- und 70-jährige Männer aus Burgkirchen, einen 56-Jährigen aus Emmerting und einen 65-Jährigen aus Wald bei Garching an der Alz. Der sechste, ein 75-Jähriger aus Kastl, überlebte den Unfall schwerverletzt. Er war aber auch am Montag noch nicht vernehmungsfähig.

Noch nie habe Einsatzleiter Anton Voithofer erlebt, dass bei einem Sommerunfall so viele Personen ums Leben kamen. „Da glaubt man, das gibt es nicht, das kann nicht sein. Bis die Meldung kommt, dass es eben so ist“, sagte Voithofer gegenüber salzburg24.at. Für sie war der Einsatz nach eineinhalb Stunden beendet, weil die Bergung der Leichen das Innenministerium übernahm.  „Das muss man so schnell wie möglich verarbeiten und das passiert am besten in der Maschine." Schon am Nachmittag standen daher die nächsten Einsätze an.

Voithofer über die Verarbeitungstechniken der einzelnen Rot-Kreuz-Mitarbeiter: „Man verarbeitet es am leichtesten, wenn man miteinander redet." Auch das hauseigene Kriseninterventionsteam (KIT) stehe jedem Mitarbeitern jederzeit zur Verfügung. Oft komme das Geschehene auch erst nach Dienstschluss hoch. Voithofer selbst gehe dann am liebsten eine Runde oder erklimmt einen Gipfel. Da hätte aber jeder seine eigene Methode, so der Einsatzleiter. “Einfach ist das für die Retter aber nicht”, meint Voithofer abschließend.

Sechs Tote bei Bergsteigerdrama in Österreich

DAV und Gemeinde Burgkirchen schockiert

Bei dem Unfall am Sonntag am Gabler waren die sechs Bergsteiger in einer Seilschaft unterwegs, als plötzlich einer von ihnen, vermutlich auf blankem Eis, in fast 3.000 Metern Seehöhe ausrutschte und die anderen mitriss. Die Alpinisten stürzten rund 200 Meter über ein 40 Grad steiles, felsdurchsetztes Gletschergelände ab und fielen letztlich in eine Gletscherspalte. Für fünf von ihnen kam trotz eines sofortigen Notrufes jede Hilfe zu spät.

Der DAV zeigte sich am Montag tief betroffen. "Unser tiefes Mitgefühl gilt den Hinterbliebenen der Verstorbenen", teilte der Alpenverein mit. Er sprach von einem typischen sogenannten Mitreißunfall. "Bergsteiger müssen auf dem Gletscher situativ entscheiden, ob sie die Möglichkeit eines Spaltensturzes höher werten als die Wahrscheinlichkeit eines Mitreißunfalls", erläuterte DAV-Sprecherin Andrea Händel im Gespräch mit innsalzach24.de.

Bergsteigerdrama in Österreich am Sonntagvormittag

Auch bei der Gemeindeverwaltung Burgkirchen ist man tief bestürzt über das Drama, das sich am Sonntagvormittag in den Zillertalen Alpen, an der Grenze zu Tirol, abspielte. Besonders Bürgermeister Johann Krichenbaumer (Freie Wähler) zeigte sich am Montag im Gespräch mit innsalzach24.de tief betroffen: "Es schmerzt, von so einem Unglück zu erfahren. Ich habe die tödlich Verunglückten meist sehr persönlich gekannt!"

mh

Quelle: rosenheim24.de

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