NaturWissensZentrum Haus der Natur Salzburg

Ein Kraftwerk des Wissens

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Helmut Wittmann in der botanischen Sammlung (Herbar)

Salzburg - Das Haus der Natur sammelt seit vielen Jahrzehnten naturwissenschaftliche Belegstücke und Daten zur Natur Salzburgs. Diese Beleg- und Datensammlungen ermöglichen es Wissenschaftler*innen, Fragestellungen rund um die Natur Salzburgs zu beantworten.

Jedes einzelne Belegstück, jede festgehaltene Beobachtung ist ein einmaliges historisches und wissenschaftliches Dokument. Die Sammlungen und die dazu gehörigen Daten konservieren Wissen und bilden eine wertvolle Grundlage für aktuelle und zukünftige Forschungsfragen.

Dieses gespeicherte Wissen hilft dabei, unseren Naturraum in der Vergangenheit und Gegenwart zu verstehen und für die Zukunft zu entwickeln. Bei vielen Umwelt- oder Naturschutzprojekten, bei Fragen zur Infrastruktur- oder Raumplanung fungiert das Haus der Natur als Drehscheibe des Wissens und spielt so eine bedeutende Rolle in der Gesellschaft.

Sammlungen dokumentieren Veränderungen

Der Vergleich historischer Funde in den Sammlungen mit aktuellen Erhebungen ermöglicht es, Veränderungen in der Natur zu beschreiben. Ein Beispiel dazu: Historische Belege des Moor-Steinbrechs aus Ursprung bei Salzburg beweisen, dass diese mittlerweile in Österreich ausgestorbene und in ganz Europa extrem gefährdete Art bis ins 19. Jahrhundert bei uns heimisch war.

Analog dazu belegen Beobachtungen und Sammlungen die Neuzuwanderer in der Salzburger Fauna und Flora. Zeitserien dokumentieren also, welche Arten seltener werden und welche häufiger. So kann unsere Gesellschaft entscheiden, was besonders geschützt werden muss um es für zukünftige Generationen zu erhalten.

Sehr oft ahnt man beim Zeitpunkt des Sammelns noch gar nicht, auf welche Weise ein Beleg später verwendet wird. Ein und dasselbe Sammlungsobjekt kann durch die Entwicklung neuer Untersuchungsmethoden im Zeitverlauf verschiedene Fragen beantworten, auch aus ganz unterschiedlichen disziplinären Zusammenhängen. Prominente Beispiele findet man beispielsweise in genetischen Analysen, in denen je nach Fragestellung auch auf historisches Museumsmaterial zurückgegriffen wird.

Sammlungen von Jedermann für Jedermann

Wie in den meisten Museen gehen die Sammlungen am Haus der Natur nur zu einem Teil auf eigene aktive Sammlungstätigkeit zurück. Ein großer Teil der Belegstücke wurde ursprünglich von Privatpersonen zusammengetragen. Oft kamen sie über Schenkungen an das Museum.

Patrick Gros in der Insektensammlung

Eine der wichtigsten Triebkräfte hinter dieser Sammlungsarbeit sind die am Haus der Natur bereits seit der Gründungsphase aktiven Naturwissenschaftlichen Arbeitsgemeinschaften. Es begann in den 1930er Jahren mit der „Zoologisch-Botanischen Arbeitsgemeinschaft“, die sich heute zu insgesamt acht spezialisierten Fachgruppen weiter entwickelt hat: die Astronomische Arbeitsgemeinschaft, die Arbeitsgruppe für Mineralogie und Paläontologie, die Salzburger Botanische Arbeitsgemeinschaft, die Entomologischen Arbeitsgemeinschaft (Insekten), die Herpetologische Arbeitsgemeinschaft (Amphibien und Reptilien), die Ornithologische Arbeitsgemeinschaft, die Malakologische Arbeitsgemeinschaft (Schnecken und Muscheln) sowie die Plattform Säugetiere. Einige hundert „professionelle Amateure“ und Wissenschaftler*innen arbeiten ehrenamtlich in diesen Gruppen.

Martin Kyek und Peter Kaufmann untersuchen ein Reptilienpräparat

Das Haus der Natur ist heute der Ort, an dem das Wissen aus den Erhebungen dieser Arbeitsgemeinschaften und der wissenschaftlichen Museumsmitarbeiter*innen sowie den Sammlungen für die Zukunft verwahrt und für die Gegenwart nutzbar gemacht wird.

Von den Sammlungen zum Biodiversitätszentrum

Um dieses Wissen leichter zugänglich zu machen, wird heute zusätzlich zu den Originalbelegen ein digitales Inventar geführt. Seit rund fünfzehn Jahren arbeitet das Haus der Natur am Aufbau der Salzburger Biodiversitätsdatenbank. Diese Datenbank ist jedoch nicht nur ein digitales Inventar der Sammlungen, sondern ein umfassendes naturkundliches Archiv Salzburgs. In der Datenbank werden alle relevanten Beobachtungen zu Vorkommen von Tier- und Pflanzenarten in Salzburg erfasst. Mittlerweile dokumentiert sie mehr als eine Million Funde und Beobachtungen.

Peter Kaufmann und Helmut Wittmann analysieren Daten der Biodiversitätsdatenbank.

Diese Informationsfülle kann nicht nur – wie schon angesprochen – in Zeitreihen betrachtet werden, sondern auch in vielfältigen Karten dargestellt werden, was eine Analyse und Kombination mit unterschiedlichsten Flächeneigenschaften ermöglicht. Das gespeicherte Wissen hilft somit, unseren Naturraum in der Vergangenheit und Gegenwart zu verstehen und für die Zukunft zu entwickeln.

Dieses Wissen war in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder eine wichtige Grundlage für die Ausweisung von Naturschutzgebieten. Ohne diese Maßnahmen wären bis heute so manche Lebensräume und Arten in unserem Land verschwunden und die Vielfalt der Natur bedeutend geringer geworden.

Heute bildet die Biodiversitätsdatenbank am Haus der Natur eine wichtige Grundlage für die Arbeit der Naturschutzabteilung des Landes Salzburg sowie für die des Nationalparks Hohe Tauern. Und auch darüber hinaus fungiert das Haus der Natur bei vielen Umwelt- oder Naturschutzprojekten, bei Fragen zur Infrastruktur- oder Raumplanung als Drehscheibe des Naturwissens und spielt so eine bedeutende Rolle in der Gesellschaft.

Man kann sogar sagen, dass ohne das über fast 100 Jahre am Haus der Natur aufgebaute Naturwissen unser Land heute anders aussehen würde als wir es kennen.

Sammlungsleiter Robert Lindner in der säugetierkundlichen Sammlung

Veranstaltungshinweis: Die Wissensstadt Salzburg lockt im Wissensmonat Mai mit einem bunten Veranstaltungsmix, am Donnerstag, 18. Mai zeigt das Haus der Natur, wie viel Wissensarbeit in ihm steckt: Im Haus der Natur wird Wissen zur belebten und unbelebten Natur Salzburgs gesammelt, dokumentiert und öffentlich verfügbar gemacht.

Ein Workshop und Führungen der Mitarbeiter*innen des Museums und der ehrenamtlichen wissenschaftlichen Arbeitsgemeinschaften geben Einblick in diese Schatzkammer des Naturwissens.

Wann? Donnerstag, 18. Mai, 18 Uhr im Haus der Natur

Pressemitteilung Haus der Natur

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