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Nachbarin mit 28 Messerstichen getötet

„Overkill“: Mann (62) in Salzburg wegen Mordes vor Gericht - Urteil gefallen

Mit zahlreichen Unterlagen und handschriftlichen Ausführungen verteidigte sich der Angeklagte mehr oder weniger selbst, auch wenn ihm der Staat einen Verfahrenshelfer zur Seite gestellt hat.
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Mit zahlreichen Unterlagen und handschriftlichen Ausführungen verteidigte sich der Angeklagte mehr oder weniger selbst, auch wenn ihm der Staat einen Verfahrenshelfer zur Seite gestellt hat.

Salzburg – Nach dem ein Oberösterreicher in Salzburg eine Frau mit 28 Messerstichen getötet hatte, wurde der Täter am Dienstagabend (8. November) verurteilt.

Update, 9. November, 6.50 Uhr - Urteil gefallen

Zu 20 Jahren Haft hat am Dienstagabend ein Geschworenengericht einen 62-jährigen Oberösterreicher wegen Mordes verurteilt, zuvor hatten ihn die Geschworenen einstimmig für schuldig erkannt. Der Angeklagte meldete Nichtigkeitsbeschwerde und Berufung an, die Staatsanwaltschaft gab keine Erklärung ab, das Urteil ist daher nicht rechtskräftig.

Vorbericht, 8. November, 11.04 Uhr

Mit zum Teil recht abenteuerlichen Aussagen des Angeklagten begann am Montag die gerichtliche Aufarbeitung des Mordes an einer 81-jährigen Pensionistin im August 2020. Die ehemalige Bankangestellte war damals mit 28 Messerstichen in eine Stoffbahn eingewickelt in ihrer Wohnung gefunden worden. Erst ein Jahr danach führte ein DNA-Reihentest zum jetzt Angeklagten, einem 62-jährigen, gebürtigen Oberösterreicher. Der ehemalige Installateur leugnet die Tat, „ich bin unschuldig, mit dem Mord habe ich nichts zu tun“. Die DNA-Spuren in der Wohnung des Opfers seien von „Kriminellen im Haus eingeschleust worden“. 

Staatsanwältin Eleonore Haslinger spricht in ihrer Anklageschrift von einem „Overkill“, einem „totalen Mord“. Die damals 81-jährige, zierliche Frau sei mit 28 Messerstichen zwischen dem 27. und dem 28. August 2020 in ihrer kleinen Wohnung im Stadtteil Maxglan ermordet worden, worüber BGLand24.de berichtet hatte. „Drei Stiche in den Rücken, 25 Stiche auf die Vorderseite, der Angeklagte muss auf der Brust des Opfers gekniet sein“. Das Opfer habe im ersten Stock eines Wohnblocks mit knapp 100 Kleinstwohnungen gewohnt, der Angeklagte in der Etage über ihr. „Das Opfer war als sehr vorsichtig bekannt und lebte sehr zurückgezogen, ihre Eltern, ihre Geschwister und ihr Ehemann waren bereits verstorben“, daher gebe es auch keinen Opferanwalt, das Erbe sei dem Staat zugefallen, wie auch Nachbarn gegenüber BGLand24.de erklärten. 

Zur Tat nach Ansicht der Anklagebörde: Das Opfer habe sich massiv gewehrt, der Tod sei nach den Messerstichen durch Verbluten an zahlreichen Organen eingetreten, insgesamt habe die Frau drei Liter Blut verloren. Der mutmaßliche Täter habe die Frau danach in einen acht Meter langen Stoff eingewickelt und anschließend die Wohnung penibel gereinigt. „Für die Kriminalisten war erst keine Bluttat erkennbar, erst spezielle Untersuchungen mit UV-Licht machten Blutspuren an zahlreichen Stellen der Wohnung sichtbar“, so die Staatsanwältin. Der Leichnam sei dann am 30. August von einer Bekannten in der Wohnung gefunden worden, die Wohnungstür sei unversperrt gewesen, Einbruchsspuren habe es keine gegeben. Von einem Raub sei nicht auszugehen, Goldmünzen, Schmuck, sowie 5000 Euro Bargeld seien unberührt in der Wohnung gewesen. 

Rund ein Jahr nach der Tat hat der bekannte Profiler Thomas MÜller analysiert, dass der Täter aus der unmittelbaren Nähe der Frau kommen müsse, die Staatsanwaltschaft hat daraufhin einen DNA-Reihentest aller männlichen Bewohner zum damaligen Zeitpunkt angeordnet. 37 Männer nahmen freiwillig teil, auch der jetzt Angeklagte, der rund ein Jahr nach der Tat nach Wiener Neustadt umgezogen war. Der Abgleich ergab, dass zahlreiche Spuren des Angeklagten in der Wohnung des Opfers zu finden waren, „an der Wohnungseingangstür, an acht Stellen der Stoffbahn, an Knöpfen am Wohnzimmerschrank und an der Spüle in der Küche“. Insgesamt 14 Spuren konnten „mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit“ dem Angeklagten zugeordnet werden. 

„DNA-Spuren von Kriminellen eingeschleust“

Der Angeklagte bestreitet seit seiner Verhaftung im Dezember 2021 die Tat. In der Verhandlung verteidigte sich der Mann selbst, relativ entspannt verfolgte er die Anklageschrift, machte sich zwischendurch laufend Notizen auf seinen handschriftlichen Aufzeichnungen. Er habe 25 Jahre als Installateur in einem Krankenhaus gearbeitet, habe dort viel Leid gesehen, seit Oktober 2020 sei er in Pension. „Ich bin kein Mörder, ich habe noch nie jemandem wehgetan“. Für seine DNA-Spuren in der Wohnung des Opfers hat er folgende Erklärung: „Die DNA-Spuren könnten eingeschleust worden sein, von Kriminellen“.

Er habe beim Entsorgen von Hausmüll oft Handschuhe verwendet und diese dann bei den Mülltonnen abgelegt, diese verschwitzen Handschuhe mit seinen DNA-Spuren habe dann wohl jemand verwendet. Er sei nie in der Wohnung des Opfers gewesen, die Pensionistin habe er nur vom Sehen her gekannt. Warum Unbekannte seine DNA für einen Mord ohne Motiv und ohne Raubansichten verwenden sollten, beantwortete er so: „Vielleicht will mir jemand was anhängen“. Den DNA-Test ein Jahr nach der Tat habe er freiwillig gemacht, „weil mich persönlich trifft es ja nicht“. Wenn er der Täter wäre, hätte er ein Jahr Zeit gehabt zu flüchten, „das Ergebnis des DNA-Tests war auch erst nach über drei Monaten da, auch in dieser Zeit hätte ich mich noch absetzen können“.

Stoffbahn Tage vor der Tat gestohlen

Die acht Meter lange Stoffbahn, in der das Opfer eingewickelt wurde, habe er zwar vor Jahren tatsächlich besessen, aber einige Tage vor der Tat bei den Briefkästen im Haus abgelegt, von dort habe sie dann jemand mitgenommen. Außerdem sei um die Tatzeit herum bei ihm im Keller eingebrochen worden, gefehlt habe aber nichts. Ein anderer Einbruchsversuch in einem nahegelegenen Café konnte allerdings mit Hilfe der DNA-Spuren ebenfalls dem Angeklagten zugeordnet werden. Seine Erklärung: Er hätte das Einbruchswerkzeug mit den gefundenen DNA-Spuren bei einer Autopanne gebraucht und es dann in der Nähe des Cafés wohl liegengelassen. „Mit diesen Spuren habe ich nichts zu tun, ich habe noch nie eingebrochen“.

Angeklagter leicht erregbar?

Eine beisitzende Richterin fragte, warum er im Herbst 2021 nach Wiener Neustadt umgezogen sei. „Ich hatte viele Kontakte in Wien und wusste, dass das Leben dort billiger ist“. Seit 2014 hat der Angeklagte wegen Panikattacken regelmäßig eine Psychotherapeutin aufgesucht, in ihren Berichten ist zu lesen, dass sich der Angeklagte wegen Kleinigkeiten leicht aufregen könne. „Vielleicht hat das Opfer ja anderen Bewohnern etwas über sie erzählt, was ihnen nicht gefallen hat?“ Der Angeklagte wiederholte nur, dass er die 81-Jährige nicht gekannt und mit ihr auch keine Probleme gehabt habe. 

Profiler Müler: „Der Täter ist nicht weit weg“

Kriminalpsychologe Thomas Müller hatte bei einer erneuten Tatortbegehung Monate nach der Tat aufgrund der damaligen Ermittlungsergebnisse spontan gemeint: „Der Täter muss aus der unmittelbaren Nähe kommen“ und sprach im Prozess von einem „spontanen, persönlichen Tötungsdelikt“, bei dem sich Täter und Opfer nicht unbedingt gut kennen müssten. Der Mord an sich sei nicht sehr komplex gewesen, es gebe extrem viele Vergleichsfälle. „Jede Person, die töten will, geht ein Risiko ein, die Opfer werden nach dem einzugehenden Risiko beurteilt“. Da die Pensionistin ein unauffälliges Leben führte, sei das Risiko, Opfer eines Gewaltverbrechens zu werden, relativ gering gewesen, das Täter-Risiko sei dadurch relativ hoch gewesen. Dieses Risiko sei aber minimiert worden, da sich der Täter vor Ort gut auskannte. Damals beschrieb er den möglichen Täter als wenig kommunikativ, alleine wohnend, ohne Bezugsperson und sehr penibel. All das trifft am Ende auf den Angeklagten Großteils zu. 

Am Dienstag (8. November) wird der Geschworenenprozess am Landesgericht Salzburg fortgesetzt, ein Urteil wird für Freitag (11. November) erwartet. 

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