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„Das Landesgericht war auch Tatort“

Neue Stolpersteine in Salzburg erinnern an Todesurteile gegen NS-Deserteure

Insgesamt 13 Stolpersteine vor dem Landesgericht Salzburg erinnern an Todesurteile gegen Kriegsdienstverweiger, die das damalige Kriegsgericht in der NS-Herrschaft gefällt hatte.
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Insgesamt 13 Stolpersteine vor dem Landesgericht Salzburg erinnern an Todesurteile gegen Kriegsdienstverweiger, die das damalige Kriegsgericht in der NS-Herrschaft gefällt hatte.

Der Grund für die Verlegung von Stolpersteinen vor dem Landesgericht im Gedenken an Deserteure erinnert frappant an den aktuell russischen Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine, nach der Teilmobilisierung sollen bereits 200.000 Russen in Nachbarländer geflüchtet sein um nicht zu den Waffen greifen zu müssen.

Salzburg - Was sie nach einer möglichen Rückkehr nach Russland erwartet ist ungewiss. Auch im NS-Regime gab es viele Kriegsdienstverweigerer, die im Land Salzburg nach ihrer Festnahme am Landesgericht zum Tode verurteilt wurden. Am Dienstag wurde 13, damals zum Tode verurteilte Deserteure, mit sogenannten Stolpersteinen gedacht

„Jahrzehntelang wurde verschwiegen, dass Kriegsdienstverweigerer der deutschen Wehrmacht am Landesgericht Salzburg zum Tode verurteilt, zumeist in Glanegg erschossen und ohne Ehrungen und Todesanzeigen auf dem Kommunalfriedhof begraben wurden“, so Thomas Randisek vom Salzburger Personenkomitee Stolpersteine. Zudem habe die Kriegsjustiz gegen Kriegsende ihre Akten vernichtet, „zum Schutz ihrer Blutrichter, die mitunter in der zweiten Republik noch einschlägig Karriere machen konnten“.

Keine Opferfürsorge für Hinterbliebene

Im befreiten Österreich wurden Wehrmachtsdeserteure nicht als „Opfer des Kampfes um ein freies, demokratisches Österreich“ anerkannt, Hinterbliebene hatten daher auch keinen Anspruch auf Opferfürsorge. „Wer den Dienst mit der Waffe in einem Angriffs- und Vernichtungskrieg verweigert und damit Widerstand leistet, verdient es jedoch im öffentlichen Raum namentlich gewürdigt zu werden.“

„Menschen müssen Namen bekommen“

Die neue Vizepräsidentin des Landgerichtes, Christine Bittner, war bei der Verlegung der Stolpersteine vor dem Eingang am Kajetanerplatz dabei, „wir dürfen nicht vergessen, dass das Landesgericht von 1939 bis 1945 auch ein Tatort war“. Jetzt gedenke man jungen Männern und Familienvätern, die sich dem Mordapparat der NS-Zeit widersetzt hätten und nicht mehr kämpfen wollten. Diese Menschen müssten einen Namen bekommen und ihr Widerstand mit einem Stolperstein geehrt werden. 

Einer der 13 Stolpersteine erinnert an Felix Niesewendt, geboren am 18. Juni 1913 in Danzig, damals Westpreußen. Über sein gewaltsames Ende 1940 in Salzburg gibt ein bisher unbeachtetes Dokument der deutschen Wehrmacht Aufschluss: Felix Nieswendt, der Soldat der Gebirgs-Nachrichten-Ersatz-Abteilung 18 in der Riedenburg-Kaserne war, beging „Fahnenflucht“, Desertion. Er verweigerte – aus unbekannten Beweggründen – den Kriegsdienst. Die von einem Kriegsgericht gegen den 27-Jährigen in Salzburg verhängte Todesstrafe wurde am 24. September 1940 um 6 Uhr 45 auf dem Militärschießstand in Glanegg bei Salzburg exekutiert – „durch Erschießung wegen Fahnenflucht“. Dokumentiert ist überdies, dass sein Leichnam auf dem Kommunalfriedhof in Salzburg anonym beerdigt wurde.

Seit 2007 werden jährlich Erinnerungssteine für Opfer der NS-Diktatur in der Stadt Salzburg verlegt, insgesamt liegen bereits 493 Stolpersteine auf öffentlichen Plätzen und Straßen. Stolpersteine sind 10 x 10 cm kubische Betonsteine mit individuellen Inschriften auf Messingplaketten, die niveaugleich auf öffentlichem Grund für Opfer des NS-Terrors angebracht werden.

hud

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