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Messezentrum neue Anlaufstelle für Flüchtlinge

Sicherer Hafen am Gaisberg in Salzburg: Wirt nimmt ukrainische Großfamilien bei sich auf

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Zwei Großfamilien aus einem Dorf in der Nähe von Kiew haben im Gasthof Mitteregg am Gaisberg eine Herberge gefunden. Der Pächter sucht nun nach einer Unterkunft für alle. 

Das Messezentrum in Salzburg ist jetzt eine Anlaufstelle für Flüchtlinge aus der Ukraine. Ein Wirt am Gaisberg storniert währenddessen Reservierungen im eigenen Gasthaus - um zwei ukrainischen Familien ein Zuhause zu bieten.

Salzburg - Die Halle Vier im Messezentrum ist seit gut einer Woche das Ankunftszentrum für Flüchtlinge aus der Ukraine. Nach wie vor kommen täglich zahlreiche Menschen an, hauptsächlich Frauen und Kinder. Es sind noch weit weniger als zum Beispiel in Wien, wo die Verteilung schon problematisch zu werden scheint.

In Salzburg werden die Ankommenden von Rot-Kreuz-Mitarbeitern versorgt. „Rund 80 Prozent von ihnen wollen in Salzburg bleiben“, so Stefan Soucek vom Roten Kreuz. Noch können alle mehr oder weniger schnell auf Quartiere verteilt werden, entweder in ein Hotel gegenüber dem Messezentrum, in das wieder eröffnete Asylquartier des Roten Kreuzes in Tamsweg oder aber in private Quartiere. 

Messezentrum plötzlich Anlaufstation für Ukraine-Flüchtlinge

Bei einem Lokalaugenschein am Freitagnachmittag (18. März) sind schon vor der Halle zahlreiche junge Mütter mit ihren Kindern. Sie sind privat in Unterach am Attersee untergekommen und sind nur hier, um sich registrieren zu lassen. Gemeint ist damit die Serviceleistung der Polizei, die ähnlich abläuft wie wenn Österreicher einen Pass beantragen. Diese Registrierung ist notwendig, damit die Flüchtlinge rasch einen „Vertriebenen-Pass“ erhalten, mit dem die medizinische Versorgung gesichert ist oder der Schulbesuch der Kinder. 

Caritas bietet alleine 300 Privatquartiere

Nach der Erst-Anmeldung beim Roten Kreuz und einem Corona-Test geht’s in den Aufenthaltsbereich. Ein offenes Bistro bietet warme Suppe und Spaghetti Bolognese. Viele Kinder sind nach dem Essen mit Bobby Cars oder spielend in der Halle unterwegs, während sich die Erwachsenen um ein Quartier kümmern. Darum kümmert sich die Caritas, wenn es um eine private Unterbringung geht. „Fast 300 Plätze in Privatquartieren und bei Pfarren haben wir bereits gemeldet bekommen und gut 120 Menschen konnten wir schon vermitteln“, sagt Gerlinde Hörl, zuständig für die Migration bei der Caritas. Die noch vorhandenen 180 Plätze sind so gut wie vergeben, die Caritas prüft alle zur Verfügung gestellten Plätze. 

Für organisierte Unterkünfte ist das Land Salzburg zuständig, genauer gesagt die Abteilung Grundversorgung, zuständig für alle Flüchtlinge, auch wenn Ukrainer keinen Asylantrag stellen müssen und legal in das Land eingereist sind. Bis jetzt konnten noch alle Flüchtlinge aus der Ukraine untergebracht werden. Die beiden Mütter vor der Halle schwärmen von den Zimmern im Hotel gegenüber, allerdings gibt es dort nur ein Frühstück, eine Küche um sich selbst zu versorgen fehlt in einem Hotelzimmer naturgemäß. 

Wirt nimmt Großfamilien auf: 19 Kinder am Gaisberg

Zwei Familien mit 19 Kindern sind noch im Gasthaus Mitteregg knapp unterhalb des Gaisbergs einquartiert. Pächter Jan Pasajan hatte die beiden Familien auf einer Raststätte an der Westautobahn kennengelernt und sie spontan in sein Gasthaus eingeladen. Sie seien schon drei Tage unterwegs und wussten nicht wohin.

Er hat daraufhin die beiden Großfamilien mit 19 Kindern aus einem Dorf in der Nähe von Kiew eingeladen. „Am Mittwoch war ich mit ihnen im Ankunftszentrum in der Stadt, um sie anzumelden. In ein Hotel nur mit Frühstück will ich sie nicht bringen, sollen die 19 Kinder etwa zweimal am Tag ins Gasthaus zum Essen gehen?“.

Nun ist die Großgruppe weiter in Zimmern am Mitteregg, Zimmerreservierungen von anderen Gästen hat Pasajan storniert, Geld vom Land für die Unterkunft will er nicht.  „Ich habe schon Geld zusammen, auch Spenden von Stammgästen, für eine große Unterkunft oder ein leer stehendes Haus. Bis wir etwas gefunden haben, bleiben sie auf alle Fälle hier bei mir“. 

Insgesamt sind in Österreich bis Freitagabend 164.000 Ukrainer angekommen. Nur 9000 wollen bisher in Österreich bleiben, die meisten reisen weiter. In Salzburg können die Verantwortlichen die weitere Entwicklung nicht abschätzen. Landeshauptmann Wilfried Haslauer schätzte die Zahl der in Salzburg zu versorgenden Flüchtlinge eine Woche zuvor auf 5000. Noch gibt es keine Notunterkünfte in Sport- oder Messehallen, vorbereitet will man aber schon sein. 

hud

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