30 Jahre Aquarium und Reptilienzoo

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Salzburg - Die Lebendtierabteilungen im Haus der Natur blicken auf eine lange Geschichte zurück, seit 30 Jahren sind sie ein absoluter Besuchermagnet im Museum.

Es ist dem Weitblick des damaligen Direktors Eberhard Stüber zu verdanken, dass zu Beginn der 1980er Jahre der Grundstein für die Errichtung von Lebendtier-Abteilungen im Haus der Natur gelegt wurde. Er erkannte den enormen Erlebnis- und Verständniszugewinn für die Museumsbesucher/innen und packte gleichzeitig die Gelegenheit beim sprichwörtlichen Schopf: Günter Prem, ein wandernder Schausteller zeigte gerade im Zwergerlgarten seine wunderschöne und vorbildlich betreute Reptilienschau. Stüber holte Prem kurzerhand mit samt seinen Reptilien ans Haus der Natur und die beiden machten sich enthusiastisch an die Planung des Reptilienzoos. Im Aquarium hingegen musste man bei Stunde null beginnen. Stübers Sohn Wolfgang sollte das Aquarium leiten und so verschaffte er sich durch diverse Tauchfahrten, marinbiologische Kurse und die Mitarbeit in anderen europäischen Aquarien die nötigen Kenntnisse. Drei Jahre Ausbildung waren nötig, um sich in die komplexe Materie einzuarbeiten, die Aufbauphase im Anschluss war erneut Schwerstarbeit: Das Einrichten der Technik, die Aufbereitung des Meerwassers – teilweise wurde es im Kleinbus von der Adria nach Salzburg transportiert – die Beschaffung von unzähligen Steinen für die Dekoration und schließlich brauchte man Fische und zahlreiche andere Tiere aus Meeren und Seen. Bereits damals machten sich die guten Kontakte zu anderen Aquarien bezahlt. Das Jahr 1990 wurde dann zum Schicksalsjahr für das Aquarium, Wolfgang Stüber starb bei einem Tauchunfall im Roten Meer. Zur neuen Leiterin des Aquariums wurde Dr. Inge Illich bestellt, die bis zum heutigen Tag die Geschicke der Abteilung lenkt. Die ständige Weiterentwicklung der Aquarientechnik und die internationale Zusammenarbeit mit anderen Aquarien im Rahmen der EUAC (European Union of Aquarium Curators) manifestierten den hohen Standard dieses Aquariums, das bis heute den Vergleich mit anderen, auch großen Aquarien nicht scheuen muss.

Die Lebendtierabteilungen im Haus der Natur

Tierhaltung auf höchstem Niveau

Jedes Becken im Aquarium birgt ein lebendiges Ökosystem, das den natürlichen Lebensräumen bis ins Detail gleicht. So punktet diese Unterwasserwelt mit Echtheit und tierischen Beziehungen, wie sie auch in der Natur zu finden sind. Wasserqualität, Temperatur und Nahrungszufuhr werden genau auf die Lebensgemeinschaften abgestimmt und ständig überwacht. Deshalb findet man auch noch viele Tiere, die seit der ersten Stunde, also seit 30 Jahren, im Aquarium leben. Zu ihnen gehören etwa die Netzmuräne, die Mittelmeermuräne, ein gelber Doktorfisch und ein Wimpelfisch. Gleiches gilt für den Reptilienzoo. Die naturnahen Terrarien ermöglichen das Beobachten teils seltener Schlangen und Echsen, ohne dabei die Bedürfnisse ihrer Bewohner zu vergessen. Denn artgerechte Tierhaltung ist oberstes Gebot! Und dank der besonderen Pflege leben u. a. einige Schildkröten, die Kubanische Schlankboa und die beiden Alligatoren bereits seit 30 Jahren im Museum. Auch zahlreiche Zuchterfolge bestätigen eindrucksvoll das hohe Niveau der Lebendtierhaltung. So gelang es etwa im Reptilienzoo europaweit zum ersten Mal, die äußerst giftige Skorpionskrustenechse nachzuzüchten – ein Erfolg, der mit großer Anerkennung in der Fachwelt ausgezeichnet wurde. Auch bei Seepferdchen, Anemonenfischen und Banggai-Kardinalbarschen gelang, was nur in wenigen Aquarien klappt. Und die Geburt des ersten Blaupunktrochen-Babys im vergangenen Jahr verschaffte dem Aquarium viel Bewunderung.

Neues zum Jubiläum

 Trotz aller Erfolge hatte man nie viel Zeit, sich auf den Lorbeeren auszuruhen. Es gilt, sich ständig weiterzuentwickeln, um die hohe Qualität zu halten. Doch was wären die ganzen Besonderheiten wert, wenn es nicht gelingt, sie den Besucher/innen zu vermitteln? Und so entstand die Idee, die zu diesem Jubiläum verwirklicht wird: Mit den aktuellen Erneuerungen wurde die Wissensvermittlung auf den aktuellsten Stand der Museumsdidaktik gebracht. Im Aquarium findet man nun neben modernsten Besucherinformationssystemen – Touchscreens mit detaillierten Erklärungen für Wissenshungrige, hinterleuchtete Thementafeln für das Extra an Information – auch kreatives Design: Eine integrierte Ausstellung informiert über die Welt der Korallen und vermittelt dabei die Illusion, sich inmitten eines versunkenen Schiffsrumpfes zu befinden. Man späht durch Bullaugen nach „draußen“ ins Meer und entdeckt verschiedenste Korallen und andere Meeresbewohner. Einen kleinen Tapetenwechsel gibt es auch im Reptilienzoo, in dem die gesamte Informationseinrichtung modernisiert wurde. Neben den Fakten zu den einzelnen Arten erfährt man dort nun auch alles über Schlangengifte oder erhält anschauliche Größenvergleiche zu den Schlangen aller Kontinente. Doch für Aquarium wie Reptilienzoo gilt: Nichts verändert wurde bei den tierischen Bewohnern selbst, hier bleibt alles so schön wie es ist…

Hinter den Kulissen

Der große Erfolg der Lebendtierabteilungen im Haus der Natur beruht auf dem unermüdlichen Engagement der Mitarbeiter/innen, die beinahe rund um die Uhr für ihre Schützlinge da sind. Und die können ganz schön anspruchsvoll sein! So wird zum Beispiel die Babynahrung für Nachzuchten, die aus mikroskopisch kleinen Algen und Planktontierchen besteht, im Haus hergestellt. Auch kaum jemand weiß, wie viele Quarantäne-, Aufzucht- und Beobachtungsbecken es hinter den Kulissen des Aquariums gibt. Und dass die hoch komplexe Aquarientechnik mit diversen Filtersystemen, Eiweißabschäumern, Kalkreaktoren und Belüftungssystemen einen Großteil der Räumlichkeiten des Aquariums einnimmt. Im Reptilienzoo sieht es ähnlich aus, die Pflege der Schützlinge ist sehr aufwendig und verlangt viel Hingabe von den Mitarbeitern. Zweimal im Jahr gibt es den sogenannten „Großputz“. Dabei werden Moose, Gräser, dekorative Steine und Hölzer gesammelt und auch diverse Pflanzen von Gärtnereien bereitgestellt. Die Futtertiere für die hungrigen Schlangen und Echsen stammen aus hausinterner Zucht. Dazu muss laufend frisches Obst und Gemüse aufbereitet werden, damit jedes Tier seine spezielle, gesunde Nahrung bekommt.

Daten und Fakten

Im Aquarium gibt es heute 41 Schaubecken unterschiedlichster Form und Größe, die Becken haben ein Volumen zwischen 100 und 60.000 Litern. Das Gesamtvolumen aller Zucht- und Beobachtungsbecken, der Quarantäne- und Filteranlagen sowie der Schaubecken beträgt rund 140.000 Liter, davon sind 30.000 Liter Süßwasser. In den 26 Großterrarien des Reptilienzoos findet man neun Arten Giftschlangen, neun Arten Riesenschlangen, vier Echsenarten, fünf Arten Landschildkröten, eine Wasserschildkrötenart sowie Alligatoren als Vertreter der Krokodile. Mit Ausnahme der Brückenechsen können somit Vertreter aus allen Ordnungen der Reptilien beobachtet werden. Zusätzlich gehören noch ein Quarantäneraum, ein Aufzuchtraum, und jeweils ein Raum für Pflanzenzucht und Futtertierzucht zum Reptilienzoo.

Pressemitteilung Haus der Natur

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