Österreich sperrt „behutsam“ wieder auf

Geschäfte, Friseure und Museen öffnen, Gastronomie bleibt zu - Einreise-Quarantäne über Weihnachten

Ob es auch an den Grenzen zu Bayern ab dem 23. Dezember wieder stationäre Einreisekontrollen geben wird steht noch nicht fest, der Schwerpunkt soll auf dem Süden Österreichs liegen.
+
Ob es auch an den Grenzen zu Bayern ab dem 23. Dezember wieder stationäre Einreisekontrollen geben wird steht noch nicht fest, der Schwerpunkt soll auf dem Süden Österreichs liegen.

Wien/Salzburg - Handel, Friseure, Bibliotheken und Museen sperren am 7. Dezember wieder auf, Gastronomie und Hotels bleiben allerdings bis zum 7. Jänner geschlossen. Das hat heute Nachmittag die Österreichische Bundesregierung bekanntgegeben.

Bis zum Ende des zweiten Lockdowns am 6. Dezember werde der 7-Tages-Richtwert an Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner im Österreichschnitt auf 250 sinken, das werden im Schnitt 3500 Neuinfektionen pro Tag sein. Daher seien jetzt behutsame Lockerungen möglich, so Bundeskanzler Sebastian Kurz.


Wegen der Wirkung des aktuellen Lockdowns könnten ab Montag behutsam Öffnungsschritte gesetzt werden, auch wenn das Virus noch nicht besiegt sei. „Bis zum Sommer haben wir noch sechs gefährliche Monate, in denen ein erneutes, explosionsartiges Ansteigen zu verhindern ist“, so Kurz.

Behutsam vorgehen heiße, dass es nur schrittweise Lockerungen geben könne. Ab Montag werden auf alle Fälle die Pflichtschulen wieder geöffnet, also eine vollständige Rückkehr zum Präsenzunterricht, die Oberstufen bleiben im Fernunterricht mit Ausnahme der Maturaklassen.


Auch der Handel, sowie Friseure, Bibliotheken und Museen sperren wieder auf, „mit der Pflicht Masken zu tragen und Abstand zu halten, aber es wird keinen Ausschank von Speisen und Getränken geben“.

Die Ausgangssperre von derzeit 24 Stunden wird wieder, wie vor dem Voll-Lockdown, von 20-6 Uhr gelten. Die privaten Kontakte sollen weiterhin eingeschränkt bleiben, aber esi st wieder erlaubt einen anderen Haushalt zu treffen. An Weihnachten und zum Jahreswechsel sollen dann bis zu zehn Personen zusammen feiern dürfen, „es soll ein würdevolles Weihnachten sein und trotzdem ein hohes Ausmaß an Sicherheit“, so der Kanzler.

Tagesskifahren ab 24. Dezember möglich

Ab 24. Dezember ist dann auch Skifahren wieder erlaubt, „damit Österreicher in den Ferien Sport im Freien ausüben können“. In den Gondeln wird es Kapazitätsbeschränkungen geben, dazu eine Maskenpflicht und Abstandsregeln beim Anstellen. Forderungen aus Italien oder aus Bayern hätten bei dieser Entscheidung keine Rolle gespielt antwortete Kurz auf entsprechende Nachfragen, „Österreich entscheidet selbst aufgrund seiner Infektionszahlen“.

Hotels und Gastro bleiben geschlossen

„Aber, so schmerzlich es ist, der Tourismus, also Hotels und Gastronomie bleiben bis 7. Jänner geschlossen“, so Kurz. Diese Branchen würden bis Ende Dezember eine Umsatzentschädigung in Höhe von 50 Prozent erhalten, ab 1. Jänner dann einen Fixkostenersatz. Im November betrug der Umsatzersatz noch 80 Prozent. Auf den Skihütten soll es eine Art Take-Away-Service geben wie es auch in allen Gasthäusern möglich ist.

Konsequentes Grenzregime über Weihnachten

Im Sommer hätte Österreich niedrige Ansteckungszahlen gehabt, dann sei diese Zahl vor allem wegen Reiserückkehrern vom Balkan wieder stark angestiegen, also von Heimkehrern, die den Virus wieder ins Land geschleppt hätten, „daher wird es dieses Mal ab dem 23. Dezember ein konsequentes Grenzregime geben“, es mache keinen Sinn in Österreich auf niedrige Zahlen zu kommen und dann wieder aus dem Ausland das Virus einzuschleppen, „das wollen wir nicht“. Das Tempo der neuerlichen, wahrscheinlichen Zunahme an Infektionen über die Feiertage wegen einem Plus an sozialen Kontakten muss langsam bleiben, ein weiterer Lockdown „soll verzögert oder im Idealfall verhindert werden“.

„Strenges Grenzregime ab Weihnachten“

Österreichs Innenminister Karl Nehammer erläuterte die Beschränkungen für alle, die Weihnachten und Silvester im Ausland verbringen wollen, diese müssten bei der Wiedereinreise nach Österreich zehn Tage in Quarantäne mit der Möglichkeit einer Freitestung nach dem fünften Tag ähnlich der Regelung in der Bundesrepublik. Nach dem Sommer seien mindestens 30 Prozent der Infektionen aus dem Ausland gekommen, „davon 72 Prozent aus den Westbalkanstaaten“.

Österreich sei ein multikulturelles Land und viele Einwohner hätten Wurzeln am Balkan und in der Türkei, „jetzt ist es daher notwendig, strenge Maßnahmen zu setzen um weiter Lockern zu können“. Das werde für die Betroffenen nicht einfach sein, aber das Ziel müsse sein soziale Kontakte weiterhin einzuschränken. Für Geschäftsreisende und Berufspendler werde es Ausnahmen geben. Innerhalb Österreichs sei das Reisen ebenfalls stark eingeschränkt durch das Geschlossen halten der Hotels, also seien auch Familien- und Freizeitreisen aus dem Ausland nach Österreich mit Einschränkungen verbunden, egal welche Staatsbürgerschaft der Einreisende hat.

„Es gibt einen Tag danach“

Nehammer appelliert aber auch an alle, die im Land bleiben, beim Einkaufen vor Weihnachten Massenansammlungen zu vermeiden, „sie werden genug Zeit haben, es gibt auch einen Tag danach. Wir wollen keine Bilder mehr haben die wir alle gesehen haben“. Der Innenminister meinte damit vermutlich auch ein mehrtägiges Eröffnungsfest eines Möbelhauses in Eugendorf, dass mit speziellen Angeboten die Massen anlockte. Bei ähnlichen Ansammlungen soll die Polizei ab nächsten Montag eingreifen können, Einkaufszentren sollten sich ab Montag auf eine verstärkte Polizeipräsenz einstellen.

hud

Kommentare