Wirtschaftskammer fürchtet schon wieder Flughafen-„Aus“

Grüner „Kreuzzug“ gegen mehr Fluglärm in Salzburg

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Wie viel Flugverkehr verträgt der Stadtflughafen, Anrainer und Grüne wollen weniger Lärm und befürchten mehr Maschinen durch einen geplanten Neubau des Terminal 1.
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Salzburg - Die Grünen Landtagsabgeordnete Humer- Vogl sieht in den geplanten Investitionen und den Neubau des Terminal 1 eine Gefahr, dass der Airport damit auch seine Kapazitäten ausweiten will. Die Wirtschaftskammer weist die Grüne-Kritik prompt zurück.

Bekannt gewordenen, aber noch gar nicht beschlossene Ausbaupläne des Flughafens sorgen weiter für Ärger. So fordert nach den Stadt-Grünen nun auch die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Landtag, Kimbie Humer-Vogl, dass es keine weiteren Belastungen für die Anrainer geben dürfe, „besonders jetzt im Winter ist der Süden Salzburgs schon stark belastet“. Die Wirtschaftskammer springt reflexartig für den Flughafen in den Ring und warnt vor einem „Aus“ für den Flughafen, was aber definitiv niemand fordert. „Der Flughafen ist und bleibt ein unverzichtbarer Faktor für den Wirtschaftsstandort Salzburg, der zahlreiche Arbeitsplätze sichert“. Nach Angaben des neuen Salzburger Anrainer-Sprechers Michael Lederer gebe es am Flughafen tatsächlich „nur“ 300 echte Ganzjahres-Arbeitsplätze.

Zurück zu den Grünen, Baustadträtin Martina Berthold will über den Standort zumindest nachdenken dürfen, nicht ganz so weit geht Landtagsabgeordnete Humer- Vogl, sie sieht in den geplanten Investitionen und den Neubau des Terminal 1 um rund 120 Millionen aber sehr wohl die Gefahr, dass der Airport damit auch seine Kapazitäten ausweiten will. In Hallein, wo Humer-Vogl als Grüne Stadträtin aktiv ist, gäbe es jedenfalls bereits viele besorgte Stimmen zum Flughafen, „viele vermuten, dass es nicht bei der Sanierung und der Erneuerung der Infrastruktur bleibt sondern befürchten vielmehr, dass es zu Kapazitätserweiterungen im Allgemeinen und zu weiteren Flügen auf der Süd-Route im Besonderen kommt, und somit zu weiteren Lärm- und Schadstoffbelastungen“, so Humer-Vogl. Besonders im Winter seien die Gemeinden Puch, Grödig, Hallein-Rif und Rehhof schon jetzt schwer belastet. „Tourismus darf nicht auf Kosten der Lebensqualität gehen“. In Zeiten der Klimakrise müssen sich auch der Flughafen die Frage gefallen lassen, in welche Richtung er sich entwickeln wolle.

Wirtschaftskammer: „Kann man es den Grünen recht machen?“

Das Airport-Management mischt sich in die Diskussion nicht ein, das übernimmt die Wirtschaftskammer und weist die Grüne-Kritik prompt zurück, der Flughafen habe sich ohnehin ehrgeizige Klimaziele gesetzt und kaufe zum Beispiel ein elektrisch betriebenes Ladefahrzeug. Dass dies zum Beispiel von Grünen- Gemeinderat Bernhard Carl als Versuch des „Green Washing“ klein geredet werde unterstelle, dass der Flughafen die Öffentlichkeit in Sachen Klimaschutz täuschen wolle. „Es stellt sich die Frage, ob man es den Grünen überhaupt recht machen kann, wenn jede Klimaschutzmaßnahme ohnedies nicht weit genug geht“, so Kammerpräsident Manfred Rosenstatter. Die Grünen würden seiner Meinung nach seit Jahren einen „Kreuzzug“ gegen den Flughafen führen und nun unter dem Deckmantel des Klimaschutzes den Flughafen erneut infrage stellen. „Das muss ein Ende haben“, fordert Rosenstatter.

„Zukauf von Flügen nicht schlau“

In die Diskussion mischt sich nun auch der ehemalige Aufsichtsratschef Anton Bucek ein, der seit seinem Rauswurf nicht den Flughafen, aber dessen neuen Aufsichtsratschef Christian Stöckl zum Feindbild auserkoren hat. Er meint, die neuerliche Diskussion um den Flughafen „haben sich die tüchtigen Mitarbeiter des Airports nicht verdient“, der Airport sei ein „Infrastruktur-Juwel“, das dem gesamten Wirtschaftsstandort Salzburg und Südbayern diene. Allerdings sei der Zukauf von Umsatz mit minimalen oder gar ohne Deckungsbeitrag im Flugverkehr „nicht sehr schlau“. Gerade im Premium Markt Salzburg müsse Qualität vor Quantität gelten, „aber Qualitätsbringer wie Flüge nach Zürich oder Paris wurden von Aufsichtsrat Stöckl bravourös vergeigt“. Die gesamte derzeit laufende Diskussion wäre unter einem Aufsichtsrats-Vorsitzenden mit Fachkompetenz, Empathie und „G’spür für die Menschen“ vermeidbar gewesen.

hud

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