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Ein Leben als Musical

„We shall overcome“ und wir bauen der Gerechtigkeit ein Haus - Marthin Luther King in Salzburg

Blick in die Salzburg-Arena
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Blick in die Salzburg-Arena

In „We shall overcome“ aus dem Chormusical Martin Luther King (von Hanjo Gäbler und Christoph Terbuyken, mit Texten von Andreas Malessa) geht es darum, Ungerechtigkeit, Hass und Rassismus zu überwinden. Die umfangreiche Planung fand nun ihren krönenden Abschluss in der Salzburg Arena mit vielen Chören, die in dieser einmaligen Aufführung zu einem Ganzen verschmolzen. Ein Chormitglied berichtet über ihre Eindrücke.

Salzburg – „Haltet den pitch, denkt an sustain und werdet nicht flat“, gab Komponist Hajo Gäbler letzte Anweisungen vor der Generalprobe und meinte damit die Tonhöhe, die langen Noten und die Spannung beim Singen. Die Chorleiter Kristina Pernat Ščančar und Matthias Binder standen jeweils an einer Außenecke der Bühne und dirigierten die Chöre auf ihrer Seite, in der Mitte der rückwärtigen Bühne dirigierte Gisela Plasser die Kinderchöre, die zum ersten Mal dabei waren - eine Premiere.

Das Musical hat nicht nur die eine Botschaft von Martin Luther King (Andreas Wolfram) und seinem Traum. Die Aufführung beginnt mit seinem Tod, und der Rückblick auf sein Leben - auch als Familienvater und Ehemann von Coretta (Peti van der Velde) - beinhaltet auch den Blick auf die Gegenwart und die Zukunft. Die Freundinnen Coretta und Rosa Parks (Bonita Niessen) sind sich einig, was von Martins Vision geblieben ist - „sein Traum“. Und dass dieser auch „unser Traum“ ist, sang der Chor aus vielen 100 Chorsängerinnen und Chorsängern ebenso wie alle anderen Songs mit authentischer Überzeugung.

Chorleiterin Kristina Pernat Ščančar und Regisseur Andreas Gergen nach der Choreographie-Probe

Alle Mitsängerinnen und -sänger waren begeistert, an diesem großen Ganzen teilhaben zu dürfen. Freilich, der Zeitaufwand für die Vorbereitung war enorm. Die Stiftung der Creativen Kirche, die den Cast der Solistengruppe auf Tour schickte - in diesem Fall nach Salzburg -, hatte den Sängerinnen und Sängern über die Chorleiter Links zum Üben zu Hause und für die Choreografie zukommen lassen. Nur so war es möglich, dass ein Chor, der das gesamte Rund hinter der Bühne einnahm, zur richtigen Zeit mit step-touch und clap (bei „I got shoes“), mit Armbewegungen nach oben und unten (bei „I got a robe up in that kingdom“) oder mit der „La-Ola-Welle“ mit den Gesangsbüchern (bei: Es ströme das Recht) Inhalt und Rhythmus synchron darstellen konnte. Dass damit der Funke auf das Publikum überspringen würde - auch das waren Visionen, nämlich von Regisseur Andreas Gergen, der bereits zwei Tage zuvor die Choreografie-Proben im Salzburger Oval übernommen hatte, ebenso wie von Marcel Volkmann von der „Creativen Kirche“, der am Nachmittag der Hauptprobe die Fäden zusammenführte. 

Zu den Geheimnissen des Erfolgs gehörten auch die Bilder, die Chorleiter und Regisseur in die Köpfe der Mitwirkenden pflanzten - dass zum Beispiel „unsere Engelsflügel“ an der Decke des Saals befestigt seien, oder beim Singen eigene emotionale „Subtexte“ mitschwingen sollten, um die Botschaft zu vermitteln oder dass die Augen „wie Laser-Strahlen leuchten sollten.“ 

Selbst in den komischen Elementen, die es trotz aller Tragik um den Tod des Visionärs auch gab, waren Botschaften enthalten. Beim Besuch von Martin Luther King in der ehemaligen DDR kommt es zu einer Unterhaltung mit herrlich persifliertem Dialekt: „Genosse, machen Sie mal etwas ganz Neues - denken Sie nach!“ Oder die Bedeutung von Kreativität, als King ohne Pass in die DDR einreisen wollte und dem Grenzposten seine American Express-Karte zeigte, die angeblich zum schnellen Grenzübertritt berechtigte. Diese Kreativität bewiesen auch Rosa Parks und die Bürgerrechtsbewegung in dem Musical, indem sie Busse boykottierten und stattdessen neue Schuhe kauften. Diese positive Lösung eines tragischen Konflikts wirkt gleichzeitig auf die Gegenwart. Corettas Frage, welches Kleid sie bei der Verleihung des Friedensnobelpreises tragen würde, mündet in den Song „I got a robe up in that kingdom“ und führt heraus aus dem Alltag in die Botschaft Kings. Dieser wird immer wieder inspiriert von der Heiligen Geistin -  eine weitere Vision, die Männern und Frauen gleiche Rechte auf allen Ebenen einräumt.

Die Vision der Initiatorin Elfi Schweiger ging auf. 

Brigitte Janoschka

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