Gefährdung bei Corona-Krankenbesuch - Geldstrafen

Covid-19-erkrankter Student erhält Besuch von jungem Paar - Alle wussten von Corona-Erkrankung

Landesgericht Salzburg
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Landesgericht Salzburg (Symbolbild)

Drei in Salzburg wohnhafte Deutsche saßen am Mittwoch wegen Gefährdung durch ansteckende Krankheiten vor dem Landesgericht: ein 23-jähriger Student aus Dachau, sein ehemaliger bester Freund, 23, geboren in Ostdeutschland, und eine ehemaligen Freundin, 20, aus Freilassing. Der Student war Mitte September Corona positiv getestet und hatte auch entsprechende Symptome, er bat die Freundin aus Freilassing, ihm etwas zu Essen zu bringen. Diese kam mit dem gemeinsamen Freund, beide sollen sich in die Wohnung gedrängt haben und rund eine Viertelstunde zusammen in der Küche „ein Pläuschchen“ gehalten haben. Alle drei wussten von der positiven Testung des Studenten, die beiden Helfer wurden wenige Tage nach dem Besuch auch positiv getestet.

Salzburg/Freilassing/Dachau - Der Staatsanwalt sah bei allen Drei den Anklagepunkt der Gefährdung durch übertragbare Krankheiten gegeben, Strafrahmen bis zu drei Jahren Haft. Der Anwalt des bayerischen Studenten führte aus, dass es seinem Mandanten an diesem Tag im September körperlich sehr schlecht ging und er deswegen in die Ambulanz des Landeskrankenhauses fuhr. Dort wurde dann auch ein Corona-Test durchgeführt, der ein positives Ergebnis brachte.


Obwohl er nur das Mädchen gebeten hatte, ihm wegen der Quarantäne Lebensmittel zu bringen sei diese mit dem gemeinsamen Freund gekommen, beide hätten aber gewusst, dass der Student Corona positiv ist, hätten das aber nicht so ernst genommen. Sein Mandant, wie auch die beiden anderen seien aber keineswegs Corona-Leugner, auch habe keine Corona-Party oder ähnliches stattgefunden, das bestätigten später auch die drei Angeklagten.

„Nicht so schlimm, sind wahrscheinlich auch positiv“


Der Student schilderte dann der Einzelrichterin, dass er sich an diesem Tag „schwach wie bei einer schweren Grippe“ gefühlt hätte, wegen weiterer, medizinischer Gründe sei er in eine Ambulanz ins Landeskrankenhaus gefahren, die 21-Jährige habe ihn begleitet und meinte, dort auch einen Corona-Test machen zu können. Dies sei aber nicht der Fall gewesen. Nach rund sieben Stunden sei er wieder zuhause eingetroffen und habe die Freundin dann telefonisch gebeten, ob sie ihm eine Flasche Cola, Nudeln und Tomatensauce bringen könne.

Wenig später sei aber nicht nur das Mädchen, sondern auch der gemeinsame Freund in der Tür gestanden und hätten sich irgendwie in die Wohnung gedrängt, „es ist nicht so schlimm, wir selbst sind ja wahrscheinlich auch positiv“ sollen sie gesagt haben. Zehn bis 15 Minuten seien die Drei dann in der engen Küche zusammengestanden, „aber mit Abstand und wir hatten alle eine Maske auf“, so der angeklagte Student.

„Es war einfach sehr dumm von uns“

Die 20-jährige Freilassingerin schilderte den Vorfall ein wenig anders, sie habe an diesem Tag einen Anruf vom Gesundheitsamt bekommen, bei dem ihr mitgeteilt wurde, dass sie als Kontaktperson keinen öffentlichen Raum mit vielen Personen mehr betreten dürfe, also kein Geschäft und keinen Bus. Der Student habe dann sehr wohl gewusst, dass sie nicht alleine kommen werde, „er hat zwar zuerst gezögert, uns reinzulassen, dann aber gemeint, wir sollen nicht solange bleiben“. Wie auch der Student zeigte sich die 20-Jährige geständig und reumütig, „das alles hätte man sich sparen können, es war einfach sehr dumm von uns“.

Zwei Tage nach dem Treffen sei sie auch positiv auf Covid-19 getestet worden, ob sie sich beim studentischen Freund oder woanders angesteckt habe könne sie nicht sagen. Auch der gemeinsame, ostdeutsche Freund der Beiden zeigte Reue, „wir hätten ihm das Cola auch über das Küchenfenster reichen können, aber wir sind halt dann irgendwie in die Wohnung“. Die Richterin verurteilte die Drei zu Geldstrafen, der Student und der beste Freund zu je 720 Euro, das Mädchen zu 480 Euro weil sie als junge Erwachsene noch milder zu bestrafen war. Eine Diversion, also eine außergerichtliche Einigung lehnte die Richterin ab, „es war ein klares Zeichen nach außen zu setzen“. Die drei Angeklagten nahmen die Urteile an, der Staatsanwalt gab allerdings keine Erklärung ab, das Urteil ist daher nicht rechtskräftig.

hud

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