Vier Monate Haft für spielsüchtigen Kreditbetrüger

150.000 Euro unter falschen Namen geliehen - Postfachadresse im BGL für deutsche Banken

Landesgericht Salzburg
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Zu vier Monaten Haft ist jetzt ein 42-jähriger, spielsüchtiger Kreditbetrüger verurteilt worden, das Urteil ist rechtskräftig.

Zu einer Freiheitsstrafe von insgesamt 18 Monaten ist am Montag ein 42-jähriger Salzburger wegen schweren gewerbsmäßigen Kreditbetrugs und Urkundenfälschung verurteilt worden, davon wurden 14 Monate auf Bewährung ausgesetzt. Das Urteil ist rechtskräftig. Mit falschen Angaben, fingierten Lohnbestätigungen, sowie einer falschen Wohnadresse im Berchtesgadener Land hatte der Mann wegen seiner Spielsucht Kredite in einer Gesamthöhe von 130.000 Euro erhalten, unter anderem von zwei deutschen Banken.

Salzburg/Berchtesgadener Land - Der im Bezirk Hallein wohnende Mann hatte schon als selbstständiger Unternehmer einen Schuldenberg angehäuft und ist in diesem Zusammenhang auch zweimal verurteilt worden, unter anderem wegen Urkundenfälschung. Ab 2016 begann er regelmäßig in Casinos und Wettlokalen zu spielen und sein Geld zu verspielen, er lieh sich Geld sowohl von Salzburger Banken, als auch von „privaten, eher dubiosen Leuten“, insgesamt 130.000 Euro.


Für diese Kredite bürgten auch seine Ehefrau und sein Bruder. Erst als er in Österreich kein Geld mehr erhielt holte er sich im Internet Kreditzusagen von deutschen Banken, für die er aber eine deutsche Wohnadresse brauchte. „Ein Freund von mir war mir noch einen Gefallen schuldig, also habe ich ihn gefragt, ob ich mich bei ihm in Deutschland anmelden kann“, so der Angeklagte, der so zu einer Adresse und damit einem Briefkasten im Berchtesgadener Land kam. Der Freund sagte bei der Polizei allerdings aus, er habe nie etwas unterschrieben.

Der Anwalt des Angeklagten, Franz Essl, nutzte bei seinem Plädoyer auch den aktuellen Rücktritt der österreichischen Arbeitsministerin und meinte an das Schöffengericht gewandt, „mein Mandant hat keine Diplomarbeit und keine Dissertation gefälscht, mein Mandant ist massiv spielsüchtig, dafür haben wir auch ein Gutachten“. Laut dem Sachverständigen soll die Spielsucht des 42-Jährigen „eine erhebliche Einschränkung der Zurechnungsfähigkeit“ zur Folge gehabt haben, zudem sei der Angeklagte in Therapie gewesen, habe sich bei allen Casinos sperren lassen und ist dabei, seine Schulden zurückzuzahlen.


Der Angeklagte selbst bekannte sich schuldig, „die Fakten sind so, wie sie sind“. Seine Spielsucht sei 2016, 2017 exzessiv geworden, 130.000 Euro hätten Banken insgesamt ausgezahlt, erst dann sei genauer geprüft worden. Durch eine Sperre in Österreich sei er dann über Kreditvergleichsportale an deutsche Geldinstitute gekommen, unter anderem die Deutsche Postbank und die Santander Bank. Aber auch von privaten, „zum Teil dubiosen Gestalten“ habe er sich immer wieder Geld geborgt, einer habe ihm 30.000 Euro geliehen und dann entsprechend heftig die Rückzahlung eingefordert.

Deutsche Scheinadresse für Kredite

Von deutschen Banken habe der Angeklagte schnell Kreditzusagen erhalten, allerdings habe er dafür eine deutsche Wohnadresse gebraucht, ein im Berchtesgadener Land wohnhafter Freund habe ihm seine Adresse für Briefe zur Verfügung gestellt und ihm eine Meldebestätigung organisiert, „das war für mich ein Rettungsanker, ich hatte ja die Absicht, alles zurückzuzahlen“. Die ersten Einvernahmen bei der Polizei nach einer Anzeige habe er als befreiend erlebt, „die acht Wochen in einer stationären Therapie waren für mich die wichtigsten Wochen in meinem Leben“.

Bis zu 5 Jahre Haft

Ein Strafrahmen bis zu fünf Jahren wäre möglich gewesen, das Schöffengericht verurteilte den geständigen Angeklagten zu 18 Monaten Haft, davon 14 Monate auf Bewährung. Vier Monate echte Haft waren nach Ansicht der Richterin aber notwendig, weil es zwei einschlägige Vorstrafen gibt und die neuerlichen Kreditbetrügereien noch in den Probezeiten der zwei ersten Urteile begangen wurden. „Da mussten wir jetzt ein deutliches Signal setzen“, so die Richterin.

hud

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