Zweites Euregio-Sicherheitssymposium

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Gespannte Zuhörerschaft beim 2. EuRegio-Sicherheitssymposium in mit (v.r.) EuRegio-Präsident Landrat Georg Grabner, Salzburgs Landesrettungskommandant Anton Holzer, Bernhard Rausch von der Polizei Salzburg und Herbert Wieser vom Roten Kreuz Salzburg.

Salzburg - 150 Führungskräfte der Einsatzorganisationen aus den Landkreisen Berchtesgadener Land und Traunstein sowie dem Bundesland Salzburg nahmen am Euregio-Sicherheitssympoium teil.

Das Sicherheitssymposium fand kürzlich in der Alten Residenz in Salzburg statt und war mit vier Vortragsblöcken eine reichhaltige Fachveranstaltung.

EuRegio-Präsident Landrat Georg Grabner und Salzburgs Landtagspräsident Simon Illmer unterstrichen in ihrer Begrüßung, dass das Gebiet der EuRegio Salzburg - Berchtesgadener Land – Traunstein in vielerlei Hinsicht von Sicherheitsfragen betroffen sei, denn mit den sechs Bahnachsen, die vom Salzburger Hauptbahnhof ausgehen, mit den drei Autobahnen sowie mit dem Salzburger Flughafen sind potenzielle Gefahrenherde für Katastrophen- bzw. Großschadensereignisse in der Luft, auf der Straße oder auf der Schiene vorhanden.

Auch seien immer wieder grenzüberschreitende Einsatzlagen gemeinsam gut bewältigt worden wie etwa das Busunglück am Dürrnberg oder der Entführungsfall im Europark. „Es gibt ein Grundrecht und ein Grundbedürfnis der Bevölkerung in Sachen Sicherheit. Daher ist der Erfahrungsaustausch in diesen Fragen äußerst wichtig, um selbst gewappnet zu sein. Unser Dank gilt hier insbesondere auch den Einsatzorganisationen mit ihrem vorbildlichen Engagement, das schon bei der Jugendarbeit grenzübergreifend ausgeprägt ist.“, so Illmer und Grabner.

Das diesjährige Symposium stand ganz im Vorzeichen der ersten grenzüberschreitenden Katastrophenschutzübung, die am folgenden Tag im Raum Schneizlreuth/Unken stattfinden sollte. Hier kam dem Vortragsblock „Tunnelsicherheit“ eine besondere Bedeutung zu. Wichtige Neuerungen zu Patientenleitsystemen sowie die Kenntnis der Organisationsstrukturen waren ebenso Gegenstand der Ausführungen wie die rechtlichen Grundlagen der grenzüberschreitenden Hilfeleistung. Nicht zuletzt wurden am Beispiel der Amoklage am Gymnasium im bayerischen Ansbach im Jahr 2009 der Einsatzablauf skizziert und Schlussfolgerungen für Führungskräfte gezogen.

„Wir wollen es nicht herausfordern, aber wir wollen, dass unsere Führungskräfte auch auf solche Eventualitäten vorbereitet sind, die organisatorischen Herausforderungen kennen gelernt haben und besondere Gefahrenmomente besser abschätzen können. Dies kann dann etwa auch wieder in die eigenen Übungen mit einfließen und dort trainiert werden.“, umschrieben Bernhard Rausch von der Sicherheitsdirektion Salzburg, Sprecher der EuRegio-Facharbeitsgruppe Sicherheit, und Rudi Zeif, Kreisbrandrat des Landkreises Berchtesgadener Land, die Zielsetzungen des 2. EuRegio-Sicherheitssymposiums.

Im ersten Vortragsblock „Sichtung/Registrierung“ führte Herbert Wieser, Chef des Stabes im Landesrettungskommando Salzburg, in die Organisationsstrukturen des Katastrophehilfsdienstes im Roten Kreuz Salzburg ein. Dabei zeigte er auch die grenzüberschreitenden Verknüpfungen auf wie etwa bei der Sanitätshilfsstelle die in Bayern dem vorgeschobenen Behandlungsplatz entspricht.

Auch bei den vielfältigen Ausrüstungsgegenständen ist eine grenzüberschreitende Ergänzung bzw. eine gemeinsame Nutzung denkbar. Dr. Franz Chmelizek, Chefarzt im Salzburger Roten Kreuz, und sein Kollege Andreas Rautter, Bezirksfachdienstführer im Sanitätsdienst Oberbayern, informierten über die gängigen Patientenleitsysteme. Gerade bei Großschadensereignissen und Katastrophen kommt der möglichst frühzeitigen Sichtung und Registrierung von Verletzten eine besondere Bedeutung zu, um eine optimale Versorgung der Verletzten sowie einen geregelten Ablauf sicher stellen zu können.

Die Vorträge von Reinhold Ortler, Berufsfeuerwehr Salzburg, und Markus Brandauer, dem technischen Leiter im Landesfeuerwehrkommando Salzburg, griffen Richtlinien und Regelwerke für die Tunnelsicherheit in Österreich sowie die Alarmpläne und die Ausrüstung der Tunnel in Salzburg auf. Dabei wurde deutlich, dass etwa die genaue Kenntnis der baulichen Gegebenheiten eines Tunnels für den Einsatzerfolg entscheidend sein können. „Tunneleinsätze stellen extreme Anforderungen an Mensch und Material.

Daher ist es höchst wichtig, ob 500 oder 250 Meter mit Atemschutz bis zum Einsatzort bewältigt werden müssen.“, so Ortler, der sich daher dafür aussprach, in Tunneln alle 250 Meter einen Querschlag einzubauen. Für alle Tunnel im Land Salzburg gibt es mittlerweile detaillierte Bau- und Ausrüstungs- sowie genaue Alarmierungspläne. „Da haben wir in den letzten Jahren wirklich Grundlegendes geleistet, was uns in Real-Einsätzen aber auch in der Schulung von großem Nutzen ist.“, so Brandauer nicht ohne Stolz.

Hans Ellmayer vom bayerischen Innenministerium und Norbert Altenhofer vom Katastrophenschutzreferat des Landes Salzburg beleuchteten in ihrem gemeinsamen Vortrag die rechtlichen Grundlagen der grenzüberschreitenden Hilfeleistung. Neben den jeweiligen landesinternen Feuerwehr- und Rettungsdienstgesetzen sind das deutsch-österreichische Katastrophenhilfeabkommen von 1992 sowie ein gemeinsamer Alarmplan, der übrigens auch für Fälle von übertragbaren Krankheiten gilt, maßgebend.

Die nationalen Meldeköpfe für das EuRegio-Gebiet sind das Polizeipräsidium Oberbayern Süd und die Landesalarm- und –warnzentrale Salzburg. Für Feuerwehr und Rettungsdienst gilt darüber hinaus ein sogenanntes Gewohnheitsrecht, d.h., gegenseitig wird auf das Geltendmachen von Einsatzkosten sowie auf Entschädigung, Schadenersatz und Erstattung der Aufwendungen verzichtet. Die Gesamtverantwortung, die Einsatzleitung und das Weisungsrecht hat immer der Einsatzstaat.

Schwerpunkt des 2. EuRegio-Sicherheitssymposiums waren die Ausführungen von Udo Dreher, Polizeipräsidium Schwaben Nord, und Peter Gerlach, Polizeipräsidium Mittelfranken, betreffend einer Amoklage am Ansbacher Gymnasium Carolinum am 17. September 2009. Gerlach war damals Schichtgruppenleiter in Ansbach und gab selbst mehrere Schüsse auf den Amokläufer ab, Dreher war Einsatzleiter vor Ort. Minutiös beleuchteten die beiden Referenten die Minuten von der Alarmierung bis zum Abschluss des Einsatzes sowie die nachfolgenden Geschehnisse in der Polizei, in den Medien sowie vor Ort.

Immer wieder betonten sie dabei, mit welch „glücklichen“ Umständen sie bei dieser Einsatzlage konfrontiert waren, die etwa in der mangelhaften Vorbereitung des Täters oder der uneigennützigen Hilfsbereitschaft einzelner Beteiligter begründet war. Bestechend war auch der Einblick, den beide in ihre Gefühlswelt gaben. Alle Teilnehmer des Symposiums, die selbst als Führungskraft aktiv sind, konnten daraus wichtige Erkenntnisse für den Umgang mit ihren Untergebenen ableiten. Egal, ob Schusswaffengebrauch, Bergung von Toten oder Schwerstverletzten oder eigene Lebensgefahr, unverzichtbar ist und bleibt z.B. das direkte und möglichst offene Gespräch zwischen Führungskraft und Betroffenem.

Moderator Michael Rausch von der Polizei Salzburg und EuRegio-Geschäftsführer Steffen Rubach schlossen das 2. EuRegio-Sicherheitssymposium mit der Erkenntnis, dass alle Teilnehmer grenz- und organisationsübergreifend einen weiteren wichtigen gemeinsamen Erfahrungsschatz besäßen, der eine ausgezeichnete Grundlage für zukünftige, auch gemeinsame, Einsätze darstelle. Der Erfolg der Veranstaltung bestärkte auch die Facharbeitsgruppe Sicherheit in der Zielsetzung, dass ein weiteres derartiges Symposium folgen soll. Für das leibliche Wohl der Zuhörerschaft sorgte bei der ganztägigen Veranstaltung die Küche des Roten Kreuzes Salzburg.

Pressemitteilung Euregio

Zurück zur Übersicht: Region Salzburg

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser