Markt „nicht mehr zu verantworten“

Christkindlmarkt 2020 in Salzburg nun doch abgesagt - 60 Millionen Euro „Verlust“

Christkindlmarkt Salzburg
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Besonders am Abend und an den Wochenenden schoben sich die Besucher dicht gedrängt über den Markt, in Pandemiezeiten ein no go.

Salzburg - Der weltberühmte Christkindlmarkt rund um den Dom mit bisher rund einer Million Besuchern pro Saison wird nun doch abgesagt. Salzburgs Bürgermeister Harry Preuner sagt, bei der steigenden Zahl an Infizierten und dem zu erwartenden Lockdown auch in Österreich sei der Markt „nicht zu verantworten“. Noch vor einem Monat war auch Preuner vom Hygienekonzept des Veranstalters überzeugt und wollte ein Signal setzen.

Bis Donnerstag dieser Woche schien das 80 Seiten starke Konzept des Christkindlmarkt-Vereines noch aufzugehen: Sperrgitter, mehr Security, nur fünf offizielle Eingänge, ein Einbahnsystem, Essen und Trinken nur im Sitzen. Rund 200.000 Euro hätten alle diese Zusatzmaßnahmen gekostet, und noch Anfang Oktober hieß es von Seiten der Stadt


„Da trauen wir uns drüber“, ja der weihnachtliche Markt wurde vom Bürgermeister noch als „wichtiges Signal für Hotellerie und Gastronomie“ bezeichnet. Nächste Woche sollte der Aufbau des Marktes beginnen, vom 19. November an bis zum 26. Dezember sollten die knapp 100 Verkaufsstände am Domplatz und Residenzplatz wieder hundertausende Besucher anlocken, in den vergangenen Jahren waren es auch wegen der Bustouristen vorallem aus Bayern immer rund eine Million Gäste.

In der nächsten Woche hätte der Aufbau der rund 100 Hütten für den Christkindlmarkt beginnen sollen, nun wurde er doch abgesagt.

Seit Donnerstag ist alles anders, die Infektionszahlen steigen auch in der Stadt Salzburg seit zwei Wochen rasant an, die Corona-Ampel zeigt nun auch für die Stadt „rot“, das bedeutet, Veranstaltungen aller Art sind nicht erlaubt. Eigentlich fällt der Christkindlmarkt unter„Gelegenheitsmärkte“, die von der Bundesregierung noch ausdrücklich genehmigt sind, auch Wochenmärkte und die Schranne am Mirabellplatz fallen darunter. Aber auch diese Ausnahmen könnten am Samstag fallen, wenn die Bundesregierung das Land ähnlich wie in Deutschland wieder für einige Wochen herunterfährt.

Beim Christkindlmarkt und den erwartbaren Menschenmassen vorallem an den Wochenenden bekommt nun auch die Stadt offensichtlich doch kalte Füße, ein Markttreiben sei der Bevölkerung auch nicht erklärbar wenn es überall heiße man müsse die sozialen Kontakte jetzt deutlich reduzieren, so Salzburgs Bürgermeister. „Bei dieser großen Menge an Corona-Erkrankten kann man so eine Veranstaltung einfach nicht mehr durchführen, jeder schränkt sich ein“, wenn man den Christkindlmarkt jetzt trotzdem genehmigen würde käme schnell der Vorwurf „da geht’s nur um den Profit“, so Preuner.

60 Millionen Euro „Verlust“

Der Altstadtverband als Sprachrohr aller Geschäfte links und rechts der Salzach zeigt Verständnis für die Absage und verspricht, dass auch ohne den Christkindlmarkt Weihnachtsstimmung in den Gassen aufkommen werde. Besorgt zeigen sich hingegen Hotelbesitzer, der Christkindlmarkt bescherte ihnen bisher in der ruhigen Vorweihnachtszeit bis zu 250.000 Übernachtungen, diese werden nun gänzlich ausfallen, die Auslastung der Stadthotels liege derzeit bei nur 10 Prozent, auch weil es keine Seminare, Messen und andere Großveranstaltungen gibt.

Georg Imlauer als Sprecher der Hotellerie in der Wirtschaftskammer sagt, die Monate November und Dezember würden hart werden, „noch härter werden dann die Monate Jänner, Februar und März“. Die Besucher des Christkindlmarktes ließen in den vergangenen Jahren nach Berechnungen der Wirtschaftskammer rund 60 Millionen Euro in der Stadt.

Andere große Weihnachtsmärkte in Hellbrunn oder am Mirabellplatz hatten bereits vor Wochen abgesagt.

Ein Hintertürchen haben sich der Bürgermeister und der Vorstand vom Christkindlmarkt-Verein noch offen gelassen: Wenn die kommenden Maßnahmen der Bundesregierung die Zahlen wieder nach unten drücken wäre eine spätere Öffnung der Marktes noch möglich.

hud

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