Zwölf "Schatzsucher" im Nationalpark

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Waldinventur-Leiter Bernd Becker mit einem der insgesamt 2.702 kleinen Magneten, die in regelmäßigen Abständen in der Pflegezone des Nationalparks Berchtesgaden vergraben sind. Sie kennzeichnen die Mittelpunkte der Stichprobenflächen, auf denen verschiedene Daten zum Waldbestand erhoben werden. Nachdem die Mitarbeiter der Waldinventur die Punkte mittels Magnetsuchgeräten aufgefunden haben, werden sie mit GPS eingemessen.

Berchtesgaden - Inventur im Nationalpark Berchtesgaden: Zwölf Mitarbeiter der sogenannten "Waldinventur" haben kürzlich die Arbeit aufgenommen.

Mit Kluppen, Magnetsuchgeräten und Tablet-PCs sind sie in den kommenden sechs Monaten im Nationalpark Berchtesgaden unterwegs: Die zwölf neuen Mitarbeiter der Waldinventur haben kürzlich ihre Arbeit aufgenommen. Bis zum ersten Schnee im Spätherbst machen sich die wissenschaftlichen Mitarbeiter der Nationalparkverwaltung auf die Suche nach insgesamt 2.702 Inventurpunkten in der Pflegezone des Schutzgebietes.

Im Nationalpark Berchtesgaden hat nach 1983/84 und 1995/97 die dritte Waldinventur begonnen. Dr. Roland Baier (links), Leiter des Sachgebiets Parkmanagement, erläuterte den neuen Kollegen die große Bedeutung der Waldinventur für die Forschung im Nationalpark. Leiter des Projekts ist Bernd Becker, Forstwissenschaftler der Nationalparkverwaltung (Zweiter von links).

Hier stellen sie unter anderem die verschiedenen Baumarten fest, erheben naturschutz- und nationalparkspezifische Daten und verorten die Stichprobenpunkte mittels GPS (Globales Positionierungs-System). „Schon das Auffinden der einzelnen Stichprobenpunkte im Gelände ist eine Herausforderung für die Teams und gleicht einer echten Schatzsuche“, weiß Forstwissenschaftler Bernd Becker, der im Nationalpark Berchtesgaden für die Waldinventur verantwortlich ist. „Die Punkte sind durch kleine, im Boden vergrabene Magneten markiert und diese müssen zunächst mit einem Magnetsuchgerät gefunden werden. Das ist in alpinem Gelände mit der schweren und sperrigen Ausrüstung nicht einfach und fordert von den Kollegen eine großes Maß an Einsatz, Trittsicherheit und eine gute Kondition.“

Bereits zum dritten Mal findet im Nationalpark Berchtesgaden die Waldinventur statt. Bei der ersten Aufnahme vergruben Nationalpark-Mitarbeiter in den Jahren 1983 bis 1984 über 5.400 kleine Magneten rund 20 Zentimeter tief in gleichmäßigen Abständen im gesamten Nationalparkgebiet. Bei der zweiten Auflage der Waldinventur von 1995 bis 1997 wurden die gleichen Punkte erneut aufgesucht und dort verschiedene Daten erhoben.

Die in diesem Jahr durchgeführte Waldinventur findet ausschließlich in der Pflegezone des Schutzgebietes statt, ein Stichprobenpunkt deckt dabei eine Fläche von rund zwei Hektar ab. „Wenn wir einen Probepunkt gefunden haben, messen wir diesen mit GPS ein und bestimmen anschließend die Baumarten in unmittelbarer Umgebung“, erläutert Jan Borsdorf, 22-jähriger Forstingenieur-Student aus Pöcking am Starnberger See. „Danach nehmen wir die Verjüngung auf, bestimmen also die jungen, nachwachsenden Pflanzen“. Darüber hinaus ermitteln die Inventurteams den Anteil an Totholz, Sträuchern und Weidezeigern sowie mögliche Belastungen der Fläche durch Verbiss, Waldweide oder Tourismus.

Um die aktuellen Daten mit denen der vorausgegangenen Inventuren vergleichen zu können, ist es notwendig, die Stichprobenpunkte genau zu lokalisieren und die Daten korrekt zu erfassen. Dazu hat die Nationalparkverwaltung die Trupps mit mobilen Computern, so genannten Tablet-PC´s sowie GPS-Geräten und modernen Ultraschallgeräten ausgestattet. Dass die Waldinventur eine große Bedeutung für den Nationalpark hat, unterstreicht Dr. Roland Baier, Leiter des Sachgebietes Parkmanagement: „Die Ergebnisse der neuen Inventur werden zeigen, ob wir die Ziele unserer Waldentwicklungsplanung erreicht haben. Außerdem sind die Daten Grundlage verschiedener Zielsetzungen im Nationalpark, unter anderem für die Biodiversitätsforschung und den Klimawandel.“ Die neun Männer und drei Frauen des Waldinventur-Teams sind überwiegend Forststudenten oder Absolventen von forstlichen Hochschulen aus ganz Deutschland.

Nahe der Ragert-Alm im Klausbachtal geben Mitarbeiter der Waldinventur die soeben erhobenen Daten in mobile Computer ein: Der 22-jährige Forstingenieur-Student Jan Borsdorf aus Pöcking am Starnberger See (rechts) und die 25-jährige Diplom-Forstwirtin Julia Anders aus Freiberg sind täglich rund neun Stunden im Nationalpark Berchtesgaden unterwegs.

Ergänzt wird das Team durch einen Umweltwissenschaftler aus Bischofswiesen. Zur Durchführung der Waldinventur hat der Nationalpark Berchtesgaden eine Kooperation mit dem Fachgebiet für Waldinventur und nachhaltige Nutzung der Technischen Universität München geschlossen. Prof. Dr. Thomas Knoke und sein wissenschaftlicher Mitarbeiter Christian Clasen unterstützen den Nationalpark bei der Umsetzung sowie bei der späteren Auswertung der Ergebnisse. In Zweierteams werden die Mitarbeiter der Waldinventur noch bis etwa Mitte Oktober 2010 im Gelände unterwegs sein und dabei auch ein waches Auge auf den Borkenkäferbefall haben. Bernd Becker versichert: „Sollten die Kollegen ein Käfernest ausfindig machen, werden diese Informationen natürlich umgehend an den zuständigen Revierleiter weitergegeben.“

Und damit nicht genug: Auch für das Raufußhuhn-Projekt im Nationalpark engagieren sich die Waldinventur-Teams. Sollten sie Hinweise der seltenen Vögel wie Spuren, Federn, Reste von Gelegen oder Losung finden, werden diese erfasst oder eingesammelt und anschließend von Wissenschaftlern ausgewertet. Ziel ist es dabei, das flächenmäßige Vorkommen der Raufußhühner in der Pflegezone des Nationalparks zu erheben.

Pressemeldung Nationalparkverwaltung Berchtesgaden

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