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Gut besucht waren die Führungen des Kreisheimatpflegers Johannes Schöbinger in der Martinskapelle.

Berchtesgaden - Am Tag des offenen Denkmals führte der Kreisheimatpfleger durch die historische Martinskapelle im Kreuzgang der Berchtesgadener Stiftskirche.

Kreisheimatpfleger Johannes Schöbinger empfängt in historischem Gemäuer. Eine große Gruppe Interessierter hat sich um ihn herum versammelt, lauscht seinen Worten über die Martinskapelle, ein Relikt vergangener Zeiten, wohl in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts als Kapitelsaal aus Stein gebaut – zwei Kreuzgewölbe, eine Tür, eine symmetrische Raumanordnung. Geschichtsstunde am Tag des offenen Denkmals.

Auch zu sehen: Der Messkelch aus dem Jahr 1696, aus Silber, vergoldet, mit Emaille-Medaillons.

Der bedeutsamste Raum einer Popstei sei der Kapitelsaal, längs im Ostflügel gelegen, eine Versammlungsstätte einer klösterlichen Gemeinschaft neben der Kirche. Der Saal diente einst zur „täglichen geistlichen Lesung“, zu Aussprachen, Beratungen, zu Aufnahmen, Abstimmungen und zum Einkleiden von Novizen. „Das habe ich nicht gewusst“, sagt ein geschichtsinteressierter Besucher, der vom Tag des offenen Denkmals nichts wusste. Eigentlich sei er nur aus Zufall vor Ort. „Ich war in der Kirche und dann hieß es, man könne sich auch die Martinskapelle ansehen.“ Aus reinem Interesse ist er mitgegangen, „die Aktion gefällt mir“, murmelt er und hört nun weiter zu. Dass etwa davon ausgegangen werden dürfe, dass der Kapitelsaal, neben seinen bekannten Funktionen, immer auch als Kapelle genutzt wurde. Überliefert ist das Datum des 16. Oktobers 1503 – damals weihte Bischof Nikolaus von Kaps aus Gurk die St. Martinskapelle. Auch zur Aufbahrung und Bestattung verstorbener Pröpste und anderer wichtiger Klosterpersonen wurde der in seinen Dimensionen recht überschaubare Kapitelsaal genutzt. In diesem befindet sich „im Übrigen auch das älteste erhaltene Berchtesgadener Propstgrab“, sagt der Kreisheimatpfleger, das von Propst Hartnid von Lampoding, der im Jahr 1305 verstarb und seine letzte Ruhestätte in der heutigen Martinskapelle fand.

Ein besonderer Blickfang: Der St.-Martins-Altar.

14 weitere Wappensteine verstorbener Kanoniker des Chorherrenstiftes sind darüber hinaus im Marmorboden der Martinskapelle eingelassen. Im Jahr 1679 dann wurde durch Kurfürst Maximilian Heinrich der mittelalterliche Kapitelsaal zum internen Gebrauch umgebaut, erneut als Martinskapelle geweiht. Das Kreuzgratgewölbe erhielt eine hochbarocke Stuckausschmückung, so Schöbinger. Unter Kronprinz Rupprecht von Bayern wurde die Martinskapelle im Jahr 1923 als Kriegergedächtnisstätte der Pfarrei St. Andreas mit einem neubarocken Martinsaltar bestückt, „einmalig schön.“ Für Kreisheimatpfleger Johannes Schöbinger ist die für gewöhnlich nicht zugängliche Kapelle ein besonderes Schmuckstück, ein Ort der Historie, wie auch das angrenzende Schloss, der Kreuzgang, die Stiftskirche.

Etwas, was man gesehen haben sollte. Das bestätigt auch der Besucher, der nun Lust auf mehr bekommen hat: „Ich werde mir im Urlaub auch das Schloss in Berchtesgaden ansehen“, sagt er. Nicht, dass er sehenden Auges an einem weiteren „historischen Schmuckstück“ vorbeiläuft.

kp

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