Zahlungsmittel „Sterntaler“

Auf die Region zugeschnitten, gibt es den Sterntaler auch für Berchtesgaden und Bischofswiesen in eigener Aufmachung.

Berchtesgaden – „Eine Regionalwährung bringt Vorteile“, sagt Franz Galler, der Erfinder des „Sterntalers“. Im Berchtesgadener Land ist dieser bereits ein beliebtes Zahlungsmittel, 80.000 Sterntaler sind derzeit im Umlauf.

Zahlt man mit der beliebten Währung, garantiert man, dass das Geld in der Region bleibt und dort ausgegeben wird.

Regionalgeld „Sterntaler“ – was darf man darunter verstehen und wie funktioniert es?

Franz Galler: Regionalgeld ist ein Gutschein, der ausschließlich zwischen Vereinsmitgliedern - Unternehmern und Verbrauchern - im Berchtesgadener Land zirkuliert. Der Sterntaler ist eurogedeckt, das heißt, die derzeit aktuell umlaufenden 80.000 Sterntaler entsprechen eins zu eins dem Euro. Die Euros liegen auf einem Sperrkonto – der Sterntaler ist somit ein „eingesperrter Euro“, der ganz im Sinne von Raiffeisen die Wertschöpfung innerhalb einer Region belassen soll.

„Eine Hand wäscht die andere“ – das ist das Prinzip des Sterntalers. Der Sterntaler ist ein Geschäftsbereich der Sozial-Genossenschaft RegioSTAR eG und dient ausschließlich den Zwecken der lokalen Agenda21. Das heißt, dem Erhalt der Region für nachkommende Generationen. Aufgebaut auf den drei Säulen der regionalen Wirtschaft - Erhalt der Nahversorgung, der kleinen Läden und der Arbeits- und Ausbildungsplätze. Wichtig in dieser Hinsicht ist auch das Denken in kultureller und sozialer Hinsicht. So fördert jeder Sterntaler mit drei Prozent ein umweltorientiertes, soziales oder kulturelles Projekt.

Ziel des Sterntalers ist somit die Stärkung regionaler Wirtschaftskreisläufe und die Förderung besagter Projekte im Landkreis. Der Sterntaler wird an Ausgabestellen unbar über eine so genannte Sterntaler-Regiocard an Verbraucher ausgegeben, die damit in regionalen Betrieben bezahlen, die beim Sterntaler mitmachen. Unternehmen geben den Sterntaler weiter – er behält immer den Wert eins zu eins zum Euro. Jeder Unternehmer hat neben dem Weitergeben aber auch die Möglichkeit unter Abzug von fünf Prozent Regionalbeitrag Sterntaler in Euros zurückzutauschen. Das Ergebnis ist eindeutig und positiv: Das Geld zirkuliert schneller. Regionale Wirtschaftskreisläufe werden gestärkt. Es entstehen neue soziale Beziehungen zwischen Konsumenten und Wirtschaft.

„Wir setzen auf regionale Selbstständigkeit anstatt auf globale Abhängigkeit“, hört man von Ihnen – welche Vorteile bringt der „Sterntaler“ mit sich?

Globale Währungen wie der Euro fließen durch den „eingebauten“ Wachstums- und Renditezwang zumeist sehr schnell aus der Region ab. Denn mehr Rendite wird in den Zentren und nicht in den Regionen gemacht. Das gilt national und international. Weltweit fließt ein Großteil des mobilen, anlagebereiten Geldes in die prosperierenden Länder wie zum Beispiel China, Indien oder Brasilien. Der Sterntaler hingegen ist ein reines Tauschmittel, das in der Region verbleibt.

Kann sich eine regionale Währung gegenüber dem Euro durchsetzen? Wenn ja, warum?

Der Sterntaler will sich nicht gegen den Euro durchsetzen, sondern ihn dort sinnvoll ergänzen, wo globale Währungen Schwächen haben. Deswegen auch der Name „Komplementärwährung“, also „ergänzende Währung“.

Studien sagen, dass ein Haushalt gegenwärtig rund 30 Prozent seines Budgets im engen regionalen Bereich ausgeben könnte. Dies ist von vielen Angebotsfaktoren abhängig. Es gibt ein gewaltiges zusätzliches Potenzial für regionale Wirtschaftskreisläufe. Dieses Potenzial kann durch Regionalgeld angeregt und verstärkt werden. Wir sind also nicht generell gegen Globalisierung. Wir wollen aber darauf aufmerksam machen, dass ein ausschließliches Zielen auf kurzfristige Gewinne und den billigsten Preis langfristig fatale Folgen haben kann. Nämlich dann, wenn es um den Erhalt der Nahversorgung, um Ausbildungs- und Arbeitsplätze und um die Situation der kommunalen Finanzen geht.

In welchen Regionen ist der „Sterntaler“ zu finden? Können Sie konkrete Zahlen nennen?

Der Sterntaler ist das Regiogeld für das Berchtesgadener Land. Zielgruppe sind inhabergeführte Unternehmen, das heißt zumeist kleinere und kleinste Betriebe, welche durch die zunehmende Globalisierung immer mehr zu den Verlierern zählen. Denn diese führt zu einem Ausbluten der Innenstädte und Wegbrechen von Ausbildungs- und Arbeitsplätzen.

Gleichzeitig ist der Sterntaler für regional orientierte Verbraucher da, die bereit sind, ihr eigenes Einkaufsverhalten zu hinterfragen, zumindest teilweise zu verändern, dies vorzuleben und damit weiterzugeben. Der Sterntaler baut ein Netzwerk zwischen Unternehmern und Verbrauchern auf. Das gelingt uns immer besser. Sechs Jahre nach der Gründung wird die Anbieterdichte und das Angebot immer besser: von der Apotheke bis zum Steuerberater, vom Waren-Lagerhaus bis zum kleinen Laden an der Ecke. Die Zahl der teilnehmenden Unternehmer und Verbraucher hat sich seit dem Start 2004 mehr als verdreifacht und steigt kontinuierlich.

Die umlaufenden Sterntaler haben sich innerhalb von zwei Jahren mehr als verdoppelt, die ausgegebenen Sterntaler etwa verdreifacht. Seit 2009 zirkulieren Sterntaler auch im „inneren Landkreis“ und werden an bisher zwei Ausgabestellen (Naturkost Keimling in Berchtesgaden und Bioladen Wegscheider in Schönau am Königssee) ausgegeben. Etwa 40 Unternehmer aus Berchtesgaden, Bischofswiesen, Marktschellenberg, Ramsau und Schönau am Königssee machen bisher mit. Seit Anfang 2008 hat der Sterntaler rund 12.000 Sterntaler Förderung verursacht – bisher konnte man im „inneren Landkreis“ Berchtesgaden hilft e.V. und die Ministrantenfreizeit Oberau fördern. Weitere Fördermitgliedschaften sind erwünscht.

Welche Erwartungen richten Sie an den „Sterntaler“. Was ist in Zukunft möglich?

Der Sterntaler wird weiterhin als soziales und persönliches Zahlungsmittel zwischen den Verbrauchern und Unternehmern, zwischen den Städten und Gemeinden unseres Landkreises wachsen. Sein Ansatz ist auf Kooperation anstatt Konkurrenz aufgebaut.

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