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Wird Holz bald ein Luxusgut?

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So dramatisch sei die Lage noch nicht, meint Arnold Fellinger vom Bioenergie Berchtesgadener Land

Schönau/Traunstein - Der Preis für Brenn- und Nutzholz ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Aber könnte Holz bald wirklich zum Luxusgut werden?

Der Holzpreis steigt. Ob Brennholz oder Nutzholz. Zwischen „zehn und 20 Prozent“ in den letzten zwei Jahren, sagt der Geschäftsführer der Waldbesitzervereinigung Laufen-Berchtesgaden, Tobias Glück. Die Nachfrage sei aktuell sehr stark. Holz als Luxusgut? „In gewisser Weise schon“, sagt er. Wenn die Entwicklung sich so fortsetzt. Arnold Fellinger, Geschäftsführer der Bioenergie Berchtesgadener Land, die ein Biomasseheizkraftwerk in Schönau am Königssee betreibt, berichtet, dass es so schlimm gar nicht sei. Der Hackschnitzelpreis, der etwa für das Heizkraftwerk wichtig ist, „ist vom Brennholzpreis entkoppelt.“ Für seine Kunden sieht er keine Gefahr, dass die Ressource zum Luxusgut werden könnte.

Ludwig Hinterbrandner aus Marktschellenberg freut sich über die Holzpreisentwicklung.

Holz ist im Laufe der vergangenen Jahre deutlich teurer geworden. Tobias Glück kann dieser Umstand nur freuen, vertritt er doch die Waldbesitzer im Raum Berchtesgaden bis Laufen. Die Ressource Holz ist beliebt, da nachwachsend, umweltfreundlich, öko. Auch Ludwig Hinterbrandner aus Marktschellenberg, Waldbesitzer im Bezirk Berchtesgaden, freut sich über die Holzpreisentwicklung. „Ich kann mich nicht beschweren“, sagt er. Sofern Stürme mit anfallendem Wurfholz ausblieben, ist er guter Dinge, dass der Holzpreis auch weiterhin auf hohem Niveau angesiedelt bleibt. „Geringfügig kann er auch noch steigen“, sagt er, „dann ist irgendwann aber mal Schluss.“

Preiskurve zeigt nach oben

Selbige Meinung vertritt Anton Pertl, Waldwart für die Bereiche Kirchanschöring und Saaldorf. „Mit dem Holzpreis bin ich sehr zufrieden“, meint er auf Anfrage. Er glaube nicht, dass dieser noch weiter steige. „Die Schmerzgrenze ist erreicht.“ Warum denn der Preis so gut liege? Pertl: Der Käferbefall sei dieses Jahr nicht übermäßig groß ausgefallen. Außerdem liege die Nachfrage nach Holz allein schon durch die Industrie über den Erwartungen. „Es wird viel mehr Werbung für Holz im Allgemeinen gemacht“, sagt Tobias Glück von den Waldbesitzern. Außerdem werde das Öl teurer, die Bevölkerung wünscht sich Alternativen. Alternativen wie das Holz etwa. Auch bei den Hackschnitzeln zeigt die Preiskurve nach oben, wenngleich diese nicht so steil verläuft wie die des Holzes. 15 Prozent habe der Preis in den letzten beiden Jahren für die Biomasse angezogen, sagt Glück. Der von Heizöl: ein Plus von über 30 Prozent laut Statistik des Centralen Agrar-, Rohstoff-, Marketing- und Entwicklungs-Netzwerks mit Sitz in Straubing. Große Stürme könnten dem Preis des Holzes etwas anhaben, weiß Glück. „Wenn mehrere 1000 Hektar über den Haufen gerissen werden, gibt es viel Material, das zunächst aufgearbeitet werden muss.“ Dann fällt der Holzpreis. Derzeit gibt es aber nur eine Richtung: Und die zeigt nach oben.

Volle Lager beim Heizkraftwerk

Volle Lager im Biomasseheizkraftwerk

Arnold Fellinger vom Biomasseheizkraftwerk in Schönau am Königssee, das im letzten Jahr an das Netz ging, weiß um die steigenden Holzpreise Bescheid. Da für Hackschnitzel aber andere Regeln gelten, müssten seine Kunden keine Bedenken haben. Vom Luxusgut Holz sei man noch weit entfernt. Anders ausgedrückt: Holz werde kein Luxus sein. „Es wächst noch immer mehr nach, als verarbeitet wird“, sagt Fellinger. Im Übrigen sei das, was man im Biomasseheizkraftwerk verwerte, größtenteils Schlagabraum, also Reste, die nach Rodung oder Holzeinschlag übriggeblieben sind. Baumwipfel, aber auch Käferholz, etwa aus dem Nationalpark, werde verarbeitet.

Mit den Hackschnitzeln sei ein neuer Markt geschaffen worden. Früher habe man den Schlagabraum einfach im Wald liegengelassen, heutzutage könne man damit Geld verdienen. 20 Zulieferer, viele aus der Region, verzeichne man. 85.000 Schüttraummeter benötigt das Heizkraftwerk pro Jahr, derzeit lagern 6.500 Schüttraummeter auf dem Gelände in Schönau am Königssee. Bis zum Jahr 2016 wolle man 50 Millionen Kilowattstunden an Wärme verkaufen – das ist Fellingers ambitionierter Plan. „Wir liegen auf Kurs“, sagt er mit einem freudigen Gesichtsausdruck. Und auch in Sachen Preisentwicklung sei Panik unbegründet. Langfristige Verträge mit den Zulieferern garantierten sichere Preise. Denn: Ein Jahr im Voraus werden die Abnahme-Verträge geschlossen. Neben einigen Großlieferanten seien auch Regionalbetriebe Kunden, die nur 20 bis 30 Schüttraummeter lieferten. „Das eigene Lager ist gerade eben voll“, so der Geschäftsführer. Auch in zwei externen Lagerstätten warten weitere 25.000 Schüttraummeter. Hackschnitzel für etwa vier Monate.

Fallende Holzpreise?

Dass die Nachfrage nach Holz und Biomasse allgemein steige, sei „richtig und wichtig. Aber es war auch immer schon so, dass der Preis von Holz gestiegen und später wieder gefallen ist“, weiß der gebürtige Österreicher. Er geht davon aus, dass die Preisentwicklung zukünftig auch wieder in eine andere Richtung verlaufen könnte. Die Betonung liegt auf „könnte“. Die Hackschnitzel-Kurve sei hingegen moderat und überschaubar. Erst vor wenigen Tagen kam es, nach langen Verhandlungen, zu einem Vertragsabschluss zwischen der Geschäftsführung des Biomasseheizkraftwerks und der Waldbesitzervereinigung Laufen-Berchtesgaden. 2.000 Schüttraummeter werden die Waldbesitzer pro Jahr liefern. Kein Brennholz, sondern Hackschnitzel – auch damit lässt sich dieser Tage Geld verdienen.

kp

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