„Wir haben zu wenige Soldaten“

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Oberstleutnant und Kommandant des Gebirgsjägerbataillons 232 Peter Küpper (l.) ist auf der Suche nach Soldaten-Nachwuchs. Hier mit General Johann Langenegger (M.) und Oberstleutnant Nikolaus Carstens bei der Kommandoübergabe.

Berchtesgaden - „Die Bundeswehr hat Nachwuchsprobleme.“ Das sagte der Kommandant des Gebirgsjägerbataillons 232, Peter Küpper, am Neujahrsempfang in Berchtesgaden.

„Haben Sie mit mir Nachsicht“, sagte Oberstleutnant Peter Küpper bei seiner Ansprache vor über 600 Gästen beim Neujahrsempfang im Kongresshaus. Erst seit wenigen Wochen hat er das Kommando über das Gebirgsjägerbataillon 232 in Strub inne. „Ich habe versucht, meine Gedanken zum Neujahr zu sammeln“, so Küpper. Militärisch knappe wollte er sich halten und machte eines klar deutlich: „Die Bundeswehr hat Nachwuchsprobleme.“ Auch am Standort in Bischofswiesen.

Gewinnbringend für alle fünf Gemeinden sei die Entscheidung für den Bundeswehr-Standort in Bischofswiesen. Zwar werde das Fernmeldebataillon bis zum Jahr 2014 am Standort aufgelöst, trotzdem sei man froh, bleiben zu dürfen: „Wir fühlen uns hier bei Ihnen, in unserer Heimat, sehr wohl“, sagte Küpper. Den Soldaten sei bei der Bekanntgabe ein großer Stein vom Herzen gefallen. Das vergangene Jahr sei ein sehr forderndes gewesen. „Der Einsatz in Afghanistan hat seine Spuren hinterlassen“, so der Oberstleutnant. Physisch sowie psychisch. Den Einsatz verteidigte er dennoch: „Er war und ist wichtig und richtig“, sagte er. Man trage die Verantwortung gegenüber den Menschen und gegenüber dem Land, wo man stationiert ist. 2012 werde für die Bundeswehr kein ruhiges Jahr werden, „die kommenden Monate werfen ihre Schatten voraus“. Die Bundeswehr müsse sich demnächst schon wieder in die Vorbereitung auf den nächsten Einsatz in Afghanistan begeben. Im Herbst 2013 sei es dann soweit. „Bald stehen zwei anspruchsvolle Übungen auf dem Programm“, sagte Küpper. Das Bataillon habe bereits in der Vergangenheit deutliche Veränderungen mitgemacht. „Wir sind anders geworden, ernsthafter“, sagte Küpper im Hinblick auf die Auslandseinsätze, bei dem auch im Gebirgsjägerbataillon Soldaten zu Tode gekommen waren. Die Ernsthaftigkeit sei überall spürbar. „Deshalb brauchen wir für die Zukunft Soldaten, die ihr Handwerk als wirkliche Profession verstehen“. Menschen, die sich zum Soldaten-Dasein berufen fühlten und die ihre Position vollkommen ausfüllten. Küpper zeigte auf, dass man auch am Bischofswieser Bundeswehr-Standort Unterstützung brauche.

Nicht nur, weil das Fernmeldebataillon aufgelöst werde und die Gesamtsoldatenzahl schrumpfe. Vor allem beschäftigt Küpper die Tatsache, dass die Bewerberzahlen geringer würden: „Wir haben zu wenige Soldaten“, sagte er. Die Nachwuchswerbung laufe dürftig. „Wir können nur so gut sein, wie unser Nachwuchs ist.“ Er bat die 600 versammelten Gäste des Neujahrsempfangs um Unterstützung und versprach: „Wir wollen uns offen und ehrlich zeigen – ohne Glorifizierung.“ Der Appell war deutlich - und kam bei den Zuhörern an.

kp

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