"Wir haben alles, außer Schneekanonen"

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Bahn-Betreiber Christian Riel damals noch vor seinem leeren Grundstück.

Ramsau - Die alte Naturrodelbahn am Hochschwarzeck hat ausgedient. Der „Hirscheckblitz“ soll es richten, wenn es nach Christian Riel von der Hochschwarzeck Bergbahn geht.

„Das Skifahren stagniert“, mit dem optimierten Rodelerlebnis auf einer Länge von 2,3 Kilometern möchte man sich im Ramsauer Schneegebiet ein „zweites Standbein“ aufbauen.

Die alte Bahn war deutlich, über einen Kilometer, länger. "Aber sie hatte halt auch ihre Längen". Wegstücke, die mühsam waren, vorwärtszukommen. Das Gefälle war oft nicht entsprechend der Vorstellung des Bahn-Chefs. „Eigentlich war die alte Bahn ja ein normaler Fußweg.“ Das soll nun anders werden. Mit dem „Hirscheckblitz“, dem neuen Aushängeschild der Ramsauer Winterwelt, möchte man auf Tuchfühlung mit den Rodelambitionierten gehen.

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Eine reine Winter-Naturrodelbahn, die – wenn es nach Christian Riel geht – alle Erwartungen erfüllen wird. Fußgänger werden den Bergab-Fahrenden künftig keine mehr begegnen. „Die Gemeinde Ramsau hat es sehr stark befürwortet, eine eigene Rodelbahn zu bauen“, sagt Riel, dessen ambitioniertes Projekt von vielen Seiten „wohlwollend unterstützt“ wurde. Denn das Rodeln wird landauf, landab immer beliebter. Sowohl bei Gästen als auch bei Einheimischen, sagt Riel. „Die Gäste bei uns fahren sowieso seit jeher gerne Schlitten.“ Und weil das Skifahren im Naturschneegebiet im Hochschwarzeck eine immer ungewissere Angelegenheit wird, die kaum zu beeinflussen ist, ist die Orientierung hin zur neuen Rodelbahn der logische Schritt. „Ob man bei uns Skifahren kann, hängt immer von den äußeren Umständen ab. Wenn kein Schnee da ist, sind wir als Skigebiet uninteressant“, sagt der Bahnbetreiber, der keinerlei Möglichkeiten hat, die Skiabfahrten künstlich beschneien zu lassen. So setzt man nun auf den Rückeweg, „nichts anderes ist die neue Rodelbahn“, und hofft, zwischen kommendem Dezember und März 2012 beste Schneeverhältnisse vorzufinden.

Die Trasse in das Gelände zu legen, sei alles andere als leicht gewesen. So habe man es mit zahlreichen naturschutzrechtlichen Belangen zu tun gehabt, die nicht außer Acht gelassen werden durften. So ist das Gebiet, in dem der neue „Hirscheckblitz“ liegt, ein Rückzugsraum für Raufußhühner. Einige Auflagen mussten erfüllt werden, um schließlich grünes Licht für das winterliche Schlittenerlebnis zu erhalten. „Wir hatten mit mehr als zehn Grundstückseigentümern zu tun, die Planungen waren umfassend und mit viel Aufwand verbunden“, erklärt er. Schon im Jahr 2004 gab es zwar erste Pläne, erste Anfragen für eine Genehmigung einer Natur-Rodelbahn. „Die damals erstellten Gutachten stimmten uns aber nicht sehr optimistisch.“ Deshalb wurde das Vorhaben nach kurzer Zeit wieder auf Eis gelegt. Kleinere Zusammenstöße zwischen Schlittenfahrern und bergauf wandernden Fußgängern sorgten beim Betreiber für Missmut. Das Ziel aus den Augen verloren hatte Riel noch nicht.

Über 400 Meter kurvig bergab

10000 Euro kostete ein allumfassendes Gutachten, das die Angelegenheit von allen Seiten beleuchtete. Die Rodelbahn rückte wieder in greifbare Nähe. „Wir wollten einen Weg schaffen, der im Winter befahrbar ist, mit einem Gefälle, das jedem Rodler gerecht wird“, so Riel. Nun soll das geschaffene Stück Rodelbahn „Rodelspaß der Extraklasse“ versprechen. Die Schlitten-Partie beginnt ab Dezember in 1390 Metern Höhe direkt an der Bergstation der Hirscheck-Sesselbahn und führt über 400 Höhenmeter kurvig bergab. „Daher auch die Bezeichnung Hirscheckblitz“, so Riel. Das Ziel befindet sich in unmittelbarer Nähe der Sesselbahn auf 1000 Meter Höhe. Fußgänger sollen künftig keine mehr auf der Bahn zu finden sein, sondern über einen extra ausgewiesenen Weg nach oben geleitet werden. Die

Zukunft des Wintersports in der Ramsau ist eine zweischneidige Angelegenheit, meint Riel und ergänzt, dass das „Hochschwarzeck ein drastisches Problem“ habe. „Wir haben hier eigentlich alles, außer Schneekanonen“, die den Winterbetrieb auf der Skiabfahrt garantieren könnten. Auch in Zukunft wird man allein von den Wetterbedingungen abhängig sein – „wir sind auf den Naturschnee angewiesen“, sagt er. Finanziell seien Schneekanonen nicht zu stemmen – und auch ein weiteres Problem tut sich auf: „Wir haben hier oben kein Wasser, keine Quellen“, sagt Riel. Denkbar für die Rodelbahn indes sei eine kostengünstigere Depotbeschneiung. Schnee, den eine Kanone produziert und der dann dorthin gebracht wird, wo er notwendig ist – auf die Bahn.

„Bei unseren Skipisten wäre das ein Unding, und daher nicht möglich.“ Beschneite man den neuen „Hirscheckblitz“ in Zukunft künstlich, bräuchte man für eine Zwanzig-Zentimeter-Auflage 1500 Kubikmeter Kunstschnee. Da kann Christian Riel nur hoffen, dass die kommenden Winter kalt und schneereich werden.

kp

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