„Wer sich vorne hinstellt, muss Kritik aushalten“

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Christoph Karbacher, Festausschussleiter der Jubiläumsfeierlichkeiten, und Erich Schalmoser, sein früherer Schulkamerad.

Berchtesgaden – Viele Hürden gab es im Laufe des Jahres für Christoph Karbacher und seinen Festausschuss in Berchtesgaden zu überwinden. Mit Erfolg, wie er im Interview bestätigt.

Die Jubiläumsfeierlichkeiten sind erfolgreich über die Bühne gegangen, der Festumzug und die feierliche Illumination des Marktes lockten unzählige Besucher nach Berchtesgaden. Kritik gab es immer wieder, während des Festes habe man sich dann aber die Hand gereicht. „Ich werde mich nun voll und auf ewig auf den Faselsberg zurückziehen“, so Karbacher. Es wird sich zeigen, wie lange er es „da oben“ aushalten wird.

200 Jahre Berchtesgaden bayerisch“ – ein Jahr dauerten die Vorbereitungsmaßnahmen. Dem Außenstehenden fehlt der Einblick. Welche Arbeit steckt hinter einem solchen Jubiläum?

Christoph Karbacher: Ja, sicher eine Menge an Arbeit. Aber mit langjähriger Veranstaltungserfahrung tut man sich schon leichter. Und mit der richtigen Systematik. Man sollte vorgehen wie beim Zeichnen: Nie zu früh ins Detail gehen, zuerst die Proportionen und Hauptelemente. Die Grundideen „Triumphale Kutschenfahrt des Grafen von Preysing“ und die Wiederholung der Illumination vor 200 Jahren standen für mich bereits im Vorfeld fest, die gemeinsame Jubiläumsfeier aller fünf Gemeinden forcierte dann Berchtesgadens Bürgermeister Franz Rasp.

Wenn Sie zurückblicken – wie war die Zusammenarbeit des Festausschusses untereinander, der sich aus Personen aller fünf Gemeinden zusammensetzte? Was wurde gemeinsam erreicht?

Die jeweils zwei Gemeinde-Vertreter waren recht schnell gefunden, dazu holte ich mir ein paar erfahrene Strategen für die anstehenden Sonderaufgaben. Die angesprochene Zusammenarbeit war wirklich einmalig, das gab mir eine unheimliche Motivation mit auf den Weg. Unsere Arbeitstreffen waren zielführend, vertrauensvoll, ideenreich und zu jederzeit fröhlich. Es gab keinerlei Eifersucht oder Argwohn unter den Gemeindevertretern. Wir fanden wirklich sofort das Ziel einer gemeinsamen Jubiläumsfeier. Man spürte: In Wirklichkeit wollen wir uns hier, im Talkessel, doch alle vertragen.

Im Vorfeld gab es immer wieder Kritiker, die – unter anderem – die Organisation anprangerten. Etwa, dass zu wenig Öffentlichkeitsarbeit betrieben worden sei. Haben Sie Ihre Kritiker hinsichtlich der Besuchermassen Lügen gestraft?

Wer sich vorne hinstellt, muss Kritik aushalten. Dem ersten harten Kritiker habe ich übrigens am Sonntagabend die Hand gereicht und er hat mir gestanden, dass er mittlerweile die Ausstellung im Heimatmuseum besucht hat…

Reiner Massenbesuch darf nicht das Ziel sein, dann kommen wir zum Primitivniveau der Fussball-WM-Fanmeilen. Deshalb war ich gerührt über die abendlichen Zuschauer-Reaktionen, etwa bei den Darbietungen der Bischofswieser Weisenbläser. „A feins Gspür hams scho, unsere Beachtsgona“.

Die Illumination galt als großer Höhepunkt des Festsonntages. In der Tat erwies sich diese als Zuschauermagnet. Der Markt Berchtesgaden war so voll mit Menschen wie selten zuvor. Was lässt sich über die Illumination im Nachhinein sagen? Wird es eine Wiederholung geben? Welche Optimierungsmöglichkeiten erkennen Sie?

Der Besuch war großartig. Die Illumination auch. Wir wollten sie so gut machen, dass eine Wiederholung wünschenswert würde. Optimierungsmöglichkeiten sehe ich zuhauf. Jedenfalls muss dann auch ein bundesweit agierendes Kaufhaus einen Sinn in der Unterstützung eines lokalen Jubiläums sehen. Herzlichen Dank übrigens an alle Feuerwehrler. Diskret und zuverlässig in jeder Hinsicht. Zusammen mit ihnen ginge es sicher wieder einmal.

Berchtesgaden zeigt sich runderneuert – ein schickes Hotel, ein neuer Markt, ein gelungenes Jubiläum. 2011 kehrt wieder der Alltag ein. Wie geht es, Ihrer Ansicht nach, weiter?

Das „schicke Hotel“ war, mit kleinen Fehlern, voll dabei. Der neue Markt wird ja nicht erst seit dem Jubiläum prima angenommen. Ja, 2011 kehrt wieder der Alltag ein, aber ich glaube im Gesamtjahr 2010 hat Berchtesgaden sicher neuen Schwung bekommen. Wir sollten deshalb alle ein bisschen zuversichtlicher sein.

Und persönlich? Froh, dass endlich Ruhe eingekehrt ist, oder steht bereits etwas Neues auf dem Plan?

Klar bin ich um die Ruhe froh. Meine Familie erst recht. Ich werde mich nun voll und auf ewig auf den Faselsberg zurückziehen. Unser Jubiläums-Festausschuss wird allerdings weiterhin regelmäßig, und dann nur noch fröhlich, tagen…

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