Der Weg ist das Ziel

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Reisejournalist Matthias Hanke referierte vor großem Publikum im Kongresshaus in Berchtesgaden.

Berchtesgaden - Reisejournalist Matthias Hanke schilderte im Kongresshaus Berchtesgaden seine Erlebnisse auf dem Jakobsweg.

„Hape Kerkeling hat den Hype um den Jakobsweg neu entfacht – zumindest was die deutschen Pilger angeht“, sagt Reisejournalist Matthias Hanke, der in Berchtesgaden Station macht und über seine Erfahrungen berichtet. Im Kongresshaus Berchtesgaden sprach er nun über das, was er selbst auf dem Jakobsweg, auf dem er einen Monat lang marschiert ist, erlebt hat. Verpackt hat er seine Erfahrungen in eindrucksvolle Fotoaufnahmen und Videosequenzen. „Die Gründe, warum man den Jakobsweg geht, sind grundverschieden“, sagt er – und stößt unter den interessierten Anwesenden auf viel Zustimmung.

„Jakobswege gibt es viele in Europa“, sagt Hanke. Das Ziel aber ist immer dasselbe: Santiago de Compostela, eine der heiligen Stätten im Mittelalter, wo sich auch das Grab des Heiligen Jakobus befinden soll. Die meisten Jakobswege treffen in Frankreich aufeinander. Dort beginnt dann auch der berühmteste Teil des Jakobweges. Im Örtchen St. Jean-Pied-de-Port in den Pyrenäen, wo auch Hape Kerkeling aufgebrochen war, um später in Buchform Millionen Leser mit auf seine ganz persönliche Reise zu nehmen. Auch Reisejournalist Hanke ist diesen Weg gegangen, viele Hundert Kilometer lang, vier Wochen am Stück, hin und wieder ließ er einzelne Etappen aus. Hanke ist als Journalist unterwegs gewesen, für die Erweiterung des eigenen Horizonts, aber auch, um jene, die den Jakobsweg aus eigener Überzeugung heraus gehen, zu interviewen. Die Ergebnisse in kurzen, filmischen Beiträgen präsentiert Matthias Hanke in seinem Vortrag, mit dem der Braunschweiger momentan durch ganz Deutschland unterwegs ist und auf viel positive Resonanz trifft. „Dieser Weg fasziniert seit Jahrhunderten“, weiß er.

Diese Faszination sei nie ganz verschwunden. 120.000 Pilger werden in Santiago de Compostela pro Jahr gezählt. Jeder, der mindestens die letzten 100 Kilometer zu Fuß bestreitet, erhält eine urkundliche Auszeichnung. Ein Schriftstück, das beweist, einer zu sein, der den Jakobsweg erfolgreich hinter sich gebracht hat. Zwanzig Prozent der Pilger seien Deutsche, auch trifft man auf viele Südamerikaner – „Spanier und Franzosen bilden den Großteil der Wanderer“, sagt Hanke. Immer wieder ist er während seiner vierwöchigen Erfahrung mit Pilgern zusammengesessen, hat sie interviewt, nach den Motiven gefragt, „über so lange Zeit hinweg spazieren zu gehen.“ Die Antworten seien immerzu unterschiedlich ausgefallen. „Einer geht den Jakobsweg, weil er das Buch von Hape Kerkeling gelesen hat, ein anderer kommt dort zur Ruhe, weil er einen Schicksalsschlag zu verarbeiten hat.“ Bewundernswert findet er den Umstand, dass viele, die auf dem Jakobsweg unterwegs sind, ihr Vorhaben gleich über mehrere Wochen hinweg bestreiten. „Gewöhnlich geht man mal eine Stunde im Wald spazieren“, meint Hanke.

Hier geht man aber Tag für Tag, in der Freizeit, Hunderte von Kilometer.“ Der Jakobsweg sei kein allzu schwerer Weg, auch für Einsteiger, ein landschaftlich sehr abwechslungsreiches Unterfangen. Auf dem Weg begegnet man Städten mit großen Bauwerken, Bergdörfer ziehen an einem vorüber. „Über den Jakobsweg kamen seit jeher Baumeister und Architekten, Bildhauer und Maler nach Nordspanien und hinterließen überall ihre Spuren“, erzählt der Reisende. Landschaften, in denen Kirchen, Klöster und Burgruinen eingebettet sind, wechseln sich mit steilen Passagen ab. „Die Ausblicke, die man von so manchem Ort hat, entschädigen“ für so manche Strapaze. Der Jakobsweg sei oft auch eine Sinnsuche“, erklärt der Reisejournalist. Religiöser Gründe wegen sei im Übrigen nur eine kleine Minderheit unterwegs, weiß Hanke, der einen eigenen Bildband zu seinem mehrwöchigen Fußmarsch herausgegeben hat. Trotzdem: Santiago de Compostela übt eine einmalige Faszination auf die Menschen aus. „Viele wollen dort einmal gewesen sein.“ Ein Großteil der Pilger ist zu Fuß unterwegs – „etwa drei von vier Leuten“, sagt Hanke.

Ein Drittel bestreite den Jakobsweg mit dem Fahrrad, was erlaubt ist. 300 Menschen reiten auf Eseln oder Pferden dem Ziel entgegen und etwa zwölf Menschen pro Jahr versuchen ihr Glück mit dem Rollstuhl und kommen in Santiago de Compostela an. Mit dem echten Pilgern hat die Fahrrad-Tour zwar nichts mehr zu tun. „Viele wollen es aber einfach einmal probieren.“ Auf einem Zweirad erhofft man sich, die Anstrengung so gering wie möglich zu halten. Der moderne Mensch sei heutzutage häufig und viel unterwegs, so Hanke. Wie – das entscheidet er jedes Mal aufs Neue selbst.

kp

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