Warten für die Volkshochschule

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Warten für die Volkshochschule: Bis zu eineinhalb Stunden musste man Anfang der Woche im Rathaus Berchtesgaden anstehen, um sich für seinen Wunschkurs einzutragen.

Berchtesgaden - Seit den frühen Morgenstunden stehen schon die Ersten VHS-Teilnehmer vor dem Rathaus Berchtesgaden, um sich für einen Kurs einzutragen.

Erst einmal ist Warten angesagt. Langes Warten. Im Rathaus Berchtesgaden hat sich eine Schlange gebildet, die bis zum hölzernen Portal reicht. Von Zimmer 6, dort wo alle hinwollen, bis zum Eingang in das Gemeindehaus. Draußen fällt Schnee, viel Schnee, es ist kalt. Seit halb sieben stehen die Ersten hier, erzählt eine Dame, selbst Wartende und darauf aus, sich am heutigen Vormittag in einen Volkshochschulkurs eintragen zu lassen.

Die Chancen stehen nicht schlecht, aber die Reihe vor der Dame ist anständig lang. Jeder, der sich für einen der vielen Volkshochschulkurse einschreiben möchte, wird einzeln in das Zimmer 6 gebeten, das VHS-Zimmer, in dem eine Dame sitzt, viele Zettel vor sich, einen Karteikasten, Wechselgeld. Die Dame wird im Laufe des heutigen Tages, an dem der Anmeldebeginn für die Frühjahrskurse der Volkshochschule Berchtesgaden ist, viele Menschen glücklich machen. Vor allem Damen, die meisten sind gekommen, um sich in sportlicher Hinsicht kundig zu machen, eintragen zu lassen - Aqua-Training, Pilates, Bauch, Beine, Po. „An meinem freien Tag wollte ich einen sportlichen Ausgleich“, sagt eine junge Frau im Nachhinein.

Ein Herr betritt das Rathaus, er sieht die lange Schlange, die Wartenden, „oh, mein Gott“, sagt er, auf der Stelle macht er kehrt, wird aber von einer Dame zurückgerufen: „Wenn Sie nicht zum Sport wollen, sondern in einen anderen Kurs, müssen Sie in das Zimmer 5“. Der Herr lacht, „na dann“, er eilt den Gang entlang, vor Zimmer 5 stehen nur wenige Leute, nicht der Rede wert, die Wartezeit ist überschaubar. Währenddessen geht der zeitliche Marathon vor Zimmer 6 weiter, langsam aber stetig lichtet sich die Reihe, zwei Damen haben aufgegeben, sind wieder gegangen. Vielleicht versuchen sie es an einem anderen Tag, die Chance, in einen Sportkurs zu kommen, ist dann zwar geringer. Die Wartezeit aber auch. Das Kleinkind, das in einem Maxicosi mit seiner Mama unterwegs ist, ist geduldig, es lacht, ein bisschen Quengeln, „gleich ist die Mama an der Reihe“. Nach und nach rutschen die Damen, vom Jugend- bis ins Rentenalter ist alles vertreten, nach, der vorgewärmte Sitzplatz des „Nebenmannes“ wird im Minutentakt gewechselt. Schleppend nähert man sich dem eigentlichen Ziel, Zimmer 6. Das Geld ist gezückt, gezahlt wird vor Ort, im VHS- Zimmer. „Welchen Kurs wollen Sie denn besuchen“, fragt die freundliche Dame. „Dann füllen Sie hier mal den Zettel aus“. 46 Euro, bitte. Wäre man mit einem Anmeldeverfahren über den Online-Weg nicht besser beraten? „Nein“, entgegnet die Dame. „Die Kosten wären zu hoch“. Diese Rechnung sei bereits gemacht worden. Im Übrigen gebe es auch Vormeldekärtchen. Diese würden zwar erst am Nachmittag berücksichtigt, „95 Prozent aller Vormeldungen kommen in der Regel aber dran“, sagt die Dame. Also ist die Warterei doch unbegründeter Stress? „Was soll ich machen“, fragt eine in der Schlange Stehende, „wenn ich dann zu eben jenen anderen fünf Prozent gehöre?“. Eine Antwort bleibt aus. Das Warten geht weiter…

Kilian Pfeiffer

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