Vertrauen liegt in der Region

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Dieter Schönwälder appelliert: „Wer Topqualität will, muss auch den entsprechenden Preis zahlen“.

Berchtesgaden/Schönau am Königssee – „Die Vertrauensbasis der Kunden ist angeschlagen“, sagt Dieter Schönwälder vom Rewe-Markt in Schönau am Königssee, der sich angesichts der vielen Horror-Meldungen der letzten Zeit („Dioxin in Lebensmitteln“) erschrocken zeigt.

In der Vergangenheit hatte es zwar immer wieder Lebensmittelskandale gegeben, endgültig sei das Ausmaß aber noch nicht absehbar. In Eiern, Geflügel- und Schweinefleisch wurden bislang Dioxin-Spuren gefunden – „die Verbraucher orientieren sich momentan ganz klar an regionalen Produkten“, sagt Schönwälder und auch Franz Gollinger vom Edeka-Markt im Nonntal bestätigt den Trend: „Bei unserem Eier-Lieferanten muss man sich keine Sorgen machen. Er baut das Futtermittel selbst an“.

„Ich war erschüttert“, sagt Dieter Schönwälder, als er vom Futtermittelskandal erfuhr, bei dem in einem Betrieb über Wochen hinweg Fette zur Herstellung von Tierfutter mit technischen Fetten vermischt wurden, die eigentlich zur Papierherstellung verwendet werden. Die Kontrollen in Deutschland seien hervorragend, in der Vergangenheit habe man viele Gesetze überdacht, neue Richtlinien entworfen. Hinsichtlich qualitativer Standards sei man in der Bundesrepublik sensibilisiert. Und dennoch passieren derartige Skandale, „eine Firma schert aus und bringt die ganze Branche in Verruf“, sagt er. Wie so etwas geschehen könne, wisse Schönwälder nicht, für den Verbraucher und dessen Vertrauen sei die Situation aber alles andere als förderlich.

Heimische Produkte – ob Ei oder Fleisch - verkauften sich derzeit besser, so die die einhellige Meinung der befragten Lebensmittelhändler.

„Spürbar ist, dass die regionalen Produkte deutlich besser gekauft werden, als zuvor“, sagt Schönwälder und auch Franz Gollinger bestätigt den Trend – vor allem beim Abverkauf von Eiern aus der Region könne er Zuwächse verzeichnen, sagt er. „Alles, was aus der Region kommt, dem haftet der Vertrauensbonus an“, weiß der Rewe-Geschäftsführer. Die Menschen verließen sich derzeit ganz besonders auf den regionalen Aspekt und auch „ich verlasse mich in dieser Hinsicht auf meine Lieferanten“. So gebe es das Siegel „Region aktiv“, das kleinere Produzenten aus der Region für sich in Anspruch nehmen können, wenn sie gewisse Richtlinien beachten und Prüfungen durchlaufen. „Da kann man sich sicher sein, dass alles in Ordnung ist“, sagt Schönwälder.

Warum regionale Produkte auf so viel Resonanz stoßen

„Mit dem kleinen Einzelhändler vor Ort identifiziert man sich heutzutage viel mehr, als mit dem Discounter“. Viel greifbarer sei dieser, wenn etwas nicht stimme, könne man direkt nachfragen, sich gar kundig machen wo besagter Hühnerhof, von welchem die Eier stammen, eigentlich zu finden ist, diesem im äußersten Fall sogar einen Besuch abstatten, um sich persönlich überzeugen zu können.

Dass der Skandal für die gesamte Branche eine Katastrophe darstellt, darüber ist sich Dieter Schönwälder im Klaren: „Die Lebensmittelindustrie werde immer sensibler, enttäuschtes Vertrauen zurückzugewinnen, ist eine Aufgabe, die nicht immer einfach ist“. Informationsbroschüren, persönliche Gespräche, Aufklärungsarbeit – diese Dinge seien nun wesentlich im Hinblick auf den Kunden. Franz Gollinger vom Edeka-Laden im Nonntal sagt, dass man sich bei regionalen Produkten, bei welchen auch sichergestellt ist, wo das Futtermittel herkommt, gewiss sein kann, nichts Schlechtes zu kaufen.

Aber auch in Richtung Verbraucherverhalten appelliert Schönwälder. In den letzten Jahren seien Lebensmittel immer günstiger geworden, der Kunde habe aber eine immer besser werdende Qualität verlangt. Nicht immer sei das zu erfüllen, wie man nun am aktuellen Dioxin-Skandal erkennen könne: „Da muss man die Kirche dann auch im Dorf lassen“. Wer Topqualität verlange, müsse auch den entsprechenden Preis dafür bezahlen, ist sich Schönwälder sicher. Wenn Erdbeeren im Winter billiger seien als im Sommer, zu jener Jahreszeit also, wo die rote Frucht eigentlich Hochkonjunktur hat, „muss man sich schon fragen, was da schief läuft“. Im Folgenden gelte es, das Vertrauen der Kundschaft aufzubauen und umzudenken. Bislang wurde damit noch jeder Skandal überwunden.

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