„Unser Augenmerk muss den Schwachen gelten“

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Der neue Diözesan- und Landespräses des Kolpingwerkes Bayern, Christoph Huber.

Berchtesgaden – Die Kolpingfamilie Berchtesgaden hat kürzlich ihr 150-jähriges Jubiläum gefeiert. Mit dabei war auch der neue Diözesan- und Landespräses des Kolpingwerkes Bayern, Christoph Huber.

In seiner neuen Rolle repräsentiert er die Kolping-Familie nach außen und ist der Auffassung, dass auch in Zukunft an vielen Stellen konkrete Hilfe benötigt werde.

Herr Huber, Sie sind der neue Diözesan- und Landespräses des Kolpingwerkes Bayern. Was ist Ihr grundsätzliches Aufgabengebiet?

Landespräses Christoph Huber: Kurz gesagt: Inhaltliche Orientierung nach innen und Repräsentation nach außen. Als Präses ist es also meine Aufgabe, den Geist Adolph Kolpings als christlichen Geist im Verband immer wieder neu zu verlebendigen und den Mitgliedern des Verbandes das christliche Gedankengut immer wieder zu erschließen. Etwa durch geistliche Worte, durch Feiern von Gottesdiensten oder auch durch die Hinterfragung von dem, was getan wird. Und nach außen gilt es, im Kontakt mit politischen Mandatsträgern, die christliche Verantwortung anzumahnen. Unser Augenmerk muss den Schwachen gelten, vor allem den Jugendlichen in ihrer Arbeitssituation, auch, um darauf hinzuweisen, was Kolping in der Ausbildung von Jugendlichen tut. Darüber hinaus bieten wir Hilfestellung im Leben, Gemeinschaft und Solidarität.

Die Kolpingfamilie Berchtesgaden feierte kürzlich ihr 150-jähriges Jubiläum. Sie kann auf eine lange Geschichte zurückblicken. Was zeichnet die Berchtesgadener Kolpingfamilie aus?

Die Berchtesgadener Kolpingfamilie zeichnet die Treue aus, die ein 150-jähriges Jubiläum darstellt. Dass sich im Laufe von 150 Jahren immer Menschen gefunden haben, die der Idee Adolph Kolpings nachgehen. Zunächst Handwerksgesellen und später auch andere in der Gemeinschaft am Ort, in Bildung und Geselligkeit, die ihren christlichen Glauben konkret werden lassen. Und es zeichnet sie aus, dass sie zupackende Menschen sind, die mit großem Eifer vor allem Missionare, aber auch Menschen und Einrichtungen in unmittelbarer Umgebung mit beachtenswerten Erlösen materiell unterstützt haben.

Hat der Kolping-Gedanke in seiner ursprünglichen Form auch weiterhin Bestand? Ist eine Anpassung an die Zeichen der Zeit notwendig?

Anpassung ist immer notwendig, oder besser gesagt Konkretisierung. Noch genauer: die Umsetzung ist notwendig. Der Kolping-Gedanke: Menschen durch Bildung die Möglichkeit zu erleichtern, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen und ihnen in der Gemeinschaft christlichen Glauben erlebbar zu machen, ist so weit vorangeschritten, dass er seine Aktualität über alle Zeit hin behält.

Mit welchen Aufgaben sieht man sich in Zukunft konfrontiert?

Eigentlich mit allen drei Lebensphasen: Der Situation von Familien, die immer schwieriger wird in einer Zeit, in der Bindungen leicht zerbrechen. Der Situation von Jugendlichen, die sich in einer immer komplizierter werdenden Arbeitswelt zurechtfinden müssen und der Situation von alten Menschen in unserer Gesellschaft, die vermittelt bekommen, dass sie eine Last seien. Alle drei Gruppen brauchen Ermutigung und Hilfe und Zusammenhalt, damit sie ihre Aufgaben bestehen können, denn alle drei sind wichtig und haben der Gesellschaft das ihre zu geben.

Ein paar Worte noch über Adolph Kolping, den Gründer des Kolpingwerkes.

Er war ein ruheloser Arbeiter für die Sache, mit der Erkenntnis, dass nicht das Kapital über den Menschen herrschen darf, sondern dass die Arbeit zur Erhaltung und Erfüllung des Menschen beitragen soll und dass Ausbeutung und unmenschliche Behandlung vor allem in der Arbeit ein Verstoß gegen die Ordnung Gottes ist. Der Mensch müsse sich in seiner Arbeit als Teil des Schöpfungsplanes Gottes sehen können, erst dann werde Arbeit menschlich - und er muss sich und seine Familie davon anständig ernähren können. Dieser Einsatz ist leider noch nicht überflüssig geworden. Adolph Kolping sprach direkt, ohne Rücksicht auf irgendwen, so dass auch die einfachen Leute ihn verstanden. Kolping war sehr politisch und zugleich ein tieffrommer Mann.

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