„Unendliche Kosten, unendlicher Aufwand“

Schönau am Königssee - Der Felssturz am Königssee wirft einige Fragen auf. Ewald Langenscheidt, der derzeit an einem geologischen Gutachten zum Vorfall feilt, beantwortete uns die Wichtigsten:

Geologe Ewald Langenscheidt, der vom Nationalpark Berchtesgaden beauftragt wurde, war vor Ort, um die Lage zu inspizieren. Derzeit feilt er an einem Gutachten, das in etwa zwei Wochen fertiggestellt sein soll.

Was ist am Königssee passiert?

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Ewald Langenscheidt: Dort findet man eine Störung in der Wand, im Gebirgsbau, die alles andere als homogen ist. Große Gesteinsbereiche sind gegeneinander versetzt. Aufgelockerte Gesteinspartien sind dann in einem natürlichen Vorgang die steile Wand auf einer Breite von 50 bis 60 Metern nach unten gestürzt. Die Zahl von 100 Metern, die durch die Medien kreiste, stimmt nicht. Das kann im Übrigen immer und zu jeder Zeit wieder passieren. Da darf man sich nichts vormachen. Gut möglich, dass hunderte Jahre nichts passiert. Wenn sich dann was ereignet, ist der Aufschrei groß.

Felssturz am Königssee

Warum dann ein Gutachten, wenn doch sowieso immer was passieren kann?

Langenscheidt: Das Gutachten bezieht sich alleine auf das Ereignis von vor ein paar Tagen. Dort wird nun geprüft, ob das Ereignis weitere Gefahren nach sich ziehen kann. Etwa, ob erst die Hälfte nach unten gekommen ist und eine weitere Geröllhälfte noch irgendwo oben im Fels wartet. Das soll das Gutachten klären. Ein Restrisiko bleibt aber bestehen. Selbstverständlich wird von der dortigen Störung im Gebirgsbau auch weiterhin eine Gefahr für den Weg ausgehen. Darüber muss man sich im Klaren sein.

Könnte das Gutachten zum Ergebnis haben, dass der Weg dauerhaft gesperrt wird?

Langenscheidt: Denkbar ja. Das halte ich aber für unwahrscheinlich. Gewisse behebbare Restrisiken wurden und werden im Zuge der Aufräumarbeiten zwar beseitigt. Im Gebirge gibt es aber keinen Status quo. Dort tut sich immer etwas. Etwa herrscht im Mühlsturzgraben seit 1999 relative Ruhe. Aber das heißt in der Geologie gar nichts.

Kann man Vorkehrungen treffen, um derartige Ereignisse zu vermeiden?

Langenscheidt: Technisch machbar wäre alles. Allerdings wäre das mit unendlichen Kosten und einem unendlichen Aufwand verbunden. Jeder, der etwa die Saugasse nach oben geht, muss wissen, dass er dort auf Geröll läuft. Das ist auch irgendwann einmal dorthin gekommen. Man sollte sich im Klaren sein, dass das Gebirge nicht gerade mit der Lüneburger Heide zu vergleichen ist.

kp

Rubriklistenbild: © Werner Zeiler

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