+++ Eilmeldung +++

Polizei warnt: Münchner sollen in Häusern bleiben

Täter greift mit Messer mehrere Menschen an - Mann flüchtig

Täter greift mit Messer mehrere Menschen an - Mann flüchtig

Triembachereck: Auferstanden aus Ruinen

+
Das Triembachereck erstrahlt im neuen Glanz.

Berchtesgaden - Das Triembachereck ist wie ein Phoenix aus der Asche auferstanden. Das historische Gebäude wurde nach Einsturz wiederaufgebaut.

Lesen Sie auch:

Neuer Brunnen am Berchtesgadener Markt

Triembachereck endlich fertiggestellt

Das Bedauern unter der Berchtesgadener Bevölkerung war groß, als im vergangenen Mai das historische Triembachereck abgerissen werden musste. Das unter Denkmalschutz stehende Gebäude, das zu diesem Zeitpunkt saniert wurde, war auf einer Fläche von 20 Quadratmetern eingestürzt. Marodes Mauerwerk, so hieß es. Sechs Monate später ist das Haus, das auf eine 400-jährige Vergangenheit zurückblickt, wieder neu aufgebaut und seit vergangenem Wochenende wieder bezogen. Berchtesgadens Bürgermeister Franz Rasp zeigt sich mit dem Ergebnis sehr zufrieden.

„Die Fassade erinnert an das ehemalige Triembacher-Haus zurück.“ Darauf – und auf die Farbgestaltung - habe der Markt besonderen Wert gelegt. Indes hat das über Jahrhunderte als beliebter Treffpunkt geführte Gasthaus nun nichts mehr mit seiner vergangenen Nutzung gleich. Die Hoteliersfamilie Hettegger hat das Bauwerk in den Edelweiss-Hotelbetrieb eingegliedert. Sechs spezielle Feng Shui-Zimmer sind entstanden, darüber hinaus Geschäftsräume und ein Lagerbereich für die Berchtesgadener Advents GmbH.

Die Ruine des Triembacherecks.

Prägenden Einfluss über Jahrhunderte hatte das Bauwerk auf den Ort und seine Bevölkerung. In den Urkunden wird es bereits Mitte des 17. Jahrhunderts als Bierzapferei erwähnt. 1724 wurde dem damaligen Wirt Wolf Scheibenstock die Weinausschankkonzession zugesprochen sowie die „Tafernengerechtsame“. Das Wirtshaus ging 1729 dann in den Besitz des Ramsauers Wolfgang Hinterseer über.

Die Jahre zogen ins Land, das Triembacher wechselte die Besitzer in regelmäßigen Abständen. Ende des 19. Jahrhunderts befand es sich im Familienbesitz von Zollmann Rudolf Kriss und dessen Ehefrau Maria. Auch während des vergangenen Jahrhunderts wechselten die Pächter regelmäßig, das Lokal war aber immerzu gut frequentiert. Mit der Gastwirtschaft verbunden war in dieser Zeit auch die angeschlossene Metzgerei. So war es nicht weiter verwunderlich, dass die letzten drei Wirte gleichzeitig auch den Beruf des Metzgermeisters ausübten. Seit Ende 1970 führten das Triembacher die Eheleute Georg und Irmgard Hinterwimmer.

Bis in das Jahr 2000. Im Januar wurde geschlossen, seitdem stand das Gebäude leer. Die letzten zehn Jahre war das Schicksal des Triembacherecks so gut wie besiegelt. Der Zahn der Zeit hatte an ihm genagt. Bis auf die Tatsache, dass das Gebäude eine bewegte, jahrhundertelange Vergangenheit hinter sich hatte, war von einstigem Glanz nicht mehr viel zu sehen. Die Finanzwelt hatte vor über zehn Jahren ein Auge auf das Triembachereck geworfen, wollte dort mit einer Filiale einziehen.

Unter der Bedingung, dass das Haus abgerissen und neu aufgebaut würde. Mit den historischen Gegebenheiten im Inneren des Gebäudes konnten die Banker nichts anfangen. Der Plan war, das „markante Eckhaus“, das seit vier Jahrhunderten ein prägender Teil des Berchtesgadener Ortsbildes war und am unteren Markteingang zu finden ist, höher zu gestalten. Nach langer Diskussion hatte sogar der Berchtesgadener Gemeinderat grünes Licht gegeben, die Entscheidungen seien nicht leicht gefällt worden.

Bilder vom Triembachereck

Dennoch stand schon bald fest, dass einem Abriss mit anschließendem Neubau, der an das ursprüngliche Gebäude hätte erinnern sollen, nichts im Wege stand. Das Vorhaben wurde auch vom Denkmalamt geduldet. Dass man sich zu einem Abriss durchgerungen hatte, war der Tatsache geschuldet, dass man die Volksbank Raiffeisenbank Berchtesgadener Land als Gewerbezahler im Ort halten wollte. „Die Volksbank ist für uns eine wichtige infrastrukturelle Einrichtung, die wir unbedingt hier halten sollten“, so der damalige Marktbürgermeister Rudolf Schaupp. Im Gremium gab es bei der damaligen Abstimmung schließlich nur eine Gegenstimme: die von Dr. Bartl Wimmer (Die Grünen). Von ihrem Vorhaben rückte die Bank dann aber wieder ab, das Gebäude stand weiterhin leer.

Ein Feng-Shui Zimmer im Hotel im Triembachereck.

Feuchtigkeit nistete sich im Gemäuer ein. „Klassische Baumängel - das tat dem Gebäude nicht gut“, sagte Franz Rasp im Mai dieses Jahres, nachdem das Triembachereck eingestürzt war. Die noch stehenden Fassadenteile mussten nach Abklärung mit dem Landratsamt Berchtesgadener Land abgerissen werden. Während Sanierungsmaßnahmen, bei denen das Bauwerk entkernt und mit der Originalfassade erhalten hätte werden sollen, war hinter einem Gerüst ein großflächiges Mauerstück in den Baukörper gestürzt.

Hotelier und Bauherr Peter Hettegger, der das Hotel Edelweiss mit der Sanierung erweitern lassen wollte, zeigte sich gegenüber der Heimatzeitung bestürzt: „Wir können von Glück reden, dass keine Personen zu Schaden gekommen sind.“ Die Fassade sei „sehr porös“ gewesen, sagte Hettegger. Und weiter: „Wir haben damit nicht gerechnet, dass die Fassade einstürzen könnte.“ Im Internet kursierten die wildesten Spekulationen: „Mir gefällt das, wie der Hettegger unsere deutschen überladenen und überheblichen Ämter, wie etwa den Denkmalschutz, austrickst.“ Auf facebook äußerte sich ein Nutzer so: „Ich bezweifle, dass dies [der Gebäudeeinsturz; d. Red.] durch natürliche Umstände passiert ist.“

Unterkriegen ließ sich der Bauherr aber nicht und schon wenige Tage nach dem Einsturz ging es mit den Aufräumarbeiten los. Jetzt, nachdem der Denkmalschutz von einem auf den anderen Tag erloschen war, konnte das Gebäude ohne die zuvor ausgesprochenen baulichen Auflagen errichtet werden. Die Fassade des neuen Triembacherecks sollte ebenso wie die Farbgestaltung an das ursprüngliche Bauwerk erinnern.

Der Bauherr stimmte zu – und so wurde in nur wenigen Monaten das Eckhaus wiedererrichtet. Thomas Hettegger sagt, dass dies nur möglich war, weil die Zusammenarbeit zwischen Bauleitung und den beteiligten Firmen so reibungslos verlaufen sei. Das Triembacher-Haus wurde direkt an das Hotel Edelweiß angeschlossen. Sechs Feng-Shui-Zimmer wurden eingerichtet, drei Stockwerke belegt Engelbert Aigner, der mit seinem Lederhosen- und Trachtengeschäft am vergangenen Wochenende seine Geschäftsräume bezog.

Ein kleiner Teil des Hauses wird an die Agentur Teamwörk verpachtet, im Untergeschoss befinden sich Räumlichkeiten für die Lagerung der hölzernen Advents-Figuren, die während des Berchtesgadener Advents im Marktbereich aufgestellt werden. Bürgermeister Rasp ist mit dem neuen Triembachereck sehr zufrieden. Auf Anfrage sagte er: „Es schaut richtig gut aus.“ Er bezeichnet es als „markanten Eckpfeiler der Berchtesgadener Fußgängerzone.“

Keine Aussagen zum Neubau gab es von der Unteren Denkmalschutzbehörde des Landratsamtes Berchtesgadener Land. Und auch der Kreisheimatpfleger des Berchtesgadener Landes, Johannes Schöbinger, wollte sich nicht zum Thema äußern. Ein wiederaufgebautes Haus ist immer höchstens eine Kopie. Vielleicht deshalb.

kp

Zurück zur Übersicht: Region Berchtesgaden

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser