Bob-Pilotin fordert eine Million Euro

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Russischer Herrenbob kurz nach dem Start.
  • schließen

Traunstein - Am Landgericht wird heute der Schadensersatzprozess um den Bob-Unfall vom 29. November 2009 fortgesetzt. Eine russische Pilotin fordert Schmerzensgeld.

Die heute 24-jährige Irina S. fordert vom damaligen Startleiter, einem 64 Jahre alten Sportfunktionär aus Schönau am Königssee, sowie von den beiden Verbänden - dem Internationalen Bobverband FIBT als Veranstalter und dem Deutschen Bob- und Schlittenverband für Deutschland BSD als Ausrichter des entsprechenden Juniorinnen-Europa-Cup-Rennens 2009 - Schadensersatz beziehungsweise Schmerzensgeld in Höhe von mindestens einer Million Euro.

Über 40 Operationen bis heute

Heute steht die Beweisaufnahme auf dem Programm im Landgericht. Die Bob-Anschieberin Irina S. überlebte den Unfall nur ganz knapp: Offene Knochenbrüche, massive innere Verletzungen, die Russin lag sieben Monate (bis 13. Januar 2010) im künstlichen Koma, musste mehrere Notoperationen über sich ergehen lassen. Es folgten viele weitere Eingriffe, rund 40 bis heute, monatelange Klinikaufenthalte und umfangreiche Reha-Maßnahmen. Ihren Sport konnte Irina S. nie wieder ausüben. Zwischenzeitlich drohte die Amputation des rechten Beins.

Beim Zusammenstoß zweier zeitgleich im Eiskanal fahrender Bobs wurde Irina S. am Nachmittag des 29. November 2009 von einer abgerissenen Kufe im Beckenbereich getroffen. Ein russischer Herrenbob bekam am höher gelegenen Start grünes Licht und fuhr los. Die Ampel für die beiden Bob-Damen am S1-Start (diesen nutzen unerfahrene Teams für Training und Tests) stand zu diesem Zeitpunkt auf Rot. Dennoch ließ der Starter, Jury-Präsident und Europa-Cup-Koordinator der FIBT, die Russinnen ebenfalls losfahren.

Vergleichsverhandlungen scheiterten

Russischer Zweierbob im Königsseer Kreisel.

In der "Echowand", der damals noch nicht entschärften Königsseer Zielkurve, kippte der Schlitten der Damen und rutschte seitlich, immer langsamer werdend, weiter. Kurz vor dem Ziel krachte schließlich der Herren-Bob mit Höchstgeschwindigkeit in den Schlitten der Damen. Die Pilotin und auch die beiden Männer kamen mit leichten Verletzungen davon, während Irina S. weit weniger Glück hatte.  

Die Vergleichsverhandlungen zwischen den Versicherungen der beiden Verbände waren gescheitert. Darum wird der Rechtsstreit nun fortgesetzt. Er kann Jahre dauern, unterstrich der Vorsitzende Richter Helmut Engelhardt während des Prozessauftaktes im Oktober 2012 - er hatte die Vergleichsverhandlungen angeregt. 

Geringe Schuld

Der Strafprozess gegen den Startleiter wurde wegen "geringer Schuld" und einer Zahlung von 20.000 Euro eingestellt. Sie sprachen dem 64-Jährigen "keine alleinige Schuld" an dem Unglück zu. Insgesamt hätte der Europacub-Bewerb besser koordiniert werden können, so das Gericht. Irina S. sind durch Klinikaufenthalte, Reha-Maßnahmen und nicht zuletzt durch die bereits stattgefundenen Prozesse erhebliche Kosten entstanden, die sie nun zurückfordert.

Hans-Joachim Bittner

Zurück zur Übersicht: Region Berchtesgaden

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser