Seniorenpolitisches Gesamtkonzept

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+

Berchtesgaden - Nach fast einjähriger Arbeit konnte das fertig gestellte seniorenpolitische Gesamtkonzept für den Landkreis vorgestellt werden.

Dieses Konzept wurde für den Landkreis von der „Arbeitsgemeinschaft Sozialplanung in Bayern“ in Zusammenarbeit mit dem Landratsamt erarbeitet, nachdem einerseits der Planungszeitraum für die im Jahre 2000 erstellte Pflegebedarfsplanung endete und darüber hinaus mit der Änderung des Gesetzes zur Ausführung der Sozialgesetzbücher die erforderliche Pflegebedarfsplanung zu einem Bestandteil eines integrativen seniorenpolitischen Gesamtkonzeptes wurde.

Das nunmehr vorliegende integrative, regionale Seniorenpolitische Gesamtkonzept wurde insbesondere auf der Grundlage der Analyse der demographischen Entwicklung und einer Bevölkerungsprognose im Landkreis Berchtesgadener Land, einer umfänglichen Bestandserhebung der – auch offenen – Angebote der Seniorenarbeit im Landkreis, einer Befragung der kreisangehörigen Städte, Märkte und Gemeinden und einer umfangreichen schriftlichen Befragung der älteren Landkreisbewohnerinnen und –bewohner erstellt. Außerdem wirkten bei der Erarbeitung viele in der Seniorenarbeit tätige Experten in einem Begleitausschuss und in einem großen Workshop mit.

Mit dem Konzept wurde für den Landkreis ein Rahmen geschaffen, der unter Einbeziehung der vorhandenen Angebote und Strukturen seniorenpolitische Handlungsfelder aufzeigt, die vom Landkreis – aber auch von den kreisangehörigen Städten, Märkten und Gemeinden – aufgegriffen und soweit möglich umgesetzt werden sollen.

Ziel soll es dabei sein, die Lebensbedingungen für Seniorinnen und Senioren im Landkreis so zu gestalten, dass sie deren Bedürfnissen und Wünschen entsprechen, insbesondere wenn sie dort wohnen bleiben wollen, wo sie bisher auch gewohnt haben. Damit soll dem Grundsatz „ambulant vor stationär“ Rechnung getragen und der immer älter werdenden Bevölkerung möglichst lange ein selbst bestimmtes und eigenverantwortliches Leben in den eigenen vier Wänden ermöglicht werden.

Nach der mit der Erstellung des Konzeptes durchgeführten Bevölkerungs-prognose entsprechen zwar die aktuellen Geburtenraten im Landkreis mit 1,31 je Frau fast dem bayerischen Vergleichswert (1,35), jedoch wird damit der für eine stabil bleibende Bevölkerungszahl notwendige Wert von ca. 2,1 Kindern je Frau bei weitem nicht erreicht. Das bedeutet, dass ein Anwachsen der Bevölkerung im Landkreis Berchtesgadener Land nur durch starke Zuwanderungen erreicht werden kann. Da diese Zuwanderungen aber nicht in dem hierfür erforderlichen Maß erfolgen, muss in der Zukunft mit einem Rückgang der Bevölkerungszahl im Landkreis gerechnet werden.

Als Folge dieser Entwicklung ist ein kontinuierliches Anwachsen der Anzahl der über 60-jährigen von gegenwärtig etwa 29,7 auf etwa 32,6 % Anfang 2020 zu erwarten. Bis Anfang der 30er Jahre wird dieser Anteil weiter ansteigen und bereits Mitte der Zwanziger Jahre wird mehr als jeder dritte Einwohner (35,9 %) im Landkreis Berchtesgadener Land älter als 60 Jahre sein.

Damit wird die Notwendigkeit deutlich, dieser bevorstehenden Entwicklung aktiv zu begegnen und notwendige Weichenstellungen frühzeitig vorzunehmen. Besonders wichtig ist dabei, die Bedürfnisse und Wünsche der älteren Generation zu berücksichtigen. Diese Bedürfnisse und Wünsche wurden im Rahmen der Erhebungen rund um das Konzept in einer Bürgerbefragung abgefragt und in das Konzept eingearbeitet.

Das Konzept begegnet dieser Entwicklung mit elf Handlungsfeldern und gibt dazu entsprechende Maßnahmeempfehlungen. Diese Handlungsfelder reichen von der integrierten Orts- und Entwicklungsplanung bis hin zur Hospiz und Palliativversorgung.

Besonders hervorzuheben ist das Handlungsfeld „Betreuung und Pflege“, das in einem eigenen Band „Pflege und Pflegebedarfsplanung“ aufgearbeitet wurde.

Bei der Betreuung und Pflege handelt es sich um zentrale Bereiche, wenn es um die Versorgung älterer Bürgerinnen und Bürger geht. Standen früher vor allem die stationären Pflegeeinrichtungen im Mittelpunkt einer Pflegebedarfsplanung, so hat sich dies inzwischen hin zur ambulanten Versorgung geändert. Die ausreichende und angemessene Versorgung mit Ambulanten Diensten ist eine unabdingbare Voraussetzung dafür, dass dem sowohl vom Gesetzgeber als auch von der ganz überwiegenden Mehrheit der betroffenen Seniorinnen und Senioren gewünschten möglichst lagen Verbleib in der eigenen Wohnung und im heimischen Umfeld Rechnung getragen werden kann. Dabei dürfen aber die Entlastungsmöglichkeiten der pflegenden Angehörigen durch Tages- und Kurzzeitpflegeeinrichtungen aber auch die angemessene Versorgung mit stationären Pflegeplätzen für diejenigen, die zu Hause nicht mehr gepflegt werden können, nicht aus den Augen gelassen werden. Zielsetzung ist es daher in diesem Handlungsfeld vor allem, die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dem Grundsatz „Ambulant vor Stationär“ stärkeres Gewicht zukommen zu lassen.

Das Konzept kommt hinsichtlich der Betreuung und Pflege zu dem Ergebnis, dass ein guter Teil der zunehmenden Zahl pflegebedürftiger Personen durch eine konsequente Weiterentwicklung der Angebote im ambulanten Bereich, aber auch der Entlastungsangebote für pflegende Angehörige, zu Hause wohnen bleiben kann. In Anbetracht der Zunahme der Empfänger/innen von Pflege- und Betreuungsleistungen und dem bereits heute bestehenden akuten Mangel an Pflegepersonal wird aber auch auf die Notwendigkeit der Rekrutierung und Ausbildung von Altenpflege- und Betreuungspersonal hingewiesen.

Weiters ist das Handlungsfeld „Bürgerschaftliches Engagement von und für Seniorinnen und Senioren“ herauszuheben.

Bürgerinnen und Bürger, die sich ehrenamtlich für Ältere engagieren, leisten einen enorm wichtigen Beitrag zur Aufrechterhaltung von sozialen, kulturellen und gesundheitsorientierten Angeboten in den Gemeinden des Landkreises. Ebenso bietet ein ehrenamtliches oder freiwilliges Engagement älteren Menschen eine Möglichkeit zur gesellschaftlichen Teilhabe, die Chance selber aktiv zu sein, andere Menschen zu treffen, neue Kontakte zu knüpfen und Wertschätzung von anderen zu erfahren. Im Landkreis ist bürgerschaftliches Engagement ein wesentlicher Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens. Viele Menschen wollen sich ehrenamtlich betätigen, sei es privat oder sei es in einer der zahlreichen Einrichtungen. Gerade in diesem Bereich sieht das Konzept aber noch Intensivierungsbedarf zum Beispiel in der Öffentlichkeitsarbeit oder durch Schaffung einer Anerkennungskultur für bürgerschaftlich Engagierte.

Das Handlungsfeld „Wohnen im Alter“ soll ebenfalls noch genannt werden.

„Wohnen im Alter“ verbinden viele mit Wohnen im Heim. Tatsächlich leben nur sieben Prozent der älteren Menschen in speziell für das Alter geschaffenen Wohnformen. Die häufigste Wohnform im Alter ist nach wie vor die normale Wohnung. Auch für die, die auf Hilfe zur Pflege angewiesen sind. Auch im Landkreis Berchtesgadener Land werden ca. zwei Drittel aller pflegebedürftigen Personen zu Hause versorgt. Doch von altersgerechtem Wohnen kann dabei oft keine Rede sein. Nur etwa fünf Prozent aller Seniorinnen und Senioren leben in Wohnungen, die als barrierefrei oder barrierearm gelten können.

Da es der Wunsch der allermeisten Älteren ist, zu Hause wohnen bleiben zu können und auch bei einer Pflegebedürftigkeit die häusliche Pflege und Betreuung im Vordergrund steht, gilt es nach dem Konzept, zunächst alle jene Hilfen zu berücksichtigten, die diesen Verbleib stützen. Auch hier ist die Einbeziehung von bürgerschaftlichem Engagement notwendig.  

Ein Blick auf die Wohnformen hat gezeigt, dass es im Landkreis zwar eine Reihe von Betreuten Wohnanlagen und zwei Seniorenresidenzen gibt, dass es aber für sinnvoll gehalten wird, weitere barrierefreie Wohnungen in den Städten, Märkten und Gemeinden zu schaffen und damit verbunden bei Bedarf auch entsprechende Unterstützungsleistungen anzubieten.

Das Konzept schließt mit dem Hinweis, dass bei Allem zu berücksichtigen ist, dass das Thema „ältere Mitbürgerinnen und Mitbürger und ihre Lebenswelten, Betreuung und Pflege etc.“ in Zukunft in noch stärkerem Maße auf der gesellschaftspolitischen Agenda stehen wird und muss. Dies ergibt sich zwangsläufig allein schon aus der heute bereits absehbaren künftigen demographischen Entwicklung. Kurz gesagt: Es ist schon heute ein „Zukunftsthema“ auch im Landkreis Berchtesgadener Land.

Pressemitteilung Landratsamt Berchtesgadener Land

Zurück zur Übersicht: Region Berchtesgaden

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser