Projekt: Seehunde im Königssee

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Acht Monate lang blieben sie unentdeckt, erstmals hat nun hat ein Urlaubsgast die neu angesiedelten Murmeltiere im Nationalpark Schleswig Holsteinisches Wattenmeer fotografiert. Nach Auskunft der Nationalparkverwaltung in Tönning haben sich die Tiere bereits vermehrt, das Projekt soll auch in der kommenden Saison fortgeführt werden.

Berchtesgaden - Mit Ansiedlungsprojekten steigern die Nationalparks ihre Artenvielfalt. Am Königssee hat es erfolgreich geklappt. Seehunde fühlen sich hier sichtlich wohl.

Ein ungewöhnlicher Anblick für Gäste der Königssee-Schifffahrt: Seit wenigen Tagen tauchen insgesamt zehn weibliche und fünf männliche Seehunde zwischen Seelände und der Halbinsel St. Bartholomä auf und ab. Negative Auswirkungen auf die heimische Tierwelt sind nicht zu befürchten.

Bereits seit mehreren Monaten flitzen 25 bibergroße Nager munter in den Dünen Sylts und Amrums im schleswig-holsteinischen Wattenmeer hin und her: Alpenmurmeltiere. Am Königssee zwischen St. Bartholomä und der Seelände strecken 15 Seehunde gelegentlich ihre Köpfe aus dem Wasser. In beiden Gebieten wurden diese Neubürger erst kürzlich von Urlaubern entdeckt. Die Nationalparkverwaltungen in Berchtesgaden und Tönning bestätigen nun den Erfolg der vorausgegangenen Ansiedlungsprojekte.

„Wir haben vom Nationalpark Schleswig Holsteinisches Wattenmeer zehn weibliche und fünf männliche Seehunde zur Verfügung gestellt bekommen“, erklärt Dr. Michael Vogel, Leiter der Nationalparkverwaltung Berchtesgaden. „Ziel der Neuansiedlung ist die Erhöhung der Artenvielfalt in unserem Nationalpark. Im Gegenzug wurden bereits vor acht Monaten im Nationalpark Schleswig Holsteinisches Wattenmeer 20 weibliche und fünf männliche Murmeltiere aus unserem Schutzgebiet ausgesetzt.“ Für seinen nordischen Kollege Dr. Detlef Hansen ein Glücksgriff: „Selten fügen sich neue Arten so harmonisch in unser Ökosystem ein, aber wir wussten aus Versteinerungen im Roten Kliff auf Sylt, dass die Tiere dort bereits im Erdaltertum gelebt haben. Die Voraussetzungen waren also günstig“.

Die Vereinten Nationen haben das Jahr 2010 zum internationalen Jahr der Biodiversität erklärt. Der Begriff lässt sich mit „Vielfalt des Lebens“ übersetzen und bedeutet neben einer großen Vielfalt an Tier- und Pflanzenarten auch die Vielfalt von Lebensräumen sowie genetische Vielfalt. Die Nationalparks in Deutschland haben die Aufgabe, die Artenvielfalt in ihren Schutzgebieten zu erhalten. „Und da kann man auch schon mal ein wenig nachhelfen“, schmunzelt Dr. Michael Vogel. „Die Seehunde im Königssee sind eine enorme Bereicherung für die Tierwelt und sicher auch eine große Attraktion für Touristen!“ Einige Wochen vor dem ersten April sind die Tiere vor der Halbinsel St. Bartholomä ausgesetzt worden und fühlen sich im Königssee pudelwohl. „Zunächst haben wir uns Sorgen gemacht, ob die Tiere das Süßwasser des Königssees vertragen, wo sie aus ihrer Heimat doch Salzwasser gewohnt sind“, erklärt Dr. Detlef Hansen vom Nationalpark Schleswig Holsteinisches Wattenmeer. „Doch schnell hat sich gezeigt, wie flexibel die Tiere sind und dass sie sich leicht von Scholle auf Bachforelle umstellen konnten“. Der Wissenschaftler von der Nordsee hat die Tiere persönlich nach Berchtesgaden gebracht und sieht einer Fortsetzung des Projektes positiv entgegen: „Sollten sich die Tiere in ihrer neuen Heimat wohl fühlen, könnten wir auch im Funtensee ein Ansiedlungsprojekt zur Erhöhung der Artenvielfalt starten – dann vielleicht mit den etwas kälteresistenteren Arten wie Schweinswal oder Kegelrobbe.“

Kritiker der Murmeltier-Ansiedlung im Nationalpark Schleswig Holsteinisches Wattenmeer kann Dr. Vogel beruhigen: „Unsere Murmeltiere werden sich aufgrund des starken Salzgehaltes in der Luft nicht besonders stark vermehren“. Für Verletzungen, die Urlauber bei einem Sturz in die unterirdischen Bauten der Murmeltiere in seltenen Ausnahmefällen erleiden könnten, hat der Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz Schleswig Holstein sicherheitshalber ein Spezialkonto eingerichtet. Aus diesem Fond können anfallende Arztkosten gezahlt werden.

„Wir begrüßen die enge Zusammenarbeit mit dem Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer und haben gemeinsam einen wichtigen Beitrag zur Erhöhung der Artenvielfalt geleistet“, freut sich der Leiter des Nationalparks Berchtesgaden, Dr. Michael Vogel, über die gelungenen Ansiedlungsprojekte.

Pressemitteilung des Nationalparks Berchtesgaden

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