Schütze, ein Leben lang!

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Der Böller, mit dem der Wasti fast ein Leben lang geschossen hat. Jetzt nutzt ihn bereits sein Enkel.

Berchtesgaden - Sebastian Hölzl, der Wasti, feiert demnächst seinen 85. Geburtstag und blickt auf ein ereignisreiches Leben zurück. Im Mittelpunkt standen neben dem Beruf die Schützen:

Auch als Mitglied der Untersalzberger Weihnachtsschützen hat er eine lange Vereinskarriere: 70 Jahre ist er mit dabei, hat sechs Vorsitzende miterlebt und ist damit so lange Mitglied wie kaum ein anderer. „In den sieben Jahrzehnten hat sich bei uns Weihnachtsschützen nicht viel verändert“, erzählt der Wasti – und lässt ein wenig Stolz erkennen.

Kurz vor seinem 85. Geburtstag steht Wasti Hölzl. Seit 70 Jahren ist er Weihnachtsschütze bei den Untersalzbergern. Links: Vorsitzender Michael Koller.

Er war 14, als er das erste Mal den Böller zur Hand nahm. „Eigentlich hätte ich ein paar Jahre älter sein müssen“, sagt er. Es war die Zeit des Zweiten Weltkriegs. „Die meisten wurden dort gebraucht“, erzählt er. Und deshalb gab es für den Wasti eine Ausnahmegenehmigung für das Schießen. Er lacht immer wieder herzlich, wenn er darüber berichtet. Wasti Hölzl ist Jahrgang 1927, gebürtiger Berchtesgadener. 1941 begann er bei der Post zu arbeiten. 48 Jahre lang sollte er dort bleiben – bis er schließlich, mit 62 Jahren, in den Ruhestand ging. Dazwischen liegen viele Jahre an Erlebtem, er musste in den Krieg, Ostpreußen, angeschossen wurde er in Danzig, notversorgt, er war im Lazarett, später in Gefangenschaft, 1946 kam er dann nach Hause. Sein Bruder war drei Jahre zuvor gefallen. Vor allem die Weihnachtsschützen waren es, die Hölzl durch sein Dasein begleiteten. Gerne erinnert sich Hölzl an seine aktive Zeit zurück. Zwar sei er - beruflich bedingt - schon immer eingeschränkt gewesen, konnte nicht bei allen Festlichkeiten teilnehmen, doch immer dann, wenn es die Zeit zuließ, war er dabei. Damals, als die Untersalzberger Weihnachtsschützen noch am Lockstein schossen. Silvester wurde am Pozenzenbichl geschossen. Für den Wasti gehörte das zu seinem Leben als Schütze immer dazu. „Anfangs hatte ich gar keinen eigenen Böller“, erzählt er. „Ich habe ihn mir immer ausgeliehen.“

500 Gramm Pulver bei drei Schuss. Er lacht. 14 Jahre lang ging das so. Dann schenkte ihm sein Vater Andreas, der bei einem Sägewerk arbeitete, einen eigenen Böller aus Wurzelholz. Ein besonderes Exemplar, dem der Wasti noch immer besondere Bedeutung beimisst. Über 55 Jahre ist der Böller zwischenzeitlich alt. Und weil der Wasti kein aktiver Schütze mehr ist, sondern nur noch „gelegentlich den einen oder anderen Schuss vor dem Haus tut“, ist jetzt der Enkel in die Fußstapfen des Großvaters gestiegen. „Mein Sohn hat für das Schießen nicht so viel übrig gehabt, der Enkel ist aber eifrig dabei“, erzählt der Wasti. Ein bisschen traurig ist er, weil es so mancher Brauch, der damals noch gepflegt wurde, nicht in die Neuzeit geschafft hat: „Damals haben die Schützen sich gegenseitig zuhause abgeholt und vor dem Haus noch einen Schuss getan.

Wir sind dann zu Fuß zum Schießen weitergegangen“, sagt er. Heutzutage gebe es zwar noch so manchen, der den alten Brauch pflege, der Großteil jedoch fahre mit dem Auto zum Schießplatz. Bei Jubiläen war Wasti Hölzl nicht sehr häufig mit dabei. „Ich habe häufig am Wochenende arbeiten müssen, Sonntagsschichten bei der Post gemacht“, erzählt er. Selbst das Skifahren habe er wegen seines Berufs an den Nagel gehängt. Die Zeit habe ihm einfach gefehlt.

Seit 105 Jahren gibt es die Untersalzberger Weihnachtsschützen. Seit 70 Jahren ist der Wasti mit dabei. Acht Vorstände hatte der Verein im Laufe seines Bestehens. Sechs davon hat der Wasti aktiv miterlebt, überlebt. Michael Koller, der aktuelle Vorsitzende, sei für den Verein wichtig, „ein guter Vorsitzender“, sagt der Wasti mit all seiner Erfahrung. Er ist das zweitälteste Vereinsmitglied – aber am längsten mit dabei. Auch heutzutage besucht er gerne die Versammlungen der Untersalzberger. Mit seinem Enkel hat er eine Art Abkommen geschlossen. Immer wenn die Weihnachtsschützen zusammenkommen, wird der Wasti dorthin gefahren. Und auch wieder abgeholt. „Ich bin sehr gern dabei“, sagt der bald 85-Jährige - und lacht herzlich.

kp

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