"Sport und Brauchtum sind kein Widerspruch!"

Berchtesgaden - Georg "Schorsch" Hackl aus Berchtesgaden ist weltweit populär geworden als Rennrodler. Wir haben uns mit dem bayerischen "Original" zum Interview getroffen:

Hackl gewann Olympisches Gold 1992 in Albertville sowie 1994 in Lillehammer und 1998 in Nagano. Zahlreiche Medaillen und Titel auf Welt-, Europa- und Landesebene kamen im Einsitzer, im Doppel und im Mannschaftswettbewerb dazu. Seine Karriere beendete er 2006 bei den Olympischen Winterspielen in Turin. Schorsch Hackl war aber nicht nur ein sympathischer Spitzensportler, sondern ist auch ein überzeugter Bayer und Trachtler. Bei einem Treffen in Berchtesgaden konnten wir ihm einige Fragen stellen.

rosenheim24: Lieber Schorsch Hackl, vorab eine Frage: dürfen wir beim trachtlerischen "Du" bleiben?

Schorsch Hackl: „Logisch. Das "Du" in Bayern ist ja nicht respektlos, sondern Ausdruck der Wertschätzung und gut gepflegter persönlicher Beziehungen.“

rosenheim24: Mit Deinen Siegen hast Du die Welt und die Welt des Triumphes kennengelernt. Was haben diese für Dich bedeutet?

Hackl: „Ein Sieg ist in erster Linie Bestätigung, dass die eigene Arbeit richtig war. Nicht des Gefeiert-Werden-Willens erringt man Siege, sondern weil sie Antriebsmotor für die Beherrschung einer Sportart sind.“

rosenheim24: Welchem Trachtenverein gehörst Du an und wie bist Du in diesen eingebunden?

Hackl: „Seit dem 14. Lebensjahr gehöre ich zum Trachtenverein Almrauscher Berchtesgaden. Anfangs war ich als aktiver Schuhplattler dabei, später verdrängten die Anforderungen im Sport diese Aktivitäten im Verein immer mehr. Mit den Trachtenspezln bin ich noch gerne zusammen, zum Beispiel auf dem Berg oder wenn die Rotofen-Musi spielt.“

rosenheim24: Welche Erfolge als aktiver Trachtler sind Dir in liebster Erinnerung?

Hackl: „Einmal nahm ich an einem Preisplatteln teil, eine schöne Erfahrung. Aber ich war nicht vorne dabei, in dieser Disziplin hat es bessere Experten gegeben.“

rosenheim24: Du bist ein Vorbild für viele Jugendliche. Auf welche Faktoren würdest Du Deine sportlichen Erfolge zurückführen?

Hackl: „Eine Stärke meinerseits sind bestimmt die Beharrlichkeit und die Ausdauer. Wenn andere die Flinte ins Korn werfen, da gebe ich noch lange nicht auf. Zudem habe ich große Freude an Geschwindigkeit, am Spüren von Fliehkräften und am Rodelsport generell. Wenn man etwas gerne macht, kommt früher oder später zum Talent, das natürlich auch gegeben sein muss, der Erfolg dazu. Ich hab schon viele Talente gesehen, die zu wenig geduldig und beharrlich waren und so zu wenig aus sich herausgeholt haben.“

rosenheim24: In der Praxis ist es oft schwierig, Trachtenvereins-Zugehörigkeit und Sport zeitlich in Einklang zu bringen. Welche Lösungsvorschläge siehst Du hierbei?

Hackl: „Sport und Brauchtumspflege sind kein Widerspruch. Als Spitzensportler musste ich allerdings auf Erlebnisse bei den Weihnachts- und Böllerschützen oder bei Tanzveranstaltungen verzichten. Letztlich sind eine gute Planung, Zeiteinteilung sowie das Setzen von Prioritäten wichtig.“

rosenheim24: „Keine Macht den Drogen“ – welche Ratschläge kannst Du als Sportler aus diesem Motto ableiten?

Hackl: „Klar unterstütze ich diese Aktion, aber auch andere Aktionen zum Schutz von Kindern und Jugendlichen.“

rosenheim24: Zum Beispiel?

Hackl: „Mein persönliches Engagement gilt der Aktion Kinder in Not e. V., deren Schirmherr ich bin. Mit diesem Verein wird Kindern in Dritte-Welt-Ländern mit Kleidung, Nahrung und Bildung geholfen. Mit 125 Euro kann ein Kind ein ganzes Jahr ins Internat mit Berufsausbildung (z. B. Näherei, Zimmerei) geschickt werden. Bildung ist der Schlüssel zur weiteren, guten Entwicklung. Die Spenden für die Patenschaften kommen zu 100% direkt bei den Kindern an, weil die gesamten Verwaltungsaufgaben von einer großen Firma getragen werden. Derzeit haben wir 2.584 Patenschaften, nähere Informationen gibt es im Internet unter www.kinder-in-not.de.“

rosenheim24: Du giltst als unermüdlicher Tüftler was Konstruktion und Material betrifft. Was heißt das genau?

Hackl: „Wer vorne dabei sein will, muss sich und auch sein Material gut kennen, ansonsten ist man immer auf andere angewiesen. Beim Runterfahren spüre ich das Material und da ist es ein Vorteil (aber kein Muß), wenn man selbst auf die Erkenntnisse reagieren kann.“

rosenheim24: Wie siehst Du rückblickend die gescheiterte Olympia-Bewerbung 2018?

Hackl: „Das war eine große Enttäuschung. Mit viel Herzblut hatten wir ein gutes Konzept und Chancen, doch Favoriten waren andere. Enttäuscht hat mich das Stimmenergebnis und die mangelnde Unterstützung der Europäer. Eine neue Kandidatur anzustreben, dazu muss man sich noch genaue Gedanken machen.“

rosenheim24: In den 1990er Jahren wurdest Du berühmt für Deine unverfälschten Aussprüche in den Medien (u.a. „I bin´s, da Hackl Schorsch“), zum Teil wurden sogar Untertitel als Übersetzungshilfen verwendet. Welche Rolle spielt für Dich die Dialektpflege?

Hackl: „Zu Herkunft und Dialekt stehe ich. Meine Erfahrung ist aber auch, dass nicht alles jedem gefällt. Man hat ja auch nicht nur Befürworter, sondern auch Nicht-Befürworter, die Dialekt-Interviews gerne ins Lächerliche ziehen. Dialekt muss auch nicht mit Gewalt gepflegt werden, aber dort, wo er hinpasst, soll er auch gesprochen werden. Seien wir froh und stolz, dass wir sowohl Dialekt als auch Hochdeutsch können.“

rosenheim24: Wie sieht Deine berufliche Zukunft aus?

Hackl: „Meine berufliche Aufgabe ist Co-Trainer im Deutschen Rodel-Nationalteam und da bin ich für die bayerischen Sportler zuständig im Trainingsstützpunkt Berchtesgaden. Im Sommer bin ich vor Ort beim Training und bei der Materialentwicklung, im Winter bin ich viel unterwegs, aber zu Trainingswochen wieder am Königsee, dort wo ich mir gerade ein Haus baue und daheim bin.“

rosenheim24: Welche Rolle werden zukünftig der Trachtenverein und die ehrenamtliche Brauchtumspflege spielen?

Hackl: „Brauchtumspflege ist bärig und wichtig, gerade so wie Musik und Sport. Junge Leute finden dabei eine pädagogisch sinnvolle Tätigkeit. Gemeinsame Inhalte, Werte und Ziele sowie gleiches G´wand gibt Gemeinschaft, Freunde und Geselligkeit. Letztlich schaffen sie Identität und sind Anker in der Heimat mit einem hohen Wert.“

rosenheim24: Gibt es Autogrammkarten von Dir und wenn ja, wo kann man diese anfordern?

Hackl: „Freilich. Es reicht zu schreiben an Rennrodler Schorsch Hackl, Berchtesgaden oder genauer noch an Schorsch Hackl, Ramsauer Straße 100, 83433 Bischofswiesen.“

Für rosenheim24.de/bgland24.de führte das Interview Toni Hötzelsperger

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