Schönes Skiwetter fordert viele Verletzte

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Um den Verletzten noch schneller helfen zu können, setzt die Bergwacht seit dieser Saison ein ATV (All-Terain-Vehicle) ein.

Berchtesgaden - Viel Arbeit für die Bergwachten in den Skigebieten: Aufgrund des schönen Wetters sind in den letzten Tagen viele Wintersportler unterwegs.

Allein die Bergwacht Berchtesgaden musste seit Beginn der Skisaison über 100 Einsätze abwickeln. In den vergangenen Tagen registrierten die Bergwachten in den Skigebieten Jenner, Götschen, Roßfeld und Obersalzberg insgesamt 22 Wintersportunfälle, wobei mehrere zum Teil schwer verletzte Patienten versorgt und abtransportiert werden mussten.

Viele leichter Verletzte per Akja ins Tal gebracht

"Die meisten Ski- und Snowboardfahrer hatten sich bei Stürzen lediglich leicht an Füßen oder Händen verletzt und konnten per Rettungsschlitten ins Tal gebracht werden, wo sie an den Rettungsdienst des Roten Kreuzes zum Weitertransport in die Kliniken übergeben wurden", berichtet Bereitschaftsleiter Franz Brandner.

Schwerer Verletzte mussten noch vor Ort notärztlich versorgt und mit dem Hubschrauber oder im Rettungswagen abtransportiert werden. Einige wenige Male wurden die Bergretter von der Traunsteiner Rettungsleitstelle auch nach Ende des offiziellen Skibetriebs alarmiert. Mit dem ATV (All-Terain-Vehicle) konnten sie vom Tal aus den Patienten auf und abseits der Pisten rasch zur Hilfe eilen. Für den Abtransport der Verletzten wurde mit dem Spezialfahrzeug auch jeweils ein Rettungsschlitten zur Einsatzstelle gebracht.

Am vergangenen Wochenende häuften sich die Einsätze aufgrund des schönen Wetters erneut, wobei die Bergwacht Berchtesgaden am Jenner durchgehend beschäftigt war.

Nachdem die Mannschaft am Sonntagvormittag einen am so genannten Hotelhang, kurz unterhalb der Bergstation gestürzten 23-jährigen Einheimischen mit gebrochenem Handgelenk per Seilbahn ins Tal gebracht hatte, ging gegen 11.20 Uhr der Alarm über eine gestürzte 14-jährige Skifahrerin im Bereich Spinnerkaser ein. Nach medizinischer Erstversorgung musste die Wintersportlerin aufgrund ihrer schweren Verletzungen im Bauchbereich, am Kopf sowie an beiden Handgelenken notärztlich versorgt werden, wobei die Rettungsleistelle Traunstein den Rettungshubschrauber "Christoph 14" zum Jenner schickte. Die einheimische Patientin wurde zur weiteren Behandlung ins Unfallkrankenhaus Salzburg geflogen.

60 Ehrenamtler bei Bergwacht Berchtesgaden

Noch beim Zusammenpacken wurden die Bergwachtmänner und -frauen erneut zu einem gestürzten Skifahrer am Hotelgang gerufen. Ein siebenjähriger Junge aus Dänemark hatte sich den Oberschenkel gebrochen. Da zur Schmerzbekämpfung erneut ein Notarzt benötigt wurde, alarmierte die Leitstelle kurz vor 12 Uhr den Salzburger Notarzthubschrauber "Christophorus 6". Der Pilot konnte direkt neben dem Verletzten landen. Der junge Däne wurde ebenfalls zur weiteren Behandlung nach Salzburg geflogen.

Am Nachmittag entspannte sich die Lage wieder etwas, wobei die Einsatzkräfte noch zweimal ausrücken mussten. Kurz vor Ende des Skibetriebs verletzte sich ein 54-jähriger Skifahrer aus Hallein im Bereich der Mittelstation am Knie. Die Bergretter versorgten den Mann medizinisch und transportierten ihn per Rettungsschlitten zur Talstation, wo er an eine Krankenwagenbesatzung des Roten Kreuzes übergeben wurde. Bei der letzten Kontrollfahrt wurden die Einsatzkräfte von der Rettungsleistelle informiert, dass ein Junge seine Eltern vermisst. Nach kurzer Abklärung konnten Kind und Eltern wieder zusammengeführt werden.

Die fast 60 ehrenamtlichen Männer und Frauen der Bergwacht Berchtesgaden leisten seit Beginn der Skisaison in den Berchtesgadener Skigebieten am Jenner und am Obersalzberg ihre Skiwacht- und Vorsorgedienste. Unter der Woche sorgen die hauptamtlichen Retter der Skiwacht für die medizinische Versorgung der verunfallten Ski- und Snowboardfahrer; am Wochenende und an den Feiertagen übernehmen die Ehrenamtlichen die Vorsorgedienste. Die Einsatzkräfte setzen sich aus mehreren Spezialisten zusammen, darunter Rettungssanitäter und -assistenten, Ärzte und Notärzte, Luftretter sowie Hundeführer der Lawinen- und Suchhundestaffel Chiemgau.

Neues Gefährt hat sich bewährt

Damit die Bergwachtleute schnellstmöglich nach der Alarmierung beim Patienten ankommen und einen möglichst schonenden Abtransport gewährleisten können, werden spezielle Rettungsgeräte und Fahrzeuge eingesetzt. "Um die Zeit bis zum Erreichen der Unfallstelle noch weiter zu verkürzen und vor allem um Verletzten zu helfen, die ihren Notruf nach Ende des offiziellen Skibetriebs abgesetzt haben, nutzen wir seit dieser Skisaison ein neu beschafftes ATV (All-Terain-Vehicle)", erklärt Bereitschaftsleiter Franz Brandner.

Im Sommer dient das geländegängige Fahrzeug als Quad und bringt den Einsatzleiter oder einen Voraustrupp rasch durch unwegsames Gelände zur Einsatzstelle. Im Winter werden die Reifen abmontiert und mit Spikes versehene Raupen aufgezogen - damit funktioniert das ATV der Firma Polaris ähnlich wie ein Motorschlitten. Das 68 PS starke Spezialfahrzeug verfügt über eine Seilwinde, Überrollbügel, Scheinwerfer, Blaulicht, Martinshorn, Blinklicht, eine Griffheizung, eine Anhängerkupplung und Pistenfahrzeugsignale. Brandner: "Dank seiner großen Mobilität ist das ATV in fast jedem Gelände die perfekte Unterstützung für unsere Bergwachtmänner und -frauen."

Pressemitteilung des BRK KV Berchtesgadener Land

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