Vermieter und die Risiken des Internets

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Schönau  - Was passiert, wenn ein Tourist sich über W-Lan mit dem Passwort des Gastgebers einloggt und illegal einen Film herunterlädt. Eine Veranstaltung klärte auf:  

Bei einer Diskussion über die Internetsicherheit beim Gastgeberstammtisch zeigt sich, dass auf Seiten der Vermieter noch viel Unsicherheit herrscht.

Ein Gast, der Urlaub macht, möchte das Internet nutzen. Er loggt sich über Wlan ein, mit dem Passwort des Gastgebers. Dann lädt er einen Film herunter – illegal. Wer trägt die Schuld? Der Gastgeber, sagt der Insider. Denn: „Das ist fahrlässig, den Zugangscode weiterzugeben“, so Computer-Experte Maximilian Burghartswieser, der während des Gastgeberstammtischs der fünf Tourismusgemeinden des Berchtesgadener Talkessels als Fachmann geladen wurde. Bei den Zuhörern bleiben zunächst viele Fragen.

Touristen wollen nicht mehr ohne Internet entspannen

Als die Vorsitzende des Tourismusvereins Ramsau, Birgit Gschossmann, die zahlreichen Besucher im voll besetzten Gasthaus Unterstein begrüßt, hat sie ein Ziel vor Augen: Die Gastgeber aufklären zu lassen. Denn Tatsache ist: Das Internet bereitet große Probleme, der kabellose Netzzugang, Passwörter zum Einloggen, die rechtlichen Fragen. Die Besucher dürsten nach Antworten. Denn viel Unwissen herrscht auf Seiten dieser. Aber jeder Hotelier und Betreiber einer Ferienwohnung weiß inzwischen, dass ein Internet-Zugang selbst im Urlaub als Voraussetzung gesehen wird. „Es ist anscheinend nicht so, dass der Tourist seine Ruhe haben will“, sagt Gschossmann.

Ständige Erreichbarkeit wird gefordert. Und deshalb könne man sich dem Internet-Trend einfach nicht verschließen. Doch wie garantiert man einen sicheren Zugang ins Netz? Sodass kein Missbrauch betrieben werden kann. Über WLAN? „Nein“, sagt der Experte. Die Gefahr sei zu groß, als Gastgeber auf die Nase zu fallen, im schlimmsten Fall dafür haften zu müssen. Außerdem sei das Weitergeben des WLAN-Schlüssels „grob fahrlässig“. Durchaus möglich: Ein Gast hat gesetzeswidrige Absichten: Ein illegal runtergeladener Film, ein Musikstück ohne Bezahlung, vielleicht gar das Surfen auf pornographischen Seiten mit Kinder-Inhalten? Als das die Zuhörer im Saal hören, schrillen die Alarmglocken. „Gibt es eine Versicherung, die uns als Gastgeber davor schützt“, fragt einer.

Wie der Vermieter vorsorgen kann

Nein, die gebe es nicht. Eine Einrichtung von Benutzerkonten? „Natürlich“. Aber für den Normalnutzer zu kompliziert, außerdem nicht sicher genug. Es habe schon mehrere bekannt gewordene Abmahnungen im Talkessel gegeben. Von spezialisierten Anwaltskanzleien ausgestellt, die wegen Urheberrechtsverstößen hohe Rechnungen versenden. Experte Jörg Bordewick weiß, dass die Summen durchaus mehrere Tausend Euro betragen können. Und läuft ein solcher Urheberrechtsverstoß über den Anschluss eines Gastgebers, ist dieser dran. „Sie sind dann ein Mitstörer, auch wenn Sie nichts gemacht haben“, sagt Bordewick. Und weiter: „Unwissenheit schützt vor Strafe nicht“. Immerhin gebe es geeignete Schutzvorrichtungen.

Etwa, Gästen über Fremdanbieter den Zugang zum Internet zu ermöglichen. Ein Hotspot, bei dem der Gastgeber nunmehr nur noch als Vermittler auftritt. Der Urlauber müsse sich dann einfach per Benutzernamen und Passwort registrieren, eine Verifizierung des Nutzers erfolgt per E-Mail. „Damit sorgt der Gastgeber vor. Ihm kann dann nichts mehr passieren“, sagt Maximilian Pohl, ein weiterer Fachmann in der Runde. Das will so mancher im Saal nicht so recht glauben, Nachhaken, Fallschilderungen, Fragen nach Präzedenzfällen – „ist es garantiert, dass man das System nicht umgehen kann“, fragt einer. Eine Garantie für irgendetwas geben, könne man nicht. Nirgendwo. Wichtig sei aber, dass man als Gastgeber dann alles in der eigenen Macht Stehende getan habe.

"Wir wollen doch nur informieren!"

„Sie sind dann aus dem Schneider“, sagt Pohl. Ganz überzeugen lassen sich nicht alle im Saal. Es wird munter weiterdiskutiert, die Experten rechtfertigen sich. Bis von Seiten der Veranstalter ein Schlussstrich gezogen wird. „Wir wollten doch nur informieren“, sagt Gschossmann. Irgendwie wirkt auch das wie eine Rechtfertigung.

Wenigstens ist man sich am Ende einig, dass die Veranstaltung eine Fortsetzung finden soll. Immerhin.

kp

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