Wird das Ufer des Königssees verschandelt?

Schönau - Die neuesten Hotelpläne spalten nicht nur den Gemeinderat, nun mischt sich auch der Landesverband für Heimatpflege in die Diskussion ein - mit eindeutiger Kritik.

Hotelneubauten, Hotelerweiterung, als Ferienappartements etikettierte Eigentumswohnungen, dazu zwei Geschäftshäuser für Handel und Gastronomie: war das Nordufer des Königssees bisher schon recht dicht und an vielen Stellen nicht allzu planvoll bebaut, so droht es nun vollends unter dem Hammer eines Projekts zerbröselt zu werden. Das findet zumindest der Bayerische Landesverband für Heimatpflege. Alle baukulturellen, landschaftlichen und städtebaulichen Grundrahmen würden ignoriert.

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Seit rund zwei Jahren lägen diesbezüglich Entwürfe und Planungen in wechselnder Größenordnung und Qualität auf dem Ratstisch der Gemeinde Schönau. Immer wieder seien sie aufgrund von Unklarheiten, überzogenen Ausmaßen, Widersprüchen und "berechtigten öffentlichen Bedenken" fehlgeschlagen. Die nun vorgestellten Absichten stünden sichtlich in der gleichen Tradition: zu groß, zu hoch, zu dicht und viel zu rigoros gegenüber der kulturlandschaftlichen Qualität des Standorts, so Martin Wölzmüller, Geschäftsführer des Landesverbands.

"Ein Klotz"  mit 500 zusätzlichen Betten

Weit über 500 zusätzliche Betten stelle sich der Projektentwickler vor, fast 23.000 Quadratmeter neue Geschossfläche in zum Teil sechsstöckigen Gebäuden, dazu eine Tiefgarage mit 5000 Quadratmetern. Dies alles "in einem Umfeld, das höchste Zurückhaltung und planerisches Feingefühl erfordere!", ermahnt der Landesverband in einer Pressemitteilung.

Der ehemalige Bahnhof, der ein wichtiges, denkmalgeschütztes Geschichtszeugnis sei, werde in der Neuplanung bedrängt von zwei zusätzlichen Geschäftsgebäuden, die sich überdies im notwendigen denkmalrechtlichen Verfahren als Genehmigungshürde herausstellen dürften.

"Nebulöse" Informationen für Gemeinderäte

Das durch die Regierung von Oberbayern eingeleitete Raumordnungsverfahren sei sicher ein notwendiger und hilfreicher Schritt, der einen Teil der in Frage stehenden Belange durch eine landesplanerische Beurteilung abwäge. Er ersetze jedoch nicht die detaillierteren Filter, die in den Bauleitplanverfahren wirksam werden. Die Verantwortung für ein rechtlich, städtebaulich und kulturlandschaftlich vertretbares Ergebnis liege also eindeutig bei den dafür zuständigen Mitgliedern des Gemeinderats von Schönau. Dafür bräuchten sie verlässliche Informationen und auch ein klares Stimmungsbild der Bürger.

Bislang würden ihnen aber nur karge Eckdaten, nebulöse Aussagen, verniedlichende Bildsimulationen und tourismuswirtschaftliche Zwecklyrik vorliegen.

Der Königssee und seine Umgebung würde, nach Auffassung des Landesvereins, durch die weit überzogene Beplanung auch in seiner Attraktivität und in seinem tourismuswirtschaftlichen Potenzial drastisch entwertet. Die äußerst hoch angesetzten Investorenerwartungen, die hier deutlich sichtbar würden und die von Teilen des Schönauer Gemeinderates offenbar gutgeheißen werden würden, könnten nicht Grundlage "einer pflichtbewussten Entscheidungsfindung" sein. Der Auftrag laute nach Meinung des Landsverbands für Heimatpflege: optimieren statt maximieren!

Der Landesverein fordert die Gemeinde Schönau deshalb auf, ihre Planungen "in dieser sensiblen und weit über das Gemeindegebiet hinaus bedeutenden Landschaft am Königssee" mit angemessener Rücksicht auf die vorhandenen kulturlandschaftlichen und geschichtlichen Werte schonend und respektvoll zu gestalten. Die bisher bekanntgewordenen Entwürfe würden diesen Anspruch in keiner Weise erfüllen.

Quelle: Pressemitteilung Bayerisches Landesverband für Heimatpflege

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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