Ladenbesitzerin: Arbeitsplätze werden vernichtet

+

Schönau - Wer darf künftig sonn- und feiertags aufmachen und wer nicht? Um das zu klären sind erneut vier Vertreter des Landratsamts zu den Geschäftsleuten gekommen.

Ziel der Visite: Das Warensortiment jedes Geschäfts zu überprüfen. „Wir haben das bereits im Juni gemacht“, sagt Regierungsrat Johannes Gruber. Allerdings hatte das Bayerische Verwaltungsgericht Mängel beanstandet: „Uns fehlt ein detailliertes Konzept und eine klare Übersicht“, so die Vorsitzende Richterin damals. Nun also ein erneuter Vor-Ort-Termin.

Königssee: Warensortiment und Öffnungszeiten

Regierungsrat Johannes Gruber und sein Kollege, Verwaltungsfachwirt Michael Höschler, haben sich viel vorgenommen. Alle Geschäfte der Seestraße müssen ein weiteres Mal überprüft werden. Die beiden zeichnen auf, wer welche Produkte führt. „Wir erheben das Warensortiment“. Dass das Landratsamt am Königssee einschreiten muss, ist mehreren Klagen von Mitbewerben geschuldet, die in der Vergangenheit Beschwerden wegen der Sonntagsöffnung eingereicht hatten. Und jetzt sollen die Landratsamts-Mitarbeiter feststellen, wie es weitergeht. Etwa für die Mineralienläden, die unter anderem Salzlampen und Steine verkaufen. Ursprünglich hieß es von Landratsamts-Seite: „Laut Mineralienatlas werden die geführten Steine in der Region abgebaut“. Demzufolge seien sie ortsbezogen und dürften auch sonntags verkauft werden. Diese Regel gilt nun nicht mehr. Ausschließlich Salzlampen dürfen am Königssee am letzten Tag der Woche über die Theke gehen. Denn schließlich komme das Salz ja aus der Region. Vom hiesigen Mineralienabbau - keine Spur.

"Wie kann man so ein veraltetes Gesetz durchklopfen"

Lesen Sie auch:

Seestraße: Ein neues Gesetz muss her

Landrat will mit Geschäftinhabern reden

"28 von 30 Läden müssen schließen"

Eine betroffene Geschäftsinhaberin sagt, dass Salzlampen in ihrem Geschäft 30 Prozent ausmachen. Diese Zahl hatte das Bayerische Verwaltungsgericht für ortsgezogene Waren auch gefordert. „Doch was bringt es, wennich nicht weiß, was ich mit den ganzen Steinen und dem Schmuck im Laden machen soll“, fragt sie in die Runde. „Es würde ausreichen, wenn sie alle Waren, die sonntags nicht verkauft werden dürfen, mit Laken abdecken“, sagt Johannes Gruber vom Landratsamt. Der Aufwand: immens. „Das ist einfach nicht machbar“, sagt die Geschäftsinhaberin. Besonders schmerzt es, dass sie künftig auch an so wichtigen Tagen wie in der Weihnachts- und der Osterzeit nicht mehr öffnen darf. Kein Verständnis herrscht am Königssee über die Verordnung, laut der nur bestimmte Gegenstände an Sonn- und Feiertagen angeboten werden dürfen („Badegegenstände, Devotionalien, frische Früchte, alkoholfreie Getränke, Milch und Milcherzeugnisse, Süßwaren, Tabakwaren, Blumen und Zeitungen sowie Waren, die für die Gemeinde Schönau am Königssee kennzeichnend sind“). „Wie kann man nur so ein veraltetes Gesetz durchklopfen“, fragt ein Königssee-Besucher am Rande. Er findet die Diskussion rund um Ladenöffnungszeit und Sortimentsangebot „fragwürdig und lächerlich.“ Landratsamt-Stippvisite in einem Souvenir-Geschäft: Von der Königssee-Kappe über das St. Bartholomä-Magnetschild bis hin zum Wanderstock gibt es hier alles. Qualität? Schwer zu sagen. Aber immerhin „ortsbezogen“ – und das ist, laut Gesetz, die Hauptsache. Geschmackloser Krimskrams darf also weiterhin verkauft werden, das Hochprozentige der heimischen Schnapsbrennerei sowieso – und auch jene weißen Engel („Devotionalien“) dürfen jederzeit den Verkaufstresen passieren. „Diese T-Shirts müssen aber weg“, sagt Michael Höschler vom Landratsamt und zeigt auf ein buntes Sortiment an Oberbekleidung.

"Die Gemeinde wird Einbußen hinnehmen müssen"

Was fehlt, ist der „Gruß vom Königssee“ – mit diesem versehen, können selbst trendig gestaltete Kappen verkauft werden. „Ihnen ist es erlaubt, also weiterhin offen zu haben“, sagt Johannes Gruber in Richtung des Geschäftsinhabers. Für einen Souvenirladen macht die geltende Verordnung kaum Probleme. Wenn aber alle anderen Geschäfte geschlossen sind und die Kundschaft ausbleibt, wird auch ein Souvenirladen-Besitzer überlegen müssen, ob sich das Öffnen lohnt.  Düster schaut es hingegen für Franz Schön aus. Dem Sportartikel-Verkäufer ist klar, dass er mit der geltenden Gesetzeslage kaum Chancen haben wird. „Sie müssen sonntags schließen“, sagen die Landratsamts-Vertreter. Denn Badegegenstände sind bei Franz Schön nicht in ausreichendem Maß vorhanden. Bergschuhe, Wanderstöcke und Funktionsbekleidung sind kein Argument, den Laden aufgesperrt zu lassen. „Ich werde alles in meiner Macht Stehende tun und mich weiter einsetzen“, gibt sich der Ladenbesitzer kämpferisch. „Die Gemeinde wird deutliche Einbußen hinnehmen müssen“, sagt eine Verkäuferin. Existenzängste habe sie zwar noch keine, aber „es werden Köpfe rollen“. Arbeitsplätze würden vernichtet. Silvia Hübner, Verkäuferin in einem Taschenladen, weiß noch nicht, wie es für sie weitergeht. Wohl aber wird ihr Laden schließen müssen. Taschen gibt es immerhin überall. „Mal schauen“, sagt sie. Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen.                                                                                                                                                                                                                                                                    kp

Zurück zur Übersicht: Region Berchtesgaden

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser