„Es geht um die Zukunft der Vereine“

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Sorgt sich um das Ehrenamt: der Vereinsvorsitzende Sepp Wenig.

Schönau - Bei der Versammlung der "Vereinigten Trachtenvereine des Berchtesgadener Landes" sorgte man sich vor allem um eines: das Ehrenamt, das kaum einer mehr ausführen möchte.

 Zur Frühjahrsversammlung der Vereinigten Trachtenvereine des Berchtesgadener Landes begrüßte kürzlich 1. Vorsitzender Sepp Wenig im Gasthaus Unterstein. Sein Blick fiel zurück auf ein „etwas ruhigeres“ zweites Halbjahr. Und trotzdem gibt es bei den Trachtenvereinen eine große Sorge: der Nachwuchsmangel beim Ehrenamt: „Die Existenz so manchen Vereins kann bedroht sein“.

Bevor Wenig den Bericht des Vorsitzenden vortrug, ging Renate Murf im Schriftführerbericht auf das vergangene Halbjahr ein. Speziell die Herbstversammlung im Gasthaus Schönfeldspitze dürfte in Erinnerung geblieben sein. Dort hatte Wenig seine Besorgnis wegen der Größe des Gau-Dachverbands, dem die Vereinigten Trachtenvereine des Berchtesgadener Landes angehören, kundgetan. Das Preisplattln, das im Herbst 2011 im Kongresshaus durchgeführt wurde, „war ein voller Erfolg“, so Murf. Deshalb wolle man die Veranstaltung auch wiederholen. Einen kurzen Abriss gab sie zum Gaufest, und auch das Gaujugendpreisplattln im letzten Halbjahr war eine Großveranstaltung, die von vielen Trachtlern besucht wurde. Der Weihnachtsheimatabend im Kongress sei auf große Resonanz in der Bevölkerung gestoßen und habe gezeigt, dass eine derartige Umsetzung gewünscht werde. Nicht beendet worden sei der seit längerem geplante Trachtenkalender, der sich nun aber auf der Zielgeraden befinde und in den nächsten Wochen abgeschlossen werden soll. Sepp Wenig sagte, dass bereits zahlreiche gute Bilder gesammelt und ausgewählt seien und das Kalender-Projekt spätestens zum Jahrtag abgeschlossen werden könne. Im März fand eine Vorstands- und Ausschusssitzung statt, der April war für so manchen Trachtler geprägt von einer Preisrichterschulung, an der auch einige heimische Vertreter teilgenommen hatten. Personelle Änderungen gab es bei den Jugendleitern. Künftig wird die Trachtler-Jugend von Anderl Neumayr und Regina Ebner unterrichtet. Sepp Wenig bedankte sich bei diesen: „In der heutigen Zeit ist das Amt des Jugendleiters keine einfache Aufgabe“. Wenn man das Ergebnis dann aber sehe, wisse man aber, für was man die Mühe und den zeitlichen Aufwand aufbringe. Die offizielle Neuwahl soll in der Herbstversammlung in sechs Monaten stattfinden. Der Versammlung teilte Wenig mit, dass seitens der Oktoberfest-Veranstalter für die Vereinigten Trachtenvereine eine Absage beim diesjährigen Umzug erteilt wurde: „Ich werde mich nächstes Jahr wieder darum bemühen“, versprach er. Besonders stolz zeigte er sich hinsichtlich des letzten Jahrtags, bei dem zum ersten Mal fünf Kapellen in einem großen Zug gemeinsam spielten. Für den September und den Oktober kündigte er jeweils zwei kleine Heimatabende an und bat um zahlreiche Teilnahme. Eine Thematik war es, die nicht nur ihn, sondern auch seinen Stellvertreter und Gebietsvertreter Tobias Kastner beschäftigte: die Sache mit dem Ehrenamt. Sepp Wenig meinte zwar, dass man sich insgesamt auf einem guten Weg befinde. „Bei der Jugend läuft es hervorragend, wir haben ausreichend Nachwuchs“.

Trachtenvereine: Sorge um das Ehrenamt

Und trotzdem bedrückt ihn, dass man in der heutigen Zeit bei kaum einem Vereinsmitglied mehr Bereitschaft für das Ehrenamt finde. „Wir bewegen uns in eine Richtung, in der man beinahe schon Angst haben muss“, klagte Wenig. Das sei eine kritische Situation, keinen Vorstand für einen Verein zu finden. Denn ohne Vorstand sei ein solcher im Begriff, sich auflösen zu müssen. Erst kürzlich habe es bei zwei Trachtenvereinen Neuwahlen gegeben – neue Vorstände haben sich auf Anhieb nicht gefunden. Bei den Almrauschern hat dann erneut der alte Vorstand sein Amt übernommen. Eine glückliche Fügung. Doch bei den Watzmannern gab es keinen, der den Vorstand ersetzen wollte, nachdem dieser sich nicht mehr hatte aufstellen lassen. „Da müssen wir noch schauen“, so Sepp Wenigs wenig freudige Auskunft. Ein Ehrenamt in führender Position? Heutzutage werde das von kaum einem mehr angestrebt. „Viele Leute gehen schon gar nicht mehr in die Versammlungen rein, weil sie Angst haben, ihre Hand heben zu müssen“, sagte er. Beängstigen würde ihn dieser Zustand. Derweil gehe es um die Zukunft der Vereine. Wenn Neuwahlen anstehen und es findet sich keiner, wird abgebrochen. Findet sich dann, bei einer außerordentlichen Sondersitzung, erneut niemand, wird der Verein aufgelöst. Seinen Appell richtete er an alle Vereinsmitglieder: „Geht in Euch, sonst schlittern wir alle zusammen in ein Dilemma“. Ähnliche Worte fand Wenigs Stellvertreter Tobias Kastner. „Keiner möchte mehr die Verantwortung übernehmen“. Generelle Hilfe böten zwar viele Mitglieder an, doch Zeit für das Amt habe anscheinend keiner. „Ein Vorstandposten hat viele schöne Seiten“, so Kastners Fazit. Franz Moderegger von den D’Watzmanner sagte während der Diskussion, dass es sehr wohl Nachwuchssorgen gebe: „Wo sind die 30- bis 45-Jährigen?“ Alt und Jung – das sei das typische Bild während Veranstaltungen. Aber die mittleren Jahrgänge fehlen. Für die anstehende außerordentliche Sondersitzung bei den Watzmannern, die über den Vorstand und damit die Vereinszukunft entscheidet, sei er optimistisch gestimmt: „Wir finden eine Lösung“. Nach 110 Jahren Vereinsgeschichte könne es doch nicht sein, den Verein einfach aufzulösen.

kp

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