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“Corona hat alle Seen getroffen”

Michael Grießer über die Auswirkungen der Pandemie an Königssee und Co.

Unbeständiges Wetter: nichts los am Königssee. Auch generell gilt während der Pandemie: Es kommen deutlich weniger Gäste.
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Unbeständiges Wetter: nichts los am Königssee. Auch generell gilt während der Pandemie: Es kommen deutlich weniger Gäste.

Die Corona-Pandemie hat die Fahrgastzahlen der Bayerischen Seenschifffahrt in den vergangenen zwei Jahren schwer in Mitleidenschaft gezogen. Ob Königssee, Tegernsee, Ammersee oder Starnberger See: Das Minus liegt bei knapp 50 Prozent.

Schönau am Königssee – Fahrgäste bleiben weiterhin zurückhaltend. Den Grund für die schlechten Zahlen am Königssee erkennt Geschäftsführer Michael Grießer auch in der Berichterstattung über den Landkreis Berchtesgadener Land. In guten Jahren hießen die Bootsführer am Königssee jedes Jahr rund 750.000 Gäste willkommen, die rüber wollten zur Halbinsel St. Bartholomä oder weiter nach Salet. Der Königssee gilt mit rund einer Million Besuchern pro Jahr als eine der bayerischen Top-Destinationen.

Volle Boote gibt es heute keine mehr, was aber nicht nur mit der reduzierten Anzahl der Sitzplätze auf den 18 Elektrobooten zusammenhängt. Die Gäste seien vorsichtiger geworden, es gibt weniger Tagestouristen, zudem setzt der Seenschifffahrt die negative Berichterstattung über die Region zu. Lockdown, Unwetter, die Nachwehen seien spürbar, sagt Michael Grießer. Das Unwetter im Berchtesgadener Land werde häufig mit den Bildern aus dem Ahrtal in Verbindung gebracht. “Das schreckt noch immer ab”, sagt er. 

Die Auswirkungen von Corona an Königssee und Co.

Auswirkungen von Corona an Königssee und Co.
Im Winter befindet sich ein Großteil der Elektroboote am Königssee in den Bootshütten.  © kp
Auswirkungen von Corona an Königssee und Co.
Der denkmalgeschützte Hauptsitz, zwei Fußminuten vom Königssee entfernt. © kp
Auswirkungen von Corona an Königssee und Co.
Nur zu zwei Dritteln besetzt sind die bis zu 120 Personen fassenden Boote, hier die “Königssee”. © kp
Auswirkungen von Corona an Königssee und Co.
Michael Grießer, Geschäftsführer der Bayerischen Seenschifffahrt. © kp
Auswirkungen von Corona an Königssee und Co.
Unbeständiges Wetter: nichts los am Königssee. Auch generell gilt während der Pandemie: Es kommen deutlich weniger Gäste. © kp
Auswirkungen von Corona an Königssee und Co.
Am Königssee ist die Verwaltung der Bayerischen Seenschifffahrt. © kp

Etwa 400.000 Gäste kamen in den beiden vergangenen Jahren. Am Tegernsee zählten die Verantwortlichen statt 280.000 nur rund 140.000 zahlende Kunden. Am Ammersee fielen die Zahlen von 290.000 auf 145.000 im Jahr 2020. Im vergangenen Jahr erreichten diese wieder 190.000 - liegen aber weit entfernt von den Zahlen vor der Pandemie. Am Starnberger See, dem größten der vier Seen mit den wenigsten Passagieren, ergab die Bilanz statt 227.000 Besuchern nur 121.000 im Jahr 2020. Im vergangenen Jahr schipperten 166.000 über das Gewässer. Ist die Erholung also in Sicht?

Michael Grießer sagt, Corona habe alle Seen getroffen. Er weiß, dass steigende Zahlen nur an den Tagesausflugsseen registriert würden. Starnberger See und Ammersee würden vor allem von Tagesgästen aus der Region, etwa aus dem Münchner Umfeld, frequentiert. “Da hat es sich etwas entspannt.” Königssee und Tegernsee seien aber vor allem touristische Seen. Weil der Tourismus unter Corona starke Einbußen zu verzeichnen hatte, seien weniger Gäste gekommen. Spürbar sind am Königssee etwa chinesische Besucher. “Da hatten wir eine relativ große Basis, die einen großen Anteil ausgemacht hat.” Oft seien diese mit Bussen angereist, Königssee und Hallstatt im Salzkammergut waren dabei fest eingeplante Bestandteile.

Für die Bayerische Seenschifffahrt seien Chinesen aber auch deshalb wichtig, “weil sie das ganze Jahr über gekommen sind, von Januar bis Dezember”. Am Königssee wird ganzjährig gefahren. Während des Winters transportiert eine reduzierte Zahl an Schiffen die Gäste über den sieben Kilometer langen See. Die Bayerische Seenschifffahrt gilt als Regiebetrieb des Freistaates Bayern. “Deshalb gibt es bei uns auch keine staatliche Förderung”, sagt Grießer. Allerdings waren die Jahre vor Corona fett, “wir hatten Gewinnrücklagen und immer gute Jahre”, sagt der 55-Jährige, der seit mehr als sieben Jahren den Posten des Geschäftsführers innehat.

Vor wenigen Jahren hatte Grießer ein Forschungsinstitut beauftragt, um eine repräsentative Erhebung über die Gästeherkunft für den Königssee durchzuführen. 5000 Personen wurden im Laufe eines Jahres befragt. “Der Ausländeranteil ist mit 40 Prozent sehr hoch.” Am Tegernsee will Grießer eine vergleichbare Umfrage in Auftrag geben. “Wir gehen aber davon aus, dass der Ausländeranteil auch dort recht hoch ist”, sagt er. Individualgäste seien in Bayern zwar viele unterwegs. Was den vier Schifffahrtsseen aber allgemein zu schaffen macht, sind die ausbleibenden Gruppenreisen per Bus.

“Die Tendenz zu mehr Gästen ist zwar da, aber Busreisen gibt es nur wenige.” Seitdem Auslandsreisen wieder möglich sind, werden auch Reisen in die Ferne wieder gebucht. Im Jahr 2020 fand der Urlaub in erster Linie im Inland statt. Auslandsreisende fallen als potenzielle Bayern-Urlauber aus. Touristische Werbemaßnahmen in den vergangenen Monaten blieben zudem weitestgehend erfolglos.

Weil der Fahrbetrieb über die bayerischen Seen als Personenverkehr zählt, gelten während Corona “Maßstäbe wie in U- und Trambahn. Wir haben unsere Boote nur zu zwei Dritteln besetzt, sagt Michael Grießer. Der Geschäftsführer hofft, “langsam wieder zur Normalität zurückkehren zu können”, sofern Corona das zulässt. Viele Gäste und volle Boote an den vier bayerischen Schifffahrtsseen - solche Bilder gab es lang genug nicht

kp

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