Weiter Diskussion um Hotel-Neubaupläne in Schönau am Königssee

Anheizen von Touristen-Hotspot oder wichtiges Projekt für die Gemeinde?

Bei einem Ortstermin am Donnerstag stellten Vertreter eines Bündnisses aus Bund Naturschutz (BN), Landesbund für Vogelschutz (LBV) und Mitgliedern des Heimatkundevereins sowie Grünen-Gemeinderäten den Landtagsabgeordneten Gisela Sengl, stellvertretende Fraktionssprecherin der Grünen im Landtag und Dr. Sabine Weigand, Denkmalschutzbeauftragte der Grünen im bayerischen Landtag das Projekt eines Hotel-Neubaus im Ort vor. Schönaus Bürgermeister Hannes Rasp (CSU) kann die Argumentation des Bündnisses dagegen nicht nachvollziehen.
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Bei einem Ortstermin am Donnerstag stellten Vertreter eines Bündnisses aus Bund Naturschutz (BN), Landesbund für Vogelschutz (LBV) und Mitgliedern des Heimatkundevereins sowie Grünen-Gemeinderäten den Landtagsabgeordneten Gisela Sengl, stellvertretende Fraktionssprecherin der Grünen im Landtag und Dr. Sabine Weigand, Denkmalschutzbeauftragte der Grünen im bayerischen Landtag das Projekt eines Hotel-Neubaus im Ort vor. (Im Hintergrund der Löwenstein) Schönaus Bürgermeister Hannes Rasp (CSU) kann die Argumentation des Bündnisses dagegen nicht nachvollziehen.

Auch nach dem Beschluss im Gemeinderat von Schönau am Königssee für den Bebauungsplan, welcher die Umsetzung eines Hotel-Neubauprojekts ermöglicht, gehen die Diskussionen darum weiter. Nun schalten sich Landtagsabgeordnete der Grünen in die Diskussion ein.

Schönau am Königssee - „Der touristische Hotspot Königssee würde mit 550 zusätzlichen Hotelbetten verteilt auf zwei Hotelbetriebe in diesem kleinräumigen Areal direkt am Königssee weiter angeheizt“, erklärt Martin Geilhufe, Landesbeauftragter des Bund Naturschutz in Bayern. „Wir haben vielmehr in den letzten Jahren 2000 Gästebetten verloren“, kontert Schönaus Bürgermeister Hannes Rasp (CSU) gegenüber BGLand24.de. „Die Übernachtungstouristen sind sehr wichtig für den Tourismus-Standort.“

Vier-Sterne-Hotel soll in Schönau entstehen: Bürgermeister und Mehrheit des Gemeinderats dafür, Bündnis aus Natur- und Denkmalschützern dagegen

283 Zimmer mit 566 Betten und eine Tiefgarage mit 200 Stellplätzen soll ein in Bumerangform geplantes Vier-Sterne-Superior-Hotel einmal an der Seelände bieten. Kosten wird das voraussichtlich etwa 100 Millionen Euro. Es soll im Bereich des ehemaligen „Badhotels“, des „Casinos“, des „Landhaus Königssee“ sowie dem ehemaligen Asylbewerberheim entstehen. Auch der Parkplatz- und Wiesenbereich südöstlich vom ‚Alten Bahnhof‘ ist in die Pläne des Investors miteinbezogen. Anfang April hatte der Gemeinderat von Schönau am Königssee den Bebauungsplan für die Seelände beschlossen. Damit kann das Projekt nach vielen Jahren der Diskussion und Beratung darüber nun weiter fortschreiten. Doch nicht alle sind damit glücklich.

Ein Bündnis aus Bund Naturschutz (BN), Landesbund für Vogelschutz (LBV) und Mitgliedern des Heimatkundevereins mit Unterstützung der Partei Bündnis 90/ Die Grünen zusammengeschlossen, um eine mögliche rechtliche Auseinandersetzung zu prüfen. Die Landtagsabgeordneten Gisela Sengl, stellvertretende Fraktionssprecherin der Grünen im Landtag und Dr. Sabine Weigand, Denkmalschutzbeauftragte der Grünen im bayerischen Landtag erkundigten sich am Donnerstag vor Ort über das Projekt. „Bei der Vorstellung des Projekts auf der Bürgerversammlung hat es großen Zuspruch gefunden“, bemerkt Schönaus Bürgermeister Rasp. „Natürlich gibt es auch Leute die das kritisch sehen, aber ich denke die Mehrheit der Leute hier ist froh darüber.“

Wird Verkehrsaufkommen drastisch erhöht?

„Durch die deutliche Erhöhung der Bettenkapazität im Rahmen des Bauvorhabens ist ein vermehrtes Verkehrsaufkommen zu erwarten, welches vor allem Anrainer und Bewohner der Zufahrtstraßen belastet. Sie sind in erhöhtem Maße zusätzlichem Verkehrslärm und Luftverschmutzung ausgesetzt. Die Zunahme des Individualverkehrs wird neben der erheblichen Erweiterung der Bettenkapazität vor allem auch durch die nicht fußläufige Entfernung des Hotelkomplexes zur Infrastruktur nächstgelegener Ortsbereiche und den unzureichend entwickelten ÖPNV verstärkt“, äußert sich Toni Wegscheider, 1. Vorsitzender der LBV-Kreisgruppe im Berchtesgadener Land weiter dazu.

So könnte der neue Hotelkomplex am Königssee aussehen.


„Es wurde extra ein Verkehrsgutachten erstellt“, erwidert Schönaus Bürgermeister Rasp. „Dabei wurde vom schlechtesten Fall ausgegangen und sogar die Parkflächen des lokalen Einzelhandels eingerechnet. Das Gutachten kam zu dem Schluss, dass sich das Verkehrsaufkommen nur um Nuancen ändern wird.“

Wird der Denkmalschutz ausreichend berücksichtigt?

Daneben erscheint die Größe des Haupthauses mit 19,9 Meter Höhe dem Bündnis als überdimensioniert. „Mit dieser Höhe kommt das Gebäude fast an die Definition eines Hochhauses, die 22 Metern entspricht. Vor allem das Hauptgebäude fügt sich in dieser sensiblen Lage nicht in die Umgebung um die Baudenkmale ‚Ensemble Schiffslände Königssee‘, ‚Alter Bahnhof‘ sowie den ‚Dienstgebäuden der staatlichen Verwaltung Königssee‘ ein. Der denkmalgeschützte Alte Bahnhof ist dadurch auch vom Teilabriss bedroht. Zudem fehlt ein angemessener Abstand zu den historischen Gebäuden“, äußert Manfred Angerer, Mitglied des Heimatkundevereins und Eisenbahnexperte seine Bedenken.

Hier soll in Schönau am Königssee das Hotel entstehen. Das erste Gebäude wurde schon abgerissen.

Im geplanten Hotelareal befinde sich außerdem das Naturdenkmal „Löwenstein“, ein im Bayerischen Geotop-Kataster eingetragener Eiszeitfindling. „Durch die geplante weiterhin eng angrenzende Bebauung bleibt die Wirkung des Geotops beeinträchtigt.“ Auch in diesem Punkt kann Schönaus Bürgermeister dem Bündnis nicht zustimmen. „Das wurde alles in enger Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Denkmalschutz schon besprochen. Das Projekt wurde auf Anregung des Amts sogar schon reduziert und angepasst. Auch sonst hatten sämtliche Behörden bereits im Laufe des Verfahrens zur Öffentlichkeitsbeteiligung bei der Erstellung des Bebauungsplans die Gelegenheit, Bedenken einzubringen.“

Der alte Bahnhof von Schönau am Königssee.

Weiterhin gibt Rasp zu bedenken, dass keinesfalls der Abriss des gesamten historischen Bahnhofsgebäudes zur Sprache stünde, sondern lediglich eines Anbaus aus den 80er Jahren. „Und selbst da gibt es Gespräche, diesen auch noch zu erhalten.“ Eine alternative Nutzung für das Areal hält er für nicht sinnvoll. „Beispielsweise Wohnbebauung würde an diesem stark frequentierten Ort nur für Unfrieden sorgen. Dort gab es ja schon früher Hotellerie. Unser Ort lebt vom Tourismus, da ist es doch besser so etwas auf ein bereits früher dafür genutztes Areal zu bauen, statt auf die grüne Wiese?“

hs

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