ÖJV: „Rechtssystem wird auf den Kopf gestellt“

Tote Hirschkälber: Kritik an Anzeigen gegen Nationalpark Berchtesgaden

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Der Streit um die toten Kälber im Nationalpark Berchtesgaden geht weiter
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Schönau am Königssee – Der Ökologische Jagdverein Bayern e.V. hat mit Kritik auf die Anzeigen gegen den Nationalparkpark Berchtesgaden in Person von Dr. Roland Baier reagiert. 

Seit Ostern spitzt sich die Diskussion um die verendeten Hirschkälber im Nationalpark Berchtesgaden weiter zu. Die Tierschutzvereine „Wildes Bayern e.V.“ und „Allianz für Wildtiere“ sind weiterhin vom unerlaubten Abschuss einiger Hirschkühe überzeugt, die eine Verwaisung und den Tod der Kälber zur Folge hatten. Beide Vereine haben zuletzt auch Anzeige gegen den Nationalpark erstattet.

Auf der anderen Seite streitet die Nationalparkverwaltung diese Vorwürfe vehement ab und beruft sich auf einen natürlichen Vorgang. Sogar rechtliche Schritte gegen „Wildes Bayern e.V.“ wurden geprüft. Unterstützung bekommt der Nationalpark erneut vom Ökologischen Jagdverein Bayern e.V. (ÖJV), der die Anzeigen kritisiert. Der Jagdverein wurde von der Vorsitzenden von „Wildes Bayern e.V.“ Dr. Christine Miller direkt mit diesem Fall in Verbindung gebracht.

Viele Kritikpunkte gegen Tierschutzvereine

In einer Pressemitteilung vom ÖJV heißt es, unser Rechtssystem wird auf den Kopf gestellt, Mutmaßungen und Unterstellungen ersetzen Fakten und natürliche Grunderkenntnisse werden ignoriert. So müsse nicht der Nationalpark seine Unschuld beweisen, sondern die Antragsteller der Strafanzeige müssten die Verstöße gegen unser Rechtssystem belegen.

Ein weiterer Kritikpunkt sei, dass die Antragsteller der Strafanzeige lediglich mit Mutmaßungen und Unterstellungen arbeiten, um damit Stimmung gegen den Nationalpark zu machen, aber nicht zur Versachlichung und Klärung beitragen würden.

Miller: "Klärung ist Sache der Staatsanwaltschaft"

Die Wildbiologin Dr. Miller ist da ganz anderer Auffassung: „Unser Rechtssystem beruht darauf, dass Beobachtungen, die sich mit Straftaten erklären lassen, gemeldet werden müssen. Es ist dann Aufgabe der Staatsanwaltschaft, diese zu überprüfen.“

„Der Nationalpark könnte die Aufklärung unterstützen und diese ganz leicht mit Zahlen belegen“, so Dr. Miller. Die Wildbiologin hatte zu diesem Zweck bereits eine Anfrage beim Nationalpark gestellt, hat aber bisher keine Antwort erhalten. Lediglich um Zeitaufschub wurde sie bisher gebeten.

ÖJV: "Fakten werden ignoriert"

Der natürliche Vorgang von Fallwild, um das es sich laut dem ÖJV und dem Nationalpark bei dem Fund der toten Kälber handeln soll, werde von den Tierschutzvereinen ignoriert. Das ganze behandle, wie andere Fälle zeigen, lediglich die Kontrolle staatlicher Einrichtungen und die Schwächung der notwendigen Schalenwildbejagung. Die ganze Pressemitteilung können sie hier nachlesen.

Zuletzt sollte bei der Veranstaltung „Der Nationalpark informiert“ diese Thematik eigentlich nicht behandelt werden. Doch Nationalparkleiter Dr. Roland Baier hat dann doch eine Stellungnahme abgegeben: "Es ist immer die gleiche Masche, wie diese drei Vereine (Allianz für Wildtiere, Wildes Bayern, Deutscher Tierschutzbund, Anm.) gegen Behörden vorgehen". Es stimme nicht mal, dass die Vereine wie berichtet Anzeige gegen den Nationalpark gestellt hätten.

Anzeige bestätigt

Dr. Miller erklärt, dass es bisher drei gemeinsame Anzeigen mit dem „Deutschen Tierschutzbund, Landesverband Bayern e.V“ gegeben habe. Zudemsei die Anzeige von der „Allianz für Wildtiere“ unabhängig von ihrem Verein gestellt worden.

Auf Nachfrage bei der Staatsanwaltschaft Traunstein hat uns Oberstaatsanwalt Volker Ziegler die Anzeige von „Wildes Bayern e.V.“ bestätigt und mitgeteilt, dass sie derzeit in der Prüfung sei. Dr. Miller ist empört über die Aussagen vom Nationalpark und ÖJV: „Eine Strafanzeige muss wohl überlegt sein und wenn man sich zu dem Schritt entschließt, dann sollte man ihn auch machen – das ist unsere Überzeugung.“

jz

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