Tote Hirschkälber: Tierschutzvereine fordern Aufklärung

„Genug ist Genug!“ - Zwei Anzeigen gegen den Nationalpark Berchtesgaden

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Der Fund toter Kälber sorgt für große Diskussionen
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Schönau am Königssee – Seit sechs Wochen wird über den Fund einiger toter Hirschkälber im Nationalpark Berchtesgaden diskutiert. Wurden die Muttertiere erschossen? Jetzt wurden zwei Anzeigen gegen den Nationalpark erstattet.

Die „Allianz für Wildtiere“ sowie „Wildes Bayern e.V.“ zusammen mit dem „Deutschen Tierschutzbund, Landesverband Bayern e.V“ haben jeweils innerhalb kürzester ZeitAnzeige gegen die Nationalparkverwaltung Berchtesgaden erstattet. Dem Nationalpark werfen sie den Abschuss von Hirschkühen vor. Daraus resultierte ihrer Meinung nach das Verhungern einiger Rotwildkälber.

Der Nationalpark hat diesen Vorwurf jedoch immer vehement von sich gewiesen und von einem natürlich Prozess gesprochen. Der Leiter des Nationalparks Berchtesgaden habe bis heute keine Beweise vorlegen können, welche diesen Vorwurf entkräften, so Christian Blas, Sprecher von „Allianz für Wildtiere“.

Rücktrittsforderung an Nationalparkleiter

Neben der Anzeige hat die „Allianz für Wildtiere“ auch eine Rücktrittsforderung von Nationalparkleiter, Dr. Roland Baier, gefordert. In einem Schreiben an Thorsten Glauber, Bayerischer Staatsminister für Umwelt- und Verbraucherschutz, werfen sie dem Nationalpark vor, "bürgerfern und intransparent" zu sein.

Auch die Jagdmethoden werden in ihrem Schreiben bemängelt: „Mit Quad und Schalldämpfer zieht man gegen sie in den Krieg. Naturwissenschaft schaut anders aus, überall auf dieser Welt. Bayern muss sich schämen, ob solcher Handlungen, ob solcher Menschen in seinem öffentlichen Dienst.“

Die ganze Pressemitteilung der „Allianz für Wildtiere“ lesen Sie hier.

Bisher keine Aufklärung - Beweismittel vernichtet?

„Irgendwann muss Schluss sein mit Zuwarten, Hinhalten und Ankündigen. Genug ist Genug!“, so Dr. Christine Miller, Vorsitzende von „Wildes Bayern“ und Entdeckerin der toten Kälber. Eine Anfrage nach den Zahlen, die zur Klärung der offenen Fragen um die Bejagung des Rotwildes und das Überleben von Hirschkühen führen könnten, habe die Nationalparkleitung bis heute nicht beantwortet.

„Ebenso haben wir die Staatsanwaltschaft Traunstein gebeten zu prüfen, ob der Leiter des Nationalparks, Dr. Roland Baier, sich möglicherweise der Strafvereitelung im Amt und der Vernichtung von Beweismitteln schuldig gemacht haben könnte,“ verkündet Dr. Miller in ihrer Pressemitteilung. Es könnte laut dem Tierschutzverein sein, dass die„Beweismittel“ als Wildpret verkauft wurden.

Auch Politiker im Visier

„Am Ende muss uns nicht nur die Verwaltung des Nationalparks darüber Rede und Antwort stehen, wie sie es mit Recht und Gesetz hält. Wir wollen von den politisch Verantwortlichen auch wissen, warum es in Bayern einen Alpennationalpark gibt, in dem wir kaum Spuren der ursprünglichen Nationalpark-Idee finden können,“ so Miller abschließend.

Die ganze Pressemitteilung von „Wildes Bayern e.V.“ finden sie hier.

Erste Anworten auf Infoveranstaltung?

Es dürfte immer ungemütlicher werden für den Nationalpark Berchtesgaden, zumindest bis die Vorwürfe aufgeklärt sind. Eine Anfrage um Stellungnahme beim Nationalpark wurde bereits gestellt. Mit großer Sicherheit wird dies aber auch ein großes Thema bei der alljährlichen Info-Veranstaltung „Der Nationalpark informiert“ am Dienstag, 4. Juni, im „Haus der Berge“ sein, über den wir auch berichten werden. Beginn ist um 19.00 Uhr, der Eintritt ist frei.

jz

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